Donnerstag, 24. Mai 2012, 06:49:12 Uhr

22. November 2010, 18:31

Konrad von Allmen wird Schweizermeister

Der Frauenfelder 2010

Gewinner des diesjährigen "Frauenfelders" wurde der 41-Jährige Konrad von Allmen aus Olten. Von Allmen wurde zugleich Waffenlauf-Schweizermeister 2010. Der Triathlon Ex-Weltmeister aus dem Kanton Solothurn freute sich sehr. "Mit diesem Sieg ist meine etwas verkorkte Saison mehr als gerettet" - meinte Von Allmen. Zweiter wurde zum Fünftemal!!! Marc Berger aus Fribourg. Berger der dieses Jahr etliche hochdotierte Zivilläufe gewonnen hatte (unter anderem den Brienzerseelauf, strahlte dennoch übers ganze Gesicht. "Für mich ist der Frauenfelder der krönende Abschluss jeder Laufsaison." Auf die Frage, ob nicht die ewigen zweiten Plätze weh tun meinte Marc Berger:" Absolut nicht. Es wird mir immer wieder bewusst, was es heisst mit 7,5 kg Gewicht am Rücken eine Marathondistanz zu laufen, und wer nicht mindestens zwei, drei solche Tortouren durchläuft, hat es in Frauenfeld sowieso mehr als schwer." (Fotos (c) Andrea und Marcel Krebs)

Frauenfeld, 21.11.10 Red. (mk) Start-ud Mittagstemperaturen zwischen 3 und 7°C machten den diesjährigen Frauenfelder zwar nicht zum Lauf unter Palmen, dafür herrschten für die rund 250 Militärwettmarschläufer geradezu ideale Lauftemperaturen. So ging das Schwitzen des Öfteren in der schleichenden Kälte wo die Strecke durch die offenen Felder führte unter. Dass immer noch ein Vierteltausend die Reise nach Frauenfeld machen,
liegt sicher an der Einmaligkeit dieses nostalgischen Jahresabschlusses. Auch ohne Ambitionen auf den Sieg, bietet der Frauenfelder Jung und Alt geradezu ein einmaliges Embiente durch den Laufsport. Und die, die diesen wohl einmaligsten Wettkampf in der Schweizer Sportgeschichte schon lange für tot erklärt haben, ja die, müssen sich sicher noch ein paar Jährchen gedulden.

Die Favoritenrolle des diesjährigen Frauenfelders trugen die wohl zwei bekanntesten Läufer des grünen Feldes. Der Freiburger Marc Berger und der Solothurner Konrad Von Allmen. Dabei schwang zum Schluss für diesmal der ältere geradezu mayestätisch obenaus. Von Allmen, der ehemalige Triathlet und mehrfache Weltmeister in dieser Disziplin, durfte wohl heute von seiner "weltlichen" Erfahrung profitieren - lag doch die Weisheit seines Schlachtplanes näher an der Schlauheit eines alten Fuches als eines ungestümen Kämpfers. Das Duell der beiden "Giganten im Kämpfer", war sehenswert, fair und ganz speziell. So wurde der Sieg unter sportlichen wundervollen Höhepunkten ausgetragen und zuletzt ging nicht der Glücklichere sondern der Stärkere durchs Ziel. Für Koni von Allmen war es geradezu der perfekte Abschluss, für die nicht immer nach seinen Wünschen verlaufene Saison 2010.

Das Rennen

Gleich zu Beginn setzten sich die beiden Youngsters Marc Berger Nr.2914 und die Startnr. 2915 im zügigen Tempo vom Feld ab. Verfolgt wurden sie schon bald vom Oltener Konrad von Allmen, der aber auf den ersten Kilometern ganz einfach sein Tempo lief. Dem horrenden Fribourger Schnellzug Berger vermochte bei km 10 niemand mehr zu folgen und Marc Berger zog einsam an der Spitze davon. Von Allmen forcierte auf diesen Kilometern zwar sein Tempo, liess den Fribourger Troubadour aber gewähren. Schon bald betrug der Vorsprung von Berger einige Minuten - Von Allmen liess sich auch dabei immer noch nicht aus der Reserve locken. Sein Angriff sollte noch kommen.

Im Wald zwischen dem Wiler St.Margarethen und dem Dorf Lommis war es soweit. Koni von Allmen gab erstmlas so richtig Gas und holte den langezeit in Sichtweite vor ihm laufenden Berger ein, ja, er zog gleich an ihm vorbei. Marc Berger meinte später:" Ich konnte Koni nicht folgen, meine Beine schmerzten und ich musste zu diesem Zeitpunkt froh sein, nicht Tribut für meinen Grossausflug zu zollen.

Wer jetzt glaubt, dass der Sieg des Olteners leicht zustande kam, der kennt die Wahrheit nicht. Im Bereich Oberhuben auf der geteerten Strasse durch den Walt macht die Strasse Sprünge, die einem das Fürchten lernen. Runter bis zum Bach und wieder rauf wie es gleich vor ein paar hundert Metern war. "Beim Ablauf hinunter ins Tobel schmerzten meine Beine so, ich glaubte ich müsse gehen!" so von Allmen. "Ich wusste auch nicht mehr, wie ich meine Beine bewegen sollte, sie schmerzten so sehr, am liebsten hätte ich laut geschrien."

Zäh und gerissen

Der zähe, aber auch gerissene Konrad von Allmen wusste zu jedem Zeitpunkt wie es um seinen Vorsprung stand und so nahm er sofort den Fuss vom Gaspedal und kam eher im Bereich eines Wanderes als dem eines Militärläufers von Tobel rauf. So konnte er die letzten beiden abfallenden Kilometer bis ins Ziel noch locker bewältigen, wenn auch Marc Berger am Schluss nicht unterschätzt werden durfte.

Ein strahlender, juchzender Sieger und ein zufriedener zum Fünftenmal als Zweiter durchs Ziel gerannter Marc Berger wussten heute viel vom Rennen zu berichten. Sie hatten einander um jede Sekunde bekämpft, hatten gerungen und gefightet und sie haben ganz einfach den 76. Frauenfelder Militärwettmarsch geprägt, jeder auf seine Weise.

Das Alter hat diesmal die Jugend besiegt. Die Erfahrung des einstigen Solothurner Weltspitzenathleten liess das Renngeschehen in jeder Minute blitzschnell neu lesen - eine Meisterleistung für den neuen Schweizermeister Konrad von Allmen, der schlussendlich mit fast fünf Minuten Vorsprung ins Ziel kam. Eine super Leistung vollbrachte auch der Dritte, der Einheimische Etienne Wolf aus Gundetswil. Er, der zum Schluss zu einem Höhenflug anlief und auf den letzten Kilometern viel Zeit gutmachte. Das Podest mit Von Allmen, Berger und Wolf, absolvierte den diesjährigen Frauenfelder unter drei Stunden. Und zum Schluss waren sich die Meisten einig, bei der 77. Austragung in einem Jahr, sind wir wieder dabei - Totgesagte leben eben etwas länger!

Marcel Krebs

Resultate

1. Von Allmen Konrad, 1969, Olten 2:52.14,4 (4902)
2. Berger Marc, 1981, Fribourg 2:57.05,7 (2914)
3. Wolf Etienne, 1971, Gundetswil 2:59.13,4 (3901)

Alle Resultate

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V.L.N.R. Marc Berger 2. - Konrad Von Allmen Sieger - Etienne Wolf 3.

Konrad von Allmen im Ziel.

Beim Wendepunkt in Wil SG.

 

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