Donnerstag, 24. Mai 2012, 16:50:20 Uhr

20. September 2008, 00:10

Hermann Achmüller der Vize Weltmeister gewinnt den Jungfrau Marathon

Patrick Wieser wird sensationeller Dritter!

Der Südtiroler Hermann Achmüller, amtierender Vize-Weltmeister, gewinnt überlegen den Jungfrau Marathon im Berner Oberland. Martin Cox wird am Schluss brillianter Zweiter und der Schweizer mehrfache Waffenlauf-schweizermeister Patrick Wieser wird sensationeller Dritter.

Interlaken (mk) Der Jungfraumarathon war auch in seiner diesjährigen Ausführung, an Dramatik kaum zu überbieten. Das Spitzenteilnehmerfeld, dass Richi Umberg wieder nach Interlaken eingeladen hatte, stand dem letztjährigen kaum nach. Einzig Weltmeister Wyatt blieb dem Rennen infolge Verletzung fern. Angeführt vom Vize-Weltmeister Hermann Achmüller, dem Dritten der WM Gerd Frick und weiteren Topläufern wie Martin Cox, Tim Short, Grigory Murzin, Raitilla Anssi, Serguej Kaledin, Mike Tanui, Boniface Usisivu und dem erstmals über diese Renndistanz gehenden Schweizer Hoffnung Patrick Wieser, standen sich so die besten Bergmarathonläufer des Jahres gegenüber. Dies waren aber längst noch nicht alle, Urs Jenzer, Konrad von Allem und noch ein Dutzend andere, hatten ebenso Chancen ein Wörtchen mitzureden. Dennoch stand die Frage gleich im Raum, wer den hier am heutigen Tag gewinnen würde. Aus dem hochkarätigen Feld jemanden als absoluten Favoriten auszuwählen, dass war schwierig.

Daneben standen auch wieder Tausende an Bergläufern und Bergläuferinnen am Start. Das Verhältnis
von immerhin 1:5 zeigt, dass auch im Berglaufsport, die Damen im Aufwind sind. So waren auch im Damenfeld mit Elena Kaledina, Jeanna Malkova und Simona Staicu sowie der Schweizerin Carolina Reiber, Deborah Balz und Petra Guggisberg ebenfalls hochkarätige Athletinnen auf der Startliste.

Tradition - Faszination und Bewunderung

Das Startprozedere in Interlaken ist jedes Jahr faszinierend und löst auch bei den vielen Touristen, die am morgen um Neun bereits hinter den Abschrankungen stehen, grosse Begeisterung aus. Tradition mit alten Bräuchen wie den Fahnenschwingenern und Alphornbläsern und kurz vor dem Start der Schweizer Nationalhymne, lassen diesen Bergmarathon zum unvergesslichen Erlebnis werden. Nicht zuletzt sei noch das OK zu nennen, dass sich mit Stolz zu einem ebenfalls hochkarätigen Team geformt hat. Man übertreibt nicht, wenn man sagt: "Der Jungfrau Marathon und seine Organisation, sind wohl das Beste, was in Sachen Marathonorganisation zu finden ist."

Achtung fertig - Kaledina
Das Rennen an der Spitze verfolgte Marcel Krebs auf dem Motorrad

Der Blitzstart des Russen Kaledina, stellte sogar seinen letztjährigen an der WM in den Schatten. Mit einem solchen Tempo loszurennen, schien schon verrückt. Kaledina war aber anscheinend heute so in Topform, dass er sich das leisten konnte. Er vergrösserte den Abstand innerhalb der ersten Kilometer gleich bis 5-600 Meter und baute diesen bis gegen Lauterbrunnen kräftig aus. Dahinter kämpfte sich allerdings ein kleines Feld von ca. 20 Läufern kontinuierlich an Kaledina heran. Abwechselnd wurde Tempo gemacht. Erst durch Tim Short, dann durch Gerd Frick und abwechslungsweise auch durch andere starke Läufer.

Tausende am Strassenrand - der Angriff von Usisivu

Wieder standen tausende von Zuschauern am Strassenrand und feuerten die Läufer mit Musik, den Rätschen und lauten Anfeuerungsrufen an. Hinter Wilderswil, forcierte der Kenianer Usisivu das Tempo. So sprengte er die grössere Verfolgungsgruppe. Alle Favoritten konnten allerdings mithalten. Usisivu gab allerdings noch mehr Gas, und lief vorne weg. Hermann Achmüller und auch weitere Topfavoriten liessen ihn ziehen, den auf dieser Strecke wird der Lauf mit dem Kopf entschieden. Das Gelände bis Lauterbrunnen ist eher einfach, der Streckenabschnitt nach Wengen hinauf dafür brutal und die letzten 12 Bergkilometer ab Wengen sind für die endgültige Entscheidung bekannt. So liessen sie den Kenianer ziehen. Erstaunlich war zu diesem Zeitpunkt, wie leicht der Schweizer Patrick Wieser das Tempo mithalten konnte. Wieser zeigte sich aber auch als geschickter Taktiker mit Köpfchen. Er liess sich ebenfalls nicht zum Schnelllaufen provozieren.

Wengen - am Weg der Entscheidung

In Wengen sah die Spitze schon anders aus. Kaledina eingeholt und bereits abgeschlagen - Usisivu mit verzerrtem Gesicht und schweren Beinen und dicht dahinter Achmüller - locker und voller Tatendrang. Hier gab's bereits keine Zweifel mehr - Vizeweltmeister Achmüller war auf dem Weg zum Sieg! Taniu hatte sich hier auf Platz drei vorgearbeitet, die anderen Favoriten wie Cox, Frick und Murzin folgten - und mittendrinn die grosse Überraschung - Patrick Wieser.

