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08. Oktober 2011, 19:18
KOMM LAUF UND GENIESSE
Der Dreiländer Sparkasse Marathon von Bregenz
Gegen 70.000 Zuschauer links und rechts entlang der Strecke feierten mit den rund 10.000 Läufer und Läuferinnen beim Sparkasse Marathon. "So eine Steigerung haben wir uns innert fünf Jahren tatsächlich nicht vorgestellt!" Meinte OK Präsident Dr. Peter Mennel. Wir sind stolz auf diese eindrückliche Leistung." Zum Grossaufmarsch der Sportler aus Oesterreich, Deutschland der Schweiz und vielen Ländern aus der ganzen Welt, gab es auch einen neuen fantastischen Streckenrekord durch den Kenianer Marko Kipchumba - in 2:11:18. Somit hat sich der Dreiländer Marathon innert fünf Jahren zum grössten Marathon im weiten Umkreis entwickelt. Verwunderlich ist es nicht, gibt es in der Schweiz, Deutschland und Oesterreich keine andere Marathonveranstaltung, die nur annähernd so modern, so einfach und doch so perfekt organisiert ist. Bei den Frauen siegte die Wienerin Susanne Pumper in der Zeit von 2:38:21, die auf den bekannten Runner Hermann Achmüller als Pacemaker zählen durfte. Eine Reportage von Andrea und Marcel Krebs. Text und Bilder.
Bregenz, 2.10.11 mk-ak (mk) 42 km, ein Halleluja und ein Bier
Am Dreiländer Sparkasse Marathon geht es immer gerade aus. Keine Steigung - nichts. Das macht den Lauf rund um Bregenz so hart. Wären nicht noch im zweiten Teil Richtung Grenze die Richtungsänderungen, so wäre die Strecke in die " endlose Ewigkeit" perfekt. Es braucht also vor allem harte Ausdauerathleten die ohne skrupel die 42 Kilometer laufen können. Eine der vielen Vorteile war vielleicht der, dass am Bodensee mit gegen 2000 Maratoni niemand alleine rennen musste. Jeder hat irgendwo auf der Strecke seine Gruppe gefunden, die ihn in seinem Lieblingstempo ins Ziel trug.
"Ein Bergler unter den schnellen Flachländer"
Da staunte man nicht schlecht, als man mitten im Elitefeld - immer um Platz 10 herum laufend, den edlen Bergläufer Hermann Achmüller sah. Achmüller hatte aber eine ganz besondere Aufgabe an diesem Tag. Der Südtiroler war Pacemaker für die spätere Siegerin Susanne Pumper. Die ja bekanntlich neben dem Marathonsieg auch noch Oesterreichische Staatsmeisterin wurde. Wie Achmüller später im Interview meinte, macht er diesen Pacemakerjob ab und zu. Es macht Spass gute Läufer zum Glück zu führen. So mache ich das zwei-dreimal im Jahr. Ich war auch in Berlin in dieser Rolle am Start. Angesprochen auf die vergangene Saison meinte Hermann Achmüller: "Ich hatte auch schon bessere Jahre als das heurige. Anfangs Saison lief es ganz gut. Ich war beim Boston Marathon, blieb dann in den Staaten und habe zwei Wochen später in Carmel, Californien den Maraton gewonnen und bin sogar Gesamtzweiter im Overall geworden. Die könnte vielleicht zuviel gewesen sein. Denn von da an ging es "bergab", wenn man das so nennen darf. Ich kam nicht mehr so auf Touren wie andere Jahre. Ob es auch damit zusammenhing, dass ich anstatt 200km, wöchentlich nur noch 130-150 im Training lief? - Ich weiss es nicht."
Bis zur Pensionierung und darüber
Hermann Achmüller will es nächstes Jahr noch einmal wissen. "Für die nächste und wahrscheinlich letzte Elitesaison (Achmüller wird 40), habe ich mir viel vorgenommen. Ich will nochmals hart trainieren und meine wöchentlichen Kilometer laufen. Dann ist Schluss. Schluss mit diesem grossen Trainingsaufwand. Laufen werde ich bis zur Pensionierung!"
Achmüller baut sich seit einem Jahr neben seiner Profilaufkarriere ein zweites Standbein auf. Er vertreibt eine Sportkleiderlinie. Aber keine Laufbekleidung sondern ganz einfach Fussballbekleidung.
Am Bodensee ist die gesamte Welt zu Gast
