Donnerstag, 24. Mai 2012, 06:30:11 Uhr

24. September 2010, 19:38

Teuflisches Glück am Kronplatz

Der erste Kronplatz Run sprengt alle Grenzen!

Den Kronplatz oberhalb Bruneck im Südtirol, kennt man vom Skifahren mit den unendlichen Pisten und wundervollen Abfahrten. Vielleicht kennen ihn die Radsportbegeisterten auch von der diesjährigen Austragung des Giro d'Italia. Die 11km lange Schlusssteigung übertrifft alles, dass der ambitionierte Extremsportler kennt...... Eine zauberhafte Geschichte aus einem zauberhaften Land - dem Südtirol. Text und Fotos Marcel und Andrea Krebs.

Kronplatz/Brunegg 17.9.10 mk/ak (mk) Mit einer Durchschnitts-steigung von 14,5% und Abschnitten von 24% - erlebt selbst der Hartgesottenste Läufer sein blaues Kronplatzwunder. Und dies alles auf einer breiten Naturstrasse, die extra für den Giro plattgewaltzt wurde. Eine Läuferautobahn durch eines der schönsten Gebiete Südtirols - bis hinauf zum 2277 Meter hohen Kronplatz. Die erste Austragung präsentierte den auch eine Laufstrecke im absoluten Topzustand und eine Organisation links und rechts der Strecke, die man bisher nur von den bestorganisierten Laufveranstaltungen Europas wie dem North Face Ultra Trail oder den Jungfraumarathon her kennt. 62 Strassen wurden insgesamt für den Lauf gesperrt. 86 Skilehrer, die Strassenpolizei, die Gendermerie - sozusagen ein Bataillon Helfer - so machten das OK die erste Austragung zum absoluten Superhighlight Südtirols und mit Sicherheit nächstes Jahr Europas. Kein Wunder, kann doch die Bahn stündlich 1000 Personen hinauf und hinunter transportieren.

Endlich.....Die Biker im Sonnenlicht

Am Sonntag zeigt sich endlich die Sonne, nachdem es noch bis in die frühen Morgenstunden Regen geschüttet hatte. Das Märchen vom Run hatte also seine Fortsetzung und was für eine.....

Doch der Reihe nach

Dass es überhaupt einen Kronplatz Run gibt, dafür sind verschiedene Faktoren verantwortlich. Die Geschichte hört sich denn auch märchenhaft an. Südtirols Lauflegende Hermann Achmüller errang 2007 mit dem Vize-Weltmeistertitel in den Schweizer Bergen einen historischen Sieg. Auf der Rückreise in die Schweiz dachte er, so eine Veranstaltung wie der Jungfrau Marathon, muss doch auch bei uns möglich sein. Auch wir haben schöne Berge, und was für welche.

Hermann der Unermüdliche

Kaum zu Hause, machte er sich bereits am nächsten Morgen damit an die Arbeit, ein Konzept zu erstellen und damit bei den in Frage kommenden "Verantwortlichen" die Türfalle zu drücken. "Leicht war es nicht" sagt Hermann Achmüller heute. Und weiter Achmüller:" Die Idee wurde zwar als guter Tipp aufgenommen, doch es sollte noch ein mehr als beschwerlicher Weg werden. Ich war mir zu diesem Zeitpunkt auch bewusst, dass ich mit sowas Berge versetzen musste. Beim Tourismusverein brauchte es bw. viele, viele Gespräche und Vorsprechungen, bis mein Projekt Gehör fand. Meine Pläne und Vorstellungen wurden durch dies aber auch immer besser und 2009 bekam ich dann das o.k. und durfte mit einer tollen Mannschaft starten. Die Zeit war kurz, doch wir wollten es von allem Anfang an gut machen und die beste Organisation präsentieren. So, wie es auch bei 1000 oder 2000 Teilnehmern sein sollte. Die gesamte Infrastruktur wurde auf diese Weise aufgebaut. Dass wir schlussendlich die Politik, die Bevölkerung, die Wirtschaft und die gesamte Region hinter uns hatten, war ein grosses Geschenk, für dass ich unendliche Dankbarkeit empfinde.

Die ganze Region macht mit

Um den Kronplatzrun auf Südtirols Skigebiet Nr.1 durchzuführen brauchte es eine gewaltige Infrastruktur. Die Gemeinschaftsarbeit der Sportvereine mit der Touristenregion Bruneck zeigen, welchen Bedeutung der neugeborene Lauf hier hat und welches Potential er auch jetzt schon verbreitet - und keiner würde sich wundern, wenn bei Bruneck die Tafel steht:

Hier entsteht Sportgeschichte!

- 68 Strassen und ihre Zufahrten wurden gesperrt.
- 70 Skilehrer unter der Leitung des Streckenchefs und Skischuldirektors Hermann Kronpichler sorgten für die Absicherung.
- die freiwilligen Feuerwehren von Bruneck, St.Lorenzen und St.Vigil waren als Streckenhelfer und für die Schwerorganisation zuständig.
- die Carabinieri, die Strassenpolizei sorgten auf den wichtigen Kontrollpunkten für Ordnung.