Das Drama am Berg - der neue Marathonlaufstern Wieser!

Bei Kilometer 35 das grosse Drama. Usisivu kam hier bereits nicht mehr an der Spitze, aber immerhin noch an zweiter Stelle. Er war aber kreideweiss - setzet sich auf einmal an den Wegrand, blieb sitzen, stand wieder auf - ging mit leerem Blick zur Verpflegung zurück kam wieder mit vier Bananen zurück, schlang die hinunter und überlegte. Nach ca acht, neun Minuten machte er sich wieder auf den Weg. In der Zwischenzeit, waren aber die Verfolger längst an ihm vorbei gerannt. Tanui überraschend an zweiter Stelle - Cox nicht weit dahinter und Wieser in aussichtsreiser Podestposition an vierter-fünfter Stelle.


Martin Cox der grossartige Finisher - Achmüller souverän und Wieser mit Flügeln

Hermann Achmüller lief seinem ersten Jungfrau Marathon Sieg entgegen. Ruhig, gelassen und eben mit Köpfchen. Achmüller meinte aber im Ziel: Auf der Moräne musste ich den grössten Teil gehen, ich war am Ende meiner Kräfte, konnte mich aber immer motivieren und so den Vorsprung halten." Martin Cox wurde zur eigentlichen Überraschung. Bis Lauterbrunnen kaum zu sehen, spielte er sein wahnsinns Tagesform aus. Es lief auf den letzten Kilometern immer besser. Die eigentliche Sensation, vor allem aus Schweizer Sicht war allerdings Patrick Wieser. Der Aadorfer Militärwaffenlauf - Schweizermeister lief einen Wunderlauf. Erstmals in einem Marathon startend und gleich auf's Podest. "Ich sah meine Chance und konnte mich auf der Moräne noch mal voll motivieren und so die vor mir liegenden überholen. Die Chance Dritter zu werden gab mir den nötigen Schub und die Kraft. Für mich ist dieser dritte Rang wie ein Sieg!" so Wieser. Patrick Wieser löst mit diesem Podestplatz auch berechtigte Hoffnungen auf einen Röhtlin Nachfolger aus.

Die Siegerin von 2006 schlug allen ein Schnippchen

Obwohl sie nicht gut drauf sei, wie sie am Start sagte, lief Simona Staicu den beiden Topfavoritinnen Jeanna Malkova und Elena Kaledina um die Ohren. Im entscheidenden Moment konnte sie zusetzen und die beiden distanzieren.mehr....

Overall Männer (3298 Klassierte)
1. Achmüller Hermann,1971,IT-Pfalzen (BZ) 3:03.18,6 (1)
2. Cox Martin,1969,IT-St.Christina (BZ) 3:05.32,1 (7)
3. Wieser Patrick,1979,Aadorf 3:08.07,9 (11)
4. Short Timothy,1981,GB-EC4 V3QQ London 3:08.37,9 (3)
5. Frick Gerd,1974,IT-Merano (BZ) 3:11.15,1 (2)

Overall Frauen (751 Klassierte)
1. Staicu Simona,1971,HU-Hungary 3:39.05,5 (101)
2. Malkova Jeanna,1968,RU 3:41.15,7 (104)
3. Kaledina Elena,1966,FR-Meythet 3:43.21,1 (103)
4. Reiber Carolina,1973,Davos Dorf 3:44.31,6 (113)
5. Guggisberg-Oberli Petra,1974,Jegenstorf 3:50.28,4 (115)

Gesamtrangliste

Jungfrau Splitter - Interviews und mehr!

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Kaledina schlug gleich von Anfang an ein horrendes Tempo an. Er vermochte aber im Aufstieg nach Wengen nicht mehr mit den Ersten mitzuhalten.

Während dahinter sich die Verfolgergruppe bildete. Hier waren alle Favoriten vertretten. Angeführt auf dem Bild von Tim Short.

Short lief gut. Machte viel Führungsarbeit. Seine Schwäche war dennoch auf der langen Anlaufstrecke zum Berg zu finden. Im Aufstieg erholte er sich und wurde schlussendlich glänzender Vierter.

Anfänglich die grossen Widersacher - nachträglich die grossen Verlierer. Boneface Usisivu und Mike Tanui. Visivu diktierte auf der geraden Strecke bis Lauterbrunnen das Tempo. Er forcierte aber immer wieder um bei seinen Konkurrenten den Rythmus zu brechen. Die krochen allerdings dem Kenianer nicht auf den Leim. Vorsichtiger ging es da Tanui an. Er machte nicht alles mit, lief sorgfälltig von Lauterbrunnen die steile Rampe nach Wengen um anschliessend wieder Stoff zu geben. Tanui musste allerdings ebenfalls auf den letzten 7km alle ziehen lassen.

Der neue Marathonstern am Schweizer Laufhimmel - Patrick Wieser. Der mehrmalige Waffenlaufschweizermeister zeigte eine überragende Leistung. Als erster Schweizer seit Jahren, lief er auf's Podest.

Lief mit Köpfchen. Hermann Achmüller, der Vizeweltmeister. Seine Art war Klasse. Souveräner Sieger!!

 

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