Donnerstag, 23. Februar 2012, 00:42:39 Uhr

18. Januar 2012, 20:54

Gerd Frick - Ein Südtiroler in Davos

Angefangen hat alles im Südtirol. Mit 14 Jahren hat Gerd Frick erstmals Bekanntschaft mit dem Laufsport gemacht. Beim Schulsport hat es ihn so richtig gepackt und so trat er seinem ersten Laufsportverein bei und bestritt Wettkämpfe. Doch schon vorher, mit 12-13 Jahren, hatte Gerd Frick bereits Lust auf Wettkampf verspürt. Mit seinem Fahrrad hat er da jeweils immer wieder die gleiche Strecke abgefahren und dabei die Zeit gestoppt. Das habe ihn mehr und mehr zu neuen Exploits angestiftet, so Frick. Doch erst mal musste der jugendliche Gerd seine Sporen ohne Trainer, Trainingspläne und zielgerichtetes Training abverdienen und so trainierte er halt nach Gefühl. Doch schon damals liessen seine gestoppten Laufzeiten aufhorchen. Als 14-jähriger schaffte er die 3000 m in 10.12 und das liess aufhorchen. Der Läufer Gerd Frick war sozusagen geboren.

Zürich, 17.1.2012 mk (mk) Mit Gerds Karriere ging es bergauf. Als 18-jähriger lief er die 3000 Meter in 8.53. Zur gleichen Zeit begann Gerd Frick mit dem Studium der Philosophie. Nicht nur seine läuferischen Leistungen waren bemerkenswert, er schloss sein Philosophie Studium mit dem Lizenziat ab. Doch damit nicht genug. Der junge Philosoph suchte mehr. So begann er in Wien mit dem Studium als Arzt. Es waren spannende Jahre an der Donau, wie er sagt. In Wien lief Gerd 1997, mit 23 auch seine 3000 Meter Bestzeit mit 8.39.

Eine hübsche junge Frau trat in sein Leben

Doch eigentlich war Gerd Frick nicht für die Grossstadt geboren. Er wuchs auf dem Land auf und so gab es für ihn nur eines, wieder dorthin zu ziehen, wo er den Bergen und der Natur nah ist. Doch ein Arztstudium dauert. Er lernte während seiner Studienzeit auch seine Frau kennen, eine hübsche junge Frau, die sich ebenfalls als Ärztin ausbilden liess. Die wilde Studentenzeit verbrachten die beiden Neuverliebten zusammen in Wien und es sollte noch eine Weile dauern, bis sie der Grossstadt Metropole den Rücken kehren sollten. Man probierte dieses und jenes aus und man lebte nun mal das Grossstadtleben. So entstand dann auch die Familie Frick Junior. Die beiden heute 7- und 10-jährigen Mädchen sind echte Wiener Kinder.

Vom Mediziener zum Profiläufer und Hausmann

Während seine Frau als Medizinerin Fuss fasste, konnte sich Gerd nicht mehr nur für diesen Beruf entscheiden. Er wollte laufen, sich spüren, wenn er über die Wege der Donau entlang lief und sich spüren, wenn er durch die grossen, herrlichen Wälder rannte, die rings um Wien lagen. Das war sein Leben. Beruflich gab er in dieser Zeit als Lehrer seinen Einstand. Dieser Beruf liess sich wunderbar mit seinen Wünschen vereinbaren. In seiner täglichen Rolle am Morgen als Lehrer und am Nachmittag als Hausmann, so fühlte er sich wohl. So blieb ihm auch genügend Zeit sich läuferisch weiterzuentwickeln.

Auf der Sonnenterrasse Davos

Wir sitzen in einem Kaffee, die Sonne scheint mit Kraft durch die Fenster und mir gegenüber sitzt ein Topfiter Profisportler, für den die Laufkarriere noch lange nicht gelaufen ist. Kurz vorher hat er seine beiden Töchter zum Langlaufunterricht gebracht. Er, der geborene Hausmann macht das tagtäglich mit Herz und Liebe. Die Zeit zwischen Haushalt-Schule und Einkauf nützt er tagtäglich, um zu trainieren. Mit seinen 37 Jahren sieht Gerd Frick wie ein 25-Jähriger aus. "Weisst du, sagte er: Das Technische am Arztberuf hat mich sehr interessiert und tut es auch heute noch. Doch ich konnte mir nicht vorstellen in diesem Beruf in einem starren Ablauf im Krankenhaus oder sonst wo, als Mediziner zu arbeiten. Ich brauche die Freiheit und meinen Sport, dann bin ich Mensch, dann bin ich glücklich und kann zudem in meiner Rolle als Familienvater auch die Familie geniessen."

Der am 24.Juli 1974 geborene Gerd Frick hat sich rennmässig immer auf kürzere Laufdistanzen spezialisiert. Das war sein Leben. Auf diesen Strecken konnte er seinen Speed ausspielen. Doch irgendwann hat er es dann doch versucht, an einem Bergmarathon teilzunehmen. Seine Halbmarathonzeit war mit 1.08 recht gut und so meldete er sich kurzerhand am Montafon Bergmarathon an. Auf Anhieb gewann er und sackte das sehnlichst erwartete Preisgeld ein. "Zu einem Profiläufer gehören nicht nur gute Resultate für die Sponsoren, sondern auch Money, Money, den von irgendetwas muss man ja auch leben können. Gerd Frick blieb aber stets seiner Laufphilosophie treu. Er trainiert nie mehr als 100km in der Woche. So gelang ihm 2002 nochmals eine Verbesserung seiner Halbmarathonzeit auf 1:05.29.