Die Festspielstadt Bregenz weiss wie man feiert. Das Fussballstadion ihres Vereins war auch diesmal prall gefüllt. Es war eine Feier für Jung und Alt, für Spitzenathleten und für Hobbyläufer. Dass neben dem üblichen Marathon auch noch die Oesterreichischen Staatsmeisterschaften ausgetragen wurden, mag vielleicht zum Läuferansturm beigetragen haben, die frappante Zunahme von 350% an Startenden ist aber schon alleine die OK Medaille wert. Dazu muss wiederholt werden, dass ich persönlich keine Marathonstrecke kenne, die so gut beschildert ist, wie die am Bodensee. Grosse Tafeln weisen die Richtung und geben dem Läufer das Gefühl - hier bist du Zuhaus, hier kannst du bleiben.
Grosser Zuschaueraufmarsch längs der Strecke
Dass der Dreiländer Sparkasse Marathon drauf und dran ist, die Marathonveranstaltung Europas zu werden ist zweifelslos richtig. Die Gegend rund um Bregenz, der Abstecher in die Schweiz und der Start im deutschen Lindau, wo mit fasnächtlichem Anstrich genau um 11.11 gestartet wird, sind markante Zeichen der Veranstaltung. Der Transport des Laufvolkes mit Schiffen an den Startort in Lindau trägt ebenso dazu bei, dem Marathon den nötigen Glanz zu verleihen, der ihn im Gesamtbild schlussendlich im goldenen Licht erscheinen lässt. Und wer nach 11,1km durch die Arena der Festspiele rennt, fühlt sich für einen Moment als Revolutionär André Chenier, der im Herzen wohl Dichter und Liebling der Reichen war - im Herzen aber ein echter Revolutionär geblieben war. In Gedanken hört der Maratoni die Musik der Oper, hört den Jubel der Reichen und das toben und Aufbegehren der Armen. Dieses menschliche Drama und die Tragödie aus der vergangen Zeit um 1789 fesselt ihn für einen Moment um ihn gleich wieder in die Gedankenwelt der Wirklichkeit und damit in die Welt des Marathons zurückzuversetzen.
Der Dreiländer Marathon hat also neben der eigenen Dramatik auch noch eine künstlerische. Doch die persönliche Dramatik, den Schmerz der Füsse oder der Beine zu spüren oder gar eine Aufgabe in Betracht zu ziehen, für diese "Lappalien" des Läufers bleiben dem Athleten keine Zeit. Praktisch keinen Meter läuft er alleine. Überall wird er von Tausenden angefeuert, beklatscht und bejubelt. Das Erlebnis Marathon ist hier perfekt, perfekt um nächstes Jahr wieder zu kommen, zu leiden, zu jammern und dann zwei Wochen lang, geschwollene Füsse, Hühneraugen und andere Blessuren zu pflegen. Der Marathon am Bodensee gibt dem Athleten alles, alles was der Laufsport dem grossen Laufvolk geben kann.
Marcel Krebs
Resultate
OVERALL MÄNNER
1. Kipchumba, Marko (KEN) 02:11:18
2. KURUI, Joshua (KEN)Run2gether 02:16:00
3. ROTICH, Elisha Kipchirchir (KEN) 02:23:16
4. Hohenwarter, Markus (AUT) 02:25:09
5. Rudigier, Dietmar (AUT) 02:29:00
Overall Frauen
1. Pumper, Susanne (AUT) 02:38:21
2. Reiner, Sabine (AUT) 02:43:09
3. TRAMOY, Sylvie (AUT) 02:50:43
4. Bendl-Tschiedel, Carola (AUT) 02:52:47
5. Freitag, Karin (AUT) 02:54:20
Leserkommentare (0) »

Der Dreiländer Sparkasse Marathon duch den herrlichen Herbst am Bodensee.

Bei km 13 war noch alles Palletti.

Der Kenianer Marko Kipchumba hält nun den neuen Streckenrekord in 2:11:18 und holt damit die fette Prämie ab.

Der Lauf durch die Freilichtbühne der Bregenzer Festspiele liess für einen Moment den Maratoni in stillen Gedanken schwelgen.

War es wirklich so heiss??

Die Siegerin des Frauen Overalls Susanne Pumper aus Wien.

Ein Sieg lässt Strapazen natürlich vergessen.

Ok Präsident Dr.Peter Mennel mit dem neuen Rekordhalter dem Kenianer Marko Kipchumba nach dessen Zieleinlauf.

Wer kommt den da? Unbemerkt rennt Hermann Achmüller im Feld als Pacemaker. (Gelbes Trikotn 1716)

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