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18. November 2013, 19:57

Noch zwei Schritte bis zur Hölle

Grossartiger Schweizer Sieg durch Adrian Brennwald

Sind es Verrückte - sind es Wahnsinnige oder sind es skrupellose Marathonläufer? Wer geht schon freiwillig über 700m unter die Erde und schwitzt sich drei Stunden einen ab? Nur Spinner könnte man meinen. Dem ist aber noch lange nicht so. Auch dieses Jahr fand der Untertagemarathon unter schier widerlichen Bedingungen statt. 12 Runden und in jeder Runde 85m Höhendifferenz plus. Hitze, Staub und Höllenfeuer. Dies ist dennoch noch nicht alles. Wer nämlich noch nie auf einer zentimeterdicken Salzunterlage gerannt ist, kann das überhaupt nicht begreifen, was solches Leiden heisst. Auch der Sieger aus der Schweiz Adrian Brennwald, mehrfacher Duathlon-Weltmeister, Extremlaufsieger der härtesten Läufe Europas rannte in der zweitletzten Runde im Aufstieg zum Ziel mit hängender Zunge hinauf ans künstliche Licht des Bergwerkmuseums. "So etwas habe ich noch nie erlebt!" - Meinte der Spitzenläufer. Für mich war es dennoch einmalig - ganz einfach eine grosse Erfahrung mehr in meiner langjährigen Laufkarriere. Alle Fotos Sport-heute.ch Marcel Krebs (C)

Sondershausen De, 16.11.13 mk-ak (mk) Glück auf – Glück auf, der Steiger kommt. Zuerst aber hinunter in die Salzhölle. Der Aufzug bringt 20 Leute auf's Mal im Schnellzugtempo in 700 Meter Tiefe. Nur ein kleines Lichtlein brennt oben im Lift. Die Fahrt ist angenehm, in etwa gleich wie in einem Güterzug auf Nebengeleisen. Die Erwartungen sind gross für die, die noch nie da unten waren. Die Überraschung perfekt. Man geht nach kurzen Schritten in eine Ticino Grotte mit gedämpften Licht in Grün, Blau und Orange. Es ist ruhig, Stimmung kommt erst vor dem Start auf.

Mit dem Steigerlied kurz vor dem Start werden die Läufer auf Kampf und Durchhalten getrimmt. Der Schneewalzer rundete dann das musikalische Intermezzo ab. Dann gilt es ernst. Der Gong hallt durch die Berghallen und langsam kommt Bewegung auf. 353 Verrückte stürmten auf den ersten Stollen zu, verschwinden in der Dunkelheit, als ob sie vom schwarzen Loch aufgesogen werden. 12 Runden auf einem 3,6 km langen Rundkurs in 700 Meter Tiefe, Hitze, Staub und Höllenfeuer, sind es am Schluss. Da braucht es schon ein bisschen Mut oder ganz einfach Humor Durchalteparolen und Zuversicht. Viele der Läufer wählten den Untertage-Sparkassen Marathon als Erlebnislauf aus und das war er auch, ein grossartiges, tolles Lauferlebnis. Einmal muss man dabei gewesen sein.

Wer zu schnell in die ersten Runden stieg, wurde bald eines Besseren belehrt. Die Strecke zeigte sich in ihrer ganzen Brutalität und selbst der Start-Ziel-Sieger aus der Schweiz musste eingestehen, sich auf den ersten Kilometern zu schnell bewegt zu haben. „Es war sehr schwierig am Anfang den Laufrhythmus zu finden. Wenn du ihn mal hattest, ging es um die Kurve und entweder steil bergauf oder steil bergab. Die Abläufe waren für mich persönlich das Schwierigste am Untertage-Sparkassen-Marathon in Sondershausen. Ich bekam ein solches Tempo, dass mir nichts anderes übrig blieb, als so weiterzumachen. Die Schläge in die Knie taten weh und der Staub der wie nach einem Schneesturm in der Luft lag, tat meinen Lungen auch nicht gut. Das Dessert am Schluss jeder Runde war allerdings der steile Aufstieg zum Ziel. Mit jeder Runde bekam ich mehr Mühe und in der vorletzten Runde musste ich auf die Zähne beissen um das Tempo zu halten. Das Erlebnis stand für mich natürlich auch hoch oben in der persönlichen Rangliste, wenn es auch trotzdem gut tut nach einer für mich nicht so optimalen Saison wieder Podestluft zu schnuppern.“ So, Adrian Brennwald vom Salomon Team Schweiz.

Rangliste Einzel

1 43 BRENNWALD, Adrian Salomon Schweiz 03:07:34

2 207 MÜLLER, MichaelSV Glückauf Sondershausen 03:13:54
3 264 SCHLEMONAT, Ricardo Gerwisch 03:22:50

Rangliste Gesamt



Gestartet 282 Marathon 220 Halbmarathon 62

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Schweizer-Sieg am 12. Untertag-Marathon in Sondershausen durch Adrian Brennwald.

 

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