2004 startete Frick dann beim Jungfrau Marathon und glänzte mit einem guten 6. Plaz. Am Zermatt Marathon reichte es sogar zum zweiten Platz. Die sehr gute Zeit am Lago Maggiore Halbmarathon in Italien vergangenen Jahres (1:06.47) mit grosser Konkurrenz, hat ihn nochmals zusätzlich motiviert. Frick möchte noch zwei Jahre in den Topten laufen.

Wie stellt sich Gerd Frick eigentlich zu seinen Sportverletzungen, wenn er zum Arzt muss?

"Als Arzt kann ich mir die Diagnose selber stellen und ich behandle mich auch zu 95% selber. Doch es gibt auch Situationen, wo ein Arztbesuch nötig ist. Ich sage zwar nicht im Voraus, dass ich auch Mediziner bin, doch ich antworte dem Arzt mit den gleichen Fachkausdrücken wie er sie selbst zelebriert. Die meisten merken es dann, dass sie einen Kollegen vor sich haben, doch es gibt auch immer wieder solche, die ignorieren mich und merken auch nichts."

Von Oesterreich zurück ins Südtirol und den Sprung nach Davos

Von Wien ging es damals zurück nach dem Südtirol. Hier fand Gerd Frick dann auch seinen Sponsor und Klub. Frick startet seitdem für das Telmekom Team Südtirol. Für Gerd Frick war die Rückkehr sozusagen der Beginn der neuen Bergkarriere. Es war der ideale Ort fürs Laufen. Hier konnte er Gerd Frick sein, hier konnte er mit seiner Familie leben. Davos kam dann mehr zufällig. Seine Frau, praktizierende Ärztin, fand ihre Traumstelle. Da Gerd auch nichts dagegen hatte in Davos mitten in den Schweizer Bergen zu leben, war der Deal schnell über die Bühne. Nun wohnt Familie Frick seit einem Jahr in Davos und fühlt sich wohl. Davos ist bereits zur zweiten Heimat geworden.

Qualität statt Quantität

Für Gerd Frick gilt je länger je mehr, Qualität vor Quantität. Dies sieht er in der Familie so und auch in seinem Sport als Profiläufer. "Für mich ist es auch wichtig, dass ich in einem Lauf das Lebensgefühl spüre.

Eine wunderbare Geschichte habe ich auch letztes Jahr auf dem Bahnhof in Salzburg erlebt. Ich stand auf dem Bahnsteig und wartete auf den Zug. Da kamen die Gedanken auf, Gedanken aus der Vergangenheit, Gedanken des Glücks und Gedanken an wundervolle Zeiten. Eine grosse Wehmut kam auf. Ich spürte aber auch noch grössere Dankbarkeit, ein solches Leben bis jetzt gelebt zu haben. Ich bin ein Mann des Jetzt! - Und doch konnte ich diese herrlichen Gefühle und Erinnerungen im Bild an mir vorüberziehen lassen. Hörte die Geräusche der Grossstadt, der Uni, erlebte nochmals hautnah wie ich mit meiner Frau durch die Pärke in Wien gegangen bin, wir verliebt waren und wir wortwörtlich im siebenten Himmel waren. Und ich stand auf dem Bahnsteig, während der Intercity München - Wien vorbei brauste und nahm das Glück auf das ich ganz fest spürte.

Mein siebenter Himmel war nicht nur Fantasie, ich habe in ihn gelebt und lebe mit meiner Frau und meinen Kindern auch heute noch darin. Das ist Lebensqualität. Alles ist mir in den zwanzig Minuten der Wartezeit durch den Kopf geflogen und ich wusste, ich habe etwas tolles erreicht, was einfach einmalig ist. Die Zeit der jungen Wiener Jahre war wirklich toll, ich habe sie im Kurzdurchlauf nochmals so richtig genossen, habe unsere damalige Unbeschwertheit nochmals so richtig spüren dürfen. Als ich nach einigen Minuten zurück zum Jetzt ansetzte, da wusste ich, du hast alles richtig gemacht und du darfst auch ein bisschen stolz auf dich sein.

Bescheiden, grosszügig und glücklich

Gerd Frick ist ein bescheidener Sportler geblieben. Auch mit seinen Erfolgen und mit der Zufriedenheit seines wunderschönen Lebens, hat Gerd Frick seine Grosszügigkeit und sein grossartiges Charisma nie verloren. Er lebt seinen Traum mit seiner Familie weiter, einem Traum, dem viele Menschen nachtrauern, weil sie ihn nicht so leben konnten und auch nie so leben können.

Und während die letzten Sonnenstrahlen durchs Fenster scheinen, ich meinen dritten Cappuccino getrunken habe und mir gegenüber ein überaus glücklicher Mensch beim Bier sitzt, kehren wir beide aus dem philosophieren zurück, zurück in die prachtvolle Natur des Prättigaus. Zwei Wege trennen sich. Ich habe heute Nachmittag einen tollen Menschen, exzellenten Läufer und einen liebevollen Familienvater kennengelernt, dem nicht nur Siege wichtig sind. Auch wenn Gerd Frick ein Winner ist, so hat man mit ihm nie das Gefühl etwas anderes zu sein. Was Gerd selber leben darf, das wünscht er auch seinen Freunden und seinen Mitmenschen.

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10.000 m: 30:40,06 min, 11. Mai 2002, Wien Halbmarathon: 1:05:29 h, 20. Oktober 2002, Stinatz Marathon: 2:23:18 h, 13. Dezember 2009, Reggio nell’Emilia

Gerd Frick ist nicht nur ein exzellenter Kurzstreckenläufer sondern auch ein begnadeter Bergläufer.