Donnerstag, 23. Mai 2013, 14:57:02 Uhr

09. Juli 2012, 09:44

Ganz oben bei der Himmelstür

Paul Maticha Michieka gewinnt den Zermatt Marathon

Der Immenseer Paul Maticha Michieka gewinnt in einer überragenden Weise den diesjährigen Zermattmarathon. Michieka war bei seinem sensationellen Lauf so im Eifer, dass er glatt den Zieldurchlauf übersah und schlussendlich erst beim Bahnhof Riffelberg angehalten werden konnte. Ein Demonstration wie man sie nur alle Schaltjahre sieht. Und auch der zweite Patrick Wieser musst eingestehen "der hat Ausgangs Zermatt einen solchen Speed zugelegt, dass ich dachte, der hat sich in der Distanz verrechnet". Dritter wurde der Ultratrailkönner aus Frankreich Jean-Christoph Dupont, Zinal Gewinner und Zermatt M40 Sieger des letzten Jahres. Favorit Gerd Frick fing einen Hungerast ein. "Da war es geschehen und du rennst noch mit dem Bummelzug. Immerhin langte es noch für den vierten Gesamtrang. Text und Fotos Andrea und Patrick Krebs.

7.7.12, Zermatt ak-pk (mk) Paul Michieka lag vor einem Jahr mit seinem neunten Overallgesamtrang noch deutlich hinter der Spitze zurück. Man zählte ihn auch nicht zu den wirklichen Top-Favoriten, obwohl Michieka dieses Jahr schon einige Glanzresultate herausgelaufen hatte. Für ihn selber kam der Exploit am Zermattmarathon selbst überraschend. Dass er aber seine Zeit vom letzten Jahr um sage und schreibe 23 Minuten unterbieten würde und zudem die zweitbeste je gelaufene Zeit am Zermattmarathon laufen könnte, das war für ihn heute überhaupt nicht eingeplant. "Ich flog heute ganz einfach den Berg hinauf." So der glücklich strahlende Sieger.

Habe kein Zielband gesehen

So gut jedenfalls fühlte es sich für den Überraschungssieger selbst an. Dass er zum Schluss dann bis zum Bahnhof Riffelberg hintunterrannte und das Zielband suchte, spricht wiederum für seine absolute Topverfassung. Mit einem Lachen im Gesicht kam er dann zum wirklichen Ziel zurück und durfte die Gratulationen entgegen nehmen. Michieka hat sich erst dieses Jahr in verschiedenen Bergläufen in die Siegersliste eintragen lassen. Der Zermattmarathon war aber sein erster Sieg bei einer solchen Bergtortour.

Patrick Wieser wurde Zweiter

Der letztjährige Sieger Patrick Wieser wurde Zweiter. Auf die Frage ob er es nicht hätte probieren können an Michiekas Fersen zu bleiben meinte er:" Klar hätte ich es probieren können, es hätte aber nicht viel gebracht!" Sein Lachen übertraf die kleine Enttäuschung für den entgangenen Sieg. Wieser der grosse Geniesser, mochte es aber aus tiefsten Herzen auch ohne Aussicht auf Sieg, auf den Riffelberg hinauf zu laufen. "Diese einmalige, wunderschöne Berglandschaft gibt viel her und die strengen Kilometer hinauf zum Ziel merkt man in dieser Traumwelt überhaupt nicht." Nun geht es auf sein grosses Saisonziel hin - dem Jungfraumarathon, wo er es noch einmal wissen möchte.

Prominenter Startgast

Altbundesrat Adolf Ogi schickte punkt 0915 die rund 700 Marathon Läufer und später den Rest in Zermatt auf die Strecke. Für Adolf Ogi war es nicht nur irgendein Start, er durfte an diesem Morgen auch seine Tocher Helene auf die Reise zum Riffelberg auf die Laufstrecke schicken. Helen Ogi wurde gute 13. im Frauenfeld. Adolf Ogi hat aber auch furchtbare Erinnerungen an dieses Tal. Beim Bergsturz von Randa, stürtzten 1991, 33 Mio m3 Gestein zu Tal und deckten das gesamte Dorf zu. Ein 30cm hohe Staubschicht bedeckte das Tal. Es gab Tote und insgesamt wurden 33 Landwirtschaftsbetriebe begraben. Adolf Ogi dirigierte als Vorsteher damals die Schweizer Armee bei der Ersten Hilfe der Überlebenden und den dazugehörenden Notmassnahmen und auch später stellte er der Gemeinde und dem neuen Dorf, das jetzt auf der anderen Talseite steht, beim helfenden Wiederaufbau mit Mann und Werkzeug die Schweizer Armee zur Verfügung.

