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02. Dezember 2011, 07:44
Die Wahrheit über den inneren Schweinehund
Ich heisse Filu - und Du?
Redet der Marathonläufer vom inneren Schweinehund, so drückt er mit Sicherheit eine Schwäche in und um seinen Körper aus. Der innere Schweinehund kommt nicht als liebes Hundchen daher, der Athlet empfindet ihn meistens als lästiger, unangenehmer und manchmal auch blöder Hund und lästiger Begleiter beim eigenen Rekordlauf. In Wirklichkeit ist aber Schweinehundchen nichts Weiteres als ein Alarmzeichen, ein Alarmzeichen, dass irgendetwas nicht mit unserem Trainingsaufbau und unserem Rennablauf stimmt. Wenn wir nämlich wirklich fit und läuferisch auf der Höhe sind, so werden wir Hundchen nie kennenlernen. Meistens hängt es mit unserer Motivation, unserem Gesundheitszustand oder ganz einfach mit unserer Fitness zusammen. Filu unser Schweinehundchen wird Sie lieber Läufer und liebe Läuferin diesen Winter hindurch begleiten und Ihnen wertvolle Tipps für ein glücklicheres Lauferlebnis und Läuferleben geben. Für die nächsten drei Monate wünsche ich Ihnen viel Spass und Vergnügen.
Zürich, 2.12.11 mk (mk) Meldet sich der innere Schweinehund während eines Marathons oder eines Laufes, so ist es meistens zu spät. Im Moment, in dem es der Athlet merkt, ist es meistens zu spät und der gute Rat der Überwindung taugt etwa gleich viel, wie wenn eine Segeljacht ohne Wind auf dem Mittelmeer festsitzt. Der innere Schweinehund kann wohl mit Wille und Selbstdisziplin übertölpelt werden, doch etwas bleibt immer zurück. Manchmal ist es ein ungutes Gefühl, manchmal grauenhafte Schmerzen und manchmal als Andenken mit Schmerzen die ganze Woche lang, nach dem Wettkampf.
Ich weiss es besser und darum laufe ich!
Niemand, ja rein überhaupt niemand, will Willensschwäche zeigen und schon nicht ein Athlet. Wer will schon seine Unbeherrschtheit preisgeben? Wer will seine Willensschwäche allen zeigen und wer will schon schlecht laufen oder aufgeben? Kein Athlet will sich als Warmduscher outen, auch wenn er ganz genau weiss, was der Grund für sein plötzliches Versagen ist. Galant nennt er diesen Tieftaucher seiner Hirnaktivitäten als böse Absicht des bösartigen inneren Schweinehundes. Wenn dann noch Beliefs (Glaubenssätze) zutage kommen, die Tausende vor ihm schon gesagt und erfahren haben, ist er sich seiner Sache sicher. Im Marathon geistert nämlich die Mär herum, dass sich der innere Schweinehund genau bei km 36 meldet.
Im Fachjargon der Psychologen heisst die Handlung "Akrasia". Damit bezeichnet man eine Handlung, die gegen den Willen der Person ausgeführt wird. Also, der MarathonläuFer wüsste es innerlich eigentlich besser. Sei dies, weil er zu wenig trainiert hat, zu wenig gegessen hat oder sich grundsätzlich falsch auf das Ereignis vorbereitet hat. Der innere Schweinehund ist also einer von der guten Seite und hätte eigentlich Dank verdient, er warnt uns oder den Athleten vor schlimmen Folgen. Darum ist es auch nicht verwunderlich, dass dann eben bei einer gewissen Distanz der Läufer einbricht, versagt und aussteigen muss. Wir kennen das Wort "innerer Schweinehund" im Zusammenhang des Versagens oder fast Versagens, des Einbruches, der Schmerzen und des Leidens. Können wir uns bw. wenn er sich meldet, neu motivieren, so wird er den Rest des Rennens ganz lieb mit uns laufen und uns aus treuherzigen Augen anschauen. Vielleicht ist es Ihnen auch schon so ergangen: " Wenn man den inneren Schweinehund bestrafen will, sich sagt, ich muss, ich will und ich kämpfe bringt es meistens nicht viel. Ich mus und ich will ist nämlich keine Motivation, sondern ein Befehl und ein Aufruf, dass uns der innere Schweinehund in den Hintern beisst und uns noch mehr schwächt. Ich will aber auch meine Willensschwäche nicht preisgeben, sondern mit aller Kraft überwinden und das geht weder resultatsmässig noch gesundheitlich gut.
Selbstdisziplin kann dabei auch gefährlich sein, sie hat schon manchen ins Verderben getrieben. Ich meine damit Selbstdisziplin im Rennen. Das Wunder der "Rettung" entsteht nämlich in einer Einheit mit dem eigenen Körper und dem eigenen Verstand. Also so komisch es sich auch anhört, der Einigung mit dem inneren Schweinehund und nicht in der Überwindung. Einfach ausgedrückt: Miteinander statt gegeneinander!
Motivation hört sich anders an
Viel besser wäre der Satz und die Tat: Jetzt in diesem Moment gehe ich in mich und aktiviere alle meine positiven Kräfte, benütze meinen Verstand und komme mit ganzer Kraft auf den Boden zurück. Jetzt, gerade jetzt und in dieser Minute habe ich mich entschieden mein Glück selbst in die Hand zu nehmen und mithilfe meiner positiven Kräfte den Rest des Rennes erfolgreich fertig zu laufen. Mein innerer Schweinehund (wenn er schon da ist) wird mich dabei unterstützen und freudig begleiten.
Therapeutische Intervention
Um die Situation beim viel genannten Kilometer 36, als Ausdruck des inneren Schweinehundes darzustellen, zeigt die nachfolgende Auflistung, wie sich meine Gedankengänge in meinem Hirn abspielen:
. Wenn alles schief läuft, so muss ich doch aufgeben.
. Wenn ich nicht durchbeisse, so muss ich doch aufgeben.
. Muss ich aufgeben so bin ich ein Warmduscher.
. Ich werde beim Durchhalten beinahe sterben, ihr werdet sehen ich bin kein Warmduscher.
. Ich laufe ins Ziel, auch wenn ich nicht mehr kann.
. Ich mache dies, und wenn ich selbst draufgehe.
. Ich schaffe es, auch wenn ich selbst draufgehe.
Dies sind die Autonomiegedanken, die das Überleben ermöglichen sollen. Es ist allerdings ein gefährliches Unterfangen und endet irgendwann in Chaos. Als Sportler will ich selbstverständlich allein über mich bestimmen! Ich will es erreicht haben, alleine. Dies ist der Trugschluss! Nur zusammen mit seinen inneren Glaubenssätzen ist der Sportler stark! Und darum soll das Hundchen freundlich aufgefordert werden mitzurennen und mit dem Athleten zusammen ins Ziel zu rennen. Alles andere ist und wäre Betrug, Betrug an sich selbst. Und darum ist halt immer wieder der innere Schweinehund, der der Übeltäter ist, nur selten der Athlet.
Um sich wirklich gut motivieren zu können braucht es auch die Instrumente dazu und die heissen:
. Training
. Gute durchgespielte Vorbereitung und alle nötigen Kenntnisse über die Veranstaltung.
. Innere Überzeugungskraft (dass ich die Leistung erbringen kann)
Dies ergibt zusammen die nötige und auch notwendige Motivation.
Marcel Krebs
Diese Serie erscheint alle 10 Tage im Marathonmagazin.
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