Donnerstag, 24. Mai 2012, 07:43:06 Uhr

24. Juni 2011, 09:51

Wenn Engel leiden!

Die knallharten 100 Kilometer durch eine stürmische Nacht

200 hartgesottene Engel machten sich in der wohl stürmischsten Nacht der letzten Wochen auf den Weg um die legendären 100 Kilometer vom Biel zu bewältigen. Dieses Vorhaben braucht nicht nur Mut, sondern die moderne Lauffrau muss bereit sein, einiges auf sich zu nehmen. Es sind nicht nur die langen geraden Strecken durch Moore, durch unberührte Landschaften und einsame Wälder in der nassen Nacht - es sind auch die wunden Füsse, der stechende Schmerz im Rücken und der wild pulsierende Kopf, der gleich zerspringen will, die grosse Sorgen bereiten. Da ist der seit Stunden niederpeitschende Regen gerade Balsam auf die Läuferseele. Er, der Regen sagt wenigstens: Hey, du bist noch o.k, du bist da und ich bin bei dir - die ganze Nacht.

Biel, 18.6.11 mk-ak (mk) Der Bieler Hunderter gehört ganz einfach in jedes Läuferrepertoire. Wer in durchsteht, der darf eine ganz bestimmte Meinung von sich haben. Er und Sie die Finisher, haben eine ganze lange Nacht in der Einsamkeit des Bieler Seelandes verbracht. Sie haben eine Leistung erbracht, die seinesgleichen sucht. Ja, der Bieler Finisher ist der, der was auf sich halten kann. Der stolz auf sich sein kann, stolz auf seine Leistung. Stolz auch über die Überwindungskraft, den Willen durchzuhalten und schlussendlich als persönlicher Sieger durchs Ziel zu laufen.

Da kommen natürlich Fragen auf, was über tausend Läuferinnen und Läufer zu so einem Deal mit dem Teufel einlässt. Wer nur schon als Zuschauer irgendwo in der Dunkelheit, draussen in den Mooren, den einsamen Sümpfen und den kleinen Weilern links und rechts der Strecke steht, der merkt, dass die Strapazen der Läufer schier unmenschlich sind. Was ist aber der Kick, die Herausforderung für solche Qualen? Wieso tun sie es sich dies alles an? Fragen, die man von den Läufern immer anders beantwortet kommt, doch eine Antwort ist immer gleich: Das einmalige Erlebnis in dunkler stiller Nacht, der Zugang zu meinem tiefsten Inneren und schlussendlich die Erlösung auf dem blauen Teppich beim Zieleinlauf sind schöner, eindrücklicher und gewaltiger, als alles andere, dass wir im Leben erleben.

Der 53. Bieler war ein Lauf im Zeichen des Wettergottes

Was am späten Nachmittag sich noch als milder Platzregen herausstellte, sollte sich in der Nacht zum orkanartigen Niederschlag entwickeln. Zwischen 2245 und 0130 schüttete es wie aus Kübeln und der Temperatursturz war förmlich von Minute zu Minute zu spüren. Durchnässt waren sie bereits schon auf den ersten Kilometern. Die Kälte, setzte aber bald schon die Ersten schachmatt. Und wenn die Drittplatzierte Deborah Balz sagt, dass nicht unbedingt die Distanz es ausmacht, sondern auch ein regelmässiges Essen und Trinken ebenso viel zum Gelingen beiträgt, so ist einem bald klar - dass viele andere "Kleinigkeiten" über Sieg und Niederlage, über durchhalten und aufgeben das Leben des Läufers beeinflussen.

Der Bieler 100er ist für Frauen eine Wahnsinns Leistung, die aber auch viel, viel Vorbereitung erfordert. Doch nicht die Trainingskilometer sind entscheidend, sagt die Siegerin Daniela Sommer - die Verfassung und die Einstellung zu der bevorstehenden Grosstat ist ebenso wichtig. Und in einem sind sich alle drei Powerfrauen auf dem Podest einig, wer alle Schmerzen und alles Leiden vergessen kann, wer mit seinem Körper eins sein kann, der wird es schaffen. Dabei haben alle drei während des Laufes auch das innere Schweinhündchen zu hören bekommen: "Hör auf, du kannst nicht mehr, es geht nicht mehr, komm an die Wärme, zieh die nassen Sachen aus und fahr ganz einfach nach Hause." Wer also glaubt, dass nur im hinteren Ranglistenteil Leiden und Schmerzen herrschen, der wird eines Besseren belehrt. Alle haben sie nämlich gelitten und wie!

Die 100km von Biel haben es in sich

Der "Hunderter" gilt auch unter den besten Extremläufer als äusserst brutal. Dies kommt auch davon, weil die Strecke praktisch ohne nennenswerte Steigungen ist. Die Strecke zerrt so an den letzten Reserven der Männer und Frauen. Jeder, der den Lauf durchsteht ist ein grosser Held, ein Held, der eine unmenschliche Tortour hinter sich gebracht hat. Dabei ist es erstaunlich, dass es Läufer von 18 Jahren wie auch Läufer mit weit über siebzig Jahren gibt, die sich den 100km ausliefern. Das Erlebnis Biel ist aber einmalig und auch unvergesslich. Der Bieler gehört einfach ins "Repertoire jedes ambitionierten Läufers.

Ranglisten

100-km-Lauf Herren 851 Klassierte
1. Jenni Walter, 1968, Oberwil b. Büren 7:11.54,7 (4)
2. Girardet David, 1979, Belfaux 7:23.37,9 (1)
3. Thallinger Rolf, 1969, Burgdorf 7:38.03,3 (3)


100-km-Lauf Frauen 153 Klassierte
1. Sommer Daniela, 1968, Sempach Stadt 8:10.58,9 (25)
2. Werthmüller Gabriele, 1974, Zuchwil 8:36.09,6 (2501)
3. Balz Deborah, 1979, Grub SG 8:50.11,3 (22)

Alle Resultate

Leserkommentare (0) »

In die dunkle, einsame Nacht hinaus....

Der Start wurde auch dieses Jahr von über tausend Besuchern gefeiert. Einmalig war erstmals die Stadtrunde, die durch die dichtbesetzte City führte.

v.l.n.r. Die Zweite Gabriele Werthmüller Siegerin Daniela Sommer und die Drittplatzierte und Titelverteidigerin Deborah Balz.

Auch die Siegerin Daniela Sommer musste sich quälen.

Dafür überglücklich über ihren zweiten Rang ist Gabriele Werthmüller. "Hätte ich nie gedacht!"

Deborah Balz in Kilchberg, hier noch an zweiter Stelle.

Durch die Uhrencity von Biel....

Sogar aus Polen kam diese Gruppe angereist....

Gabriela Werthmüller in Büren an der Aare.

Es schüttete zwei Stunden lang wie aus Kübel und drei Stunden lang wie unter der Dusche.....

 

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