Wegweisende Organisation

Der wie jedes Jahr von einer perfekten Organisation profitierende Zermattmarathon verzeichnete dieses Jahr einen kleine Rückgang an Startenden, doch waren ausgerechnet an diesem Wochenende einige Grossveranstaltungen im Berglaufsport, die leider zum Leid der tollen Laufveranstaltungen immer mehr werden - dazu das Laufvolk aber im Moment eher in der Zahl stagniert. Trotzdem sind die Organisatoren mit dem Erreichten mehr als zufrieden.

Die letztjährige Siegerin und Altmeisterin Daniela Gassmann lief neuen Streckenrekord!

Mit 48 Jahren kann man im Normalfall nicht solche Leistungen vollbringen. Nicht so die strahlende Siegerin aus Siebnen im Kanton Schwyz. Sie hat ihre Traummarke unterboten und die schnellste Zeit im Frauenrennen in der 11-jährigen Geschichte des Prestiglaufes gelaufen. Gassmann übertraf sich selbst. Sie liess die gesamte übrige Laufprominenz mit grossem Abstand hinter sich.

Es war nicht der Tag der früheren Dominatoren

Bleiben wir im Damenrennen. Die dreifache Siegerin Lizzy Hawker kam nicht über den vierten Schlussrang hinaus. Ihre Zeit war um 17 Minuten schlechter als die der Siegerin. Jasmin Nunige wurde immerhin noch dritte und stand auf dem Podest, aber auch ihr Abstand betrug fast eine Viertelstunde.

Bei den Herren traf es besonders Gerd Frick, den Davos-Südtiroler. Frick der 2008 den Zermattmarathon gewann- und zweimal Zweiter wurde, er musste dieses Jahr den Lauf des Leidens absolvieren. "Wäre nicht noch die wunderbare Landschaft gewesen, ich hätte aufgegeben. Ich fing einen Hungerast ein und quälte mich nur noch ins Ziel." Frick wurde trotzdem noch Vierter. Doch auch der letztjährige Zweite, der Franzose Dupont ein exzellenter Ultraläufer quälte sich als Dritter zum Ziel hoch.

An den Wetterbedingungen kann es nicht gelegen haben. Ideales Laufwetter mit noch idealeren Temperaturen halfen den Läufern in der Sache gutes Klima, zum Riffelberg hinauf. Ein Wehmutstropfen der Schönheit, war natürlich die schlechte Sicht zum Matterhorn, das heute verstecken spielte und sich nur ab und zu in seiner prachtvollen Grösse und Majestät zeigte.

Nächstes Jahr wieder ein Ultrtrail

Bei der 12. Zermattmarathon Austragung 2013 wird wieder ein Ultramarathon stattfinden. Allerdings muss der Lauf auf 600 Startplätze beschränkt bleiben. Wer sich dieses Abenteuer von 46,2km Länge und 2600 Höhenmetern nicht entgehen will, der sollte sich rasch anmelden.

Rangliste

Marathon Overall Männer 659 Klassierte PDF

1. Michieka Paul Maticha, 1985, Immensee 2:59.54,9 (9)
2. Wieser Patrick, 1979, Aadorf 3:07.58,6 (1)
3. Dupont Jean-Christophe, 1971, F-St Jean de Sixt 3:11.36,1 (2)


Marathon Overall Frauen 153 Klassierte PDF

1. Gassmann Bahr Daniela, 1964, Siebnen 3:29.13,1 (21)
2. Camboulives Aline, 1973, F-St Jorioz 3:33.39,1 (23)
3. Nunige Jasmin, 1973, Davos Platz 3:43.51,8 (22)

Gesamtrangliste

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