Der Aufwand steht dem der Etappe des Giro kaum nach. Ebenso standen bereits bei der ersten Austragung das RAI UNO und die italienische Sportpresse, sowie weitere internationale Medien im Zielraum. Was hier seinen Anfang nimmt, wird wachsen und bald schon tausende von Zuschauer an diese attraktive Strecke locken - der Berg ist bereit - die Sportler können kommen.

Im Interview mit dem Tourismusdirektor Alfred Unterkircher (Direktor. Tourismusverein Bruneck) werden wir dann noch die andere Seite der Organisation hören.

Der grosse Tag - der grosse Run - das miese Wetter!

Spät Abends kamen wir von der Brennerautobahn ins Pustertal. Dass es hier gut sein wird, sagte uns schon alleine die Wegbeschreibung zum Hotel. (Ich bin einer der immer noch ohne Navi fährt - so rein aus Abenteuerlust) Noch nie war eine Wegbeschreibung so perfekt! Mit dem herzlichen Empfang, empfing uns auch ein herziges, gemütliches und grosszügiges Zimmer, wo sogar Hundchen seinen Spass daran fand. Auf dem grossen Balkon war von nun an sein Reich. Wer (sehr) gut Essen und erholsame Ferien machen will, der ist im Langgenhof in Bruneck bestens aufgehoben.

So sah es dann Morgens nicht gerade nach Sonnenschein aus und mein Töffpilot Giorgio meinte trocken, gleich beginnts zu Regnen. Der Startstimmung tat das aber nichts ab. Obwohl bei der ersten Austragung noch nicht ein Tausenderfeld am Start stand, war mit Polizeifahrzeugen und Carabinieri nicht gespart worden. Die beiden Clubs MACKINACKI fürs Laufen und Green Valley fürs Biken hatten ganze Arbeit geleistet. Man spürte eines - alle glaubten an die neue Lauf- und Bikeveranstalltung und an den Beginn einer grossartigen Veranstaltungsserie, die dem Sommertourismus im Pustertal und dem Kronplatz neue Impulse geben wird.

Die Einzigartigkeit der Landschaft rund um den Kronplatz, die prächtigen Dörfer mit ihren herausgeputzten Häusern, Kirchen und Strässchen waren für meine Augen ein Festschmauss. Die Strecke verlief bis St.Lorenzen auf der Hauptstrasse, bevor sie erstmals durchs Feld und anschliessend durchs Dorf führte. Und nicht weit vom Dorf entfernt begann die Steigung. Zuerst nur sachte, dann immer heftiger, schlängelte sich das Strässchen dem Hang entlang, durch die duftenden Wälder, wo jeder Atemzug eine Wohltat war. Vorbei an Burgen, prächtigen Kapellen, Bauernhöfen und absolut stiller Natur erklomm es Höhenmeter um Höhenmeter. Der Regen hatte nun eingesetzt. Ähnlich einer ganz feinen Dusche, klebte schon bald alles am Körper.

Auf stillem Strässchen aber voller Pulle durch die Wälder

Die Spitzenläufer machten rennmässig die Sache schon auf den ersten Kilometern klar, wobei der spätere Sieger Hannes Rungger von Anfang an, das Zepter übernahm und das Renngeschehen diktierte. Verfolgt von Hermann Achmüller, der es sich nicht nehmen wollte bei "seinem Lauf" mitzulaufen (nächstes Jahr werde ich sicher nicht mehr mitlaufen) So holten die Spitzenläufer bis ins malerische Dörfchen Pieve di Marebbe bereits einen beachtlichen Vorsprung heraus. Dass auf 1300 Meter gelegene Marrebe besitzt eine wunderschöne Kirche mit eindrücklichen Maler- eien. Die Pfarrkirche mit dem Barockbau ist ein bekannnter und bedeutender Wallfahrtsort, der große imposante gotische Kirchturm ist 56 m hoch und der Hauptaltar ist im Inneren der Kirche im Renaissance-Stil gebaut. Nach einem leichten Ablauf beginnt anschliessend bei der Abzweigung auf die Furkelpassstrasse der eigentliche Aufstieg. Bis zum Furkelsattel immer noch auf der komplett abgesperrten Strasse gings erstmals so richtig zur Sache.

Ein Ave Maria und dann hinauf zum teuflischen Tanz

Vorbei an der Kapelle mit dem aufgemalten Ave Maria und gleich hinein in einer linkswinkligen Spitzkehre in die Naturstrasse hinauf zum Kronplatz. Hier pedalten am 25.Mai dieses Jahres und schon viermal vorher, die Athlethen der Landstrasse des Giro d'Italia. Dafür wurde extra die Naturstrasse plattgewaltzt und so hergerichtet, dass kein Steinchen daraus hervorstach. Gleich auf den ersten Metern hat diese Steigung so ihre Tücken - sie ist ganz einfach steil. Steil, steiler am steilsten! Bis zu 24% steil sollte sie noch werden und in 13 Spitzkehren hinauf auf 2277m führen - dem Gipfel des weltbekannten Kronplatzes.

Auf dieser wundervollen Naturstrasse läuft es sich wie auf einer Aschenbahn. Trotzdem, die Läufergruppen wurden immer dünner - die Luft ebenfalls. Der Regen hörte mittlerweile auf und die Läufer erschienen wie teuflische Schatten aus dem Nebel der Niederungen - mit verzerrten Gesichtern, als hätten sie soeben den Teufel gesehen.

Keuchen, fluchen und hoffen

Selbst Hannes Rungger dem bekannten Topläufer waren die Anstrengungen ins Gesicht geschrieben. Und im hinteren Teil des Feldes wurde statt gerannt, marschiert. 6km durch die Hölle! 6km zu Fuss 600m Höhendifferenz im Gehen oder im Kriechen! Hier zeigt sich wer ein Meister ist. Und das Spiel der Gesichtsmuskeln und den schmerzverzerrten Zügen war eindrücklich. Die Augen starr, der Atem schnell, die Kleider vom schwitzen nass - so quälten sie sich hinauf.

So steil wie eine Felswand

Und wenn du selber auf der Strasse stehst, die so steil ist, dass du bei jedem Schritt jeden Teil deines Körpers spürst, ausrutschts, beim Versuch zu beschleunigen - dann werden dir in Sekundenbruchteilen die Gedanken durch den Kopf jagen, wieso ich? wieso gerade ich? und du wirst nur noch daran denken, schnellstmöglich, dieser Berghölle endlich zu entrinnen.

Zum Märchen gehört eben auch das "Böse." Das Böse, dass dich als Sportler bis zum Letzten herausfordert. Genau dieses Higlight, bekommst du als Geschenk hinauf zum Kronplatz obendrauf. Was 23 km lang fast wie Leichtigkeit aussah, wird auf den teuflischen Kehren hinauf zur Himmelsglocke zur echten, wahren Tortour und gibt dir alles zurück, was du vorher nicht bekommen hast. Und wenn du noch weit unten irgendwo zwischen Wald und Freiheit steckst, hörst du von oben die Glockenklänge als sei das Feuer ausgebrochen. Du bist noch nicht in der Hölle - der Erste, Hannes Rungger ist unter den Glockenklängen der riesigen Glocke vom Kronplatz durchs Ziel gelaufen. Dort oben zuoberst auf dem Kronplatz sagt eine Saga, soll Dolasilla, die unverwundbare Prinzessin des Reiches der Fanes, gekrönt worden sein. Deine Krönung steht noch bevor - doch sie wird königlich sein.

Concordia - Eine Glocke für den Frieden - Der Kronplatz Run ein Lauf für Verrückte?

Wenn du irgendwann nach langem ausführlichen fluchen zum letzten Kilometer kommst, dann erwartet dich dein Dessert. Jetzt nämlich kommst du in den einmaligen Genuss einer 24% Steigung. Dankeschön wirst du sagen und dich fragen ob alle noch bei Trost sind. Dass sieht so aus, als stündest du vor einer Felswand ohne Leiter. Jedenfalls wirst auch du jetzt die Technik des speziellen Bergwanderns erlernen. Die geht hin und her und du erklimmst die Höhenmeter etwa so schnell wie die Schnecke die unten am Tal über die Strasse kroch.

Und dann siehst du sie - die knapp 3,1m hohe Friedensglocke auf dem Kronplatz. 18 Tonnen schwer ist sie, sie fühlt sich genau auch so schwer an wie deine Beine, die im Moment mit ziemlicher Sicherheit schmerzen. Und der Künstler und Erbauer Paul de Doss-Moroder von der Salzburger Glockengiesserei Oberascher dachte wohl beim Aufrichtefest kaum daran, dass mal solche Typen wie du, da raufrennen.

DONET DEUS POPULIS PACEM - Gott schenke den Völkern Frieden,

Die Friedensglocke auf dem Kornplatz wird, wenn du Glück hast auch für Dich läuten. Dich, den Ausnahmekönner, den Beisser und den Durchhalter, dem, den Keiner zurückhalten konnte, diesen fantastischen Wettkampf mitzumachen, du gehörst nun zu denen, die mit einer unglaublichen Leistung etwas unglaubliches fertig gebracht haben. Du bist Finisher des Kronplatz Run! Bravo!!!

zum Interview mit Tourismusdirektor Alfred Unterkircher

zum Rennbericht des Bikerennens

Rangliste

http://www.youtube.com//watch?v=vBpHfwPPST0
 

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