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17. September 2010, 22:24
So war es noch nie!
Der Jungfrau Marathon der Superklasse!
Man kennt vieles am Jungfrau Marathon. Was heute aber über die Bühne ging, war ganz einfach Superklasse. Angefangen beim Rennen der Elite, wo sich Marco de Gasperi, Marc Lauenstein, Patrick Wieser und die Südtiroler Hermann Achmüller und Gerd Frick in der Anfangsphase ein Rennen lieferten, dass in der obersten Schublade des Elitesportes anzusiedeln ist, bis hin zur Bilderbuchorganisation die makellos, freundlich und ganz einfach super ablief. Der Jungfrau Marathon hat in Marco de Gasperi einen würdigen Sieger gefunden, der ganz einfach heute einen "Wundertag" hatte. Obwohl Gasperi im unteren Teil grosse Mühe hatte, das horrende Tempo in der Spitzengruppe zu halten, dominierte er ab Lauterbrunnen das Rennen wie im lieb war. Mit dem Dritten, dem Britten Huw Lobb sprintete auf der Moräne ein Mann nach vorne, der lange Zeit um den Anschluss kämpfte. Tolles Wetter, herrliche Berge und eine riesengrosse Zuschauerkulisse, rundeten den Supertag ab. Bilder Marcel und Andrea Krebs für Sport-heute.ch
Interlaken, 11.9.10 mk (mk) Ein unvergesslicher Tag
Ein fast unbeschreibliches wunderschönes Herbstwetter, eine traumhafte Bergkulisse mit Eiger, Mönch und Jungfrau und 4000 begeisterte Volksläufer - was will man mehr? Den Organiatoren wurde für ihre perfekt organisierte Veran-staltung ein wahres Hochzeitsgeschenk gemacht. Der diesjährige Jungfrau Marathon wird Geschichte schreiben. Alles war perfekt abgestimmt - alles ganz einfach, die Sensation. Wer das Gefühl erleben darf, oben auf der Moräne des Gletschers anzukommen und nur einmal einen Blick zurück in die Tiefe werfen kann, wird mit einem Jubelschrei sein grosses Laufglück aufnehmen. Ganz gleich ob er als Eliteläufer oder als einfacher Volksläufer die legendäre Strecke von Interlaken auf die kleine Scheidegg zurück-gelegt hat.
Wau war dass für ein Rennen!
Gleich nach dem Start, forcierten der Ukrainer Oksenjuk und der Eriträher Eticha das Tempo so scharf, dass sie bereits nach fünfhundert gelaufenen Metern einen Vorsprung von gegen hundert Metern hatten. Mitunter waren sie keine "Waisenkinder", den beide fand man schoneinmal auf den Podesten des Jungfrau Marathons. Ihr Engagement hat sich wie alle Jahre ausbezahlt. Mit ihrer Flucht nach Vorne lösten sie im eigentlichen Spitzenfeld grossen Wirbel auf. Nicht nur der spätere Sieger Marco de Gasperi schnappte nach Luft, nein, auch Hermann Achmüller, Gerd Frick, Lauenstein, Kemboy etc, sahen sich bereits nach der üblichen ersten Runde durch Interlaken verwundert an. War dass der eriträhische Taifun, der alle Vorhaben des heutigen Tages bereits in Frage stellte? - Mitnichten, es war nur der geschickte Schachzug des Rennleiters Richard Umberg, der sein Spitzenfeld ganz bewusst nach "gewissen Läufern" auswählt. Dass, denn das Tempo so hoch sein würde, damit hat Umbrecht auch nicht gerechnet, wie er bei Kilometer 10 sagte. Rekordverdächtig - entwickelte sich also das Laufgeschehen an der Spitze im unteren Teil bis Lauterbrunnen. Die Zuaschauer freute es! Noch selten war es so spannend wie Heute!!
Ihren Tribut gebüsst!
Die beiden Führenden büssten aber ihr Exploit kurz vor Lauterbrunnen, "wo sie schlussendlich den Fischen in der Lütschine zu fressen gaben." Auch Patrick Wieser musste in dieser Gegend abreissen lassen - lief dann aber sein Tempo den Berg rauf bis ins Ziel und klassierte sich als ausgezeichneter Achter! Ganz anders machte es der Südtiroler De Gasperi. Er, der lange Zeit grosse Mühe hatte im Verfolgerfeld mitzuhalten (ich war auf dem Motorrad bei diesem Feld und sah wie er immer wieder abreissen lassen musste) hatte aufeinmal Flügel, und dies ohne, dass nur irgend etwas mit Red Bull oder ähnlichem am Strasserand angeschrieben war. Später im Ziel diktierte er dann folgendes:"Mir lief es am Anfang ganz einfach schlecht, das Tempo, ungewohnt hoch für einen Bergmarathon - doch mit den Kilometern konnte ich mich immer mehr mit den Anderen intendiffzizieren und mitlaufen. An Sieg dachte ich aber noch lange nicht. Ich lief mein Tempo und....zur grossen Überraschung war ich plötzlich alleine. Ich musste mich zuerst nochmal umdrehen um sicher zu sein, dass es wahr ist! Dass sich mein Vorsprung rapide vergrösserte irritierte mich nicht, den ich lief hinauf nach Wengen keinesfalls im roten Bereich, ich wusste nur aufeinmal, ein Sieg liegt drinn." So Marco de Gasperi.
"Hinten" wurde gekämpft!
Ganz anders sah es bei den Verfolgern aus. Die eigentliche Überraschung war lange der kleingewachsene Sanchez Hernandez Ranulfo aus Mexico. Wie Ranulfo mit seinem aussergewöhnlichen Laufstil langen Männerbeinen zuvorkommt, bewies er lange unten auf den Geraden, wie auch am Berg bis hinauf zum Ziel. Leider musste er auf der Moräne seinen grossartigen Leistung einen kleinen Dämpfer versetzen, als er noch sieben Ränge verlor. Er war aber Einer, der viel zum heutigen Jungfrau Marathon beigetragen hat.
Gastland Südtirol
Das Südtirol war dieses Jahr Gastland am Jungfrau Marathon. Vertreten durch eine Reihe von Spitzenläufern, aber auch mit jungen, fitten Volksläufern präsentierten die Südtiroler ein italienischen Landesteil der für die Ferien einlädt. Ob im Frühling, Sommer, Herbst oder Winter - im Südtirol gibt es eine vielfältige Urlaubsmöglichkeit. Z.B. für Laufverrückte der einmalige Laufpark auf der Seiseralm oder bw. den Kornplatz und seinem extraklassen Run mit seinen vielfälltigen Möglichkeiten. (Da wo die weltbesten Marathonläufer) jedes Jahr ihr Trainingslager aufschlagen, herrscht ewig Sonnenschein. Die Herzlichkeit der Südtiroler Menschen ist gross! So fühlt sich auch der Olympiasieger im Marathon Samuel Kamau hier oben wohl. Die Seiser Alm gilt mittlerweile im Laufsport als das Marathon Mekka der Gegenwart mit viel Plus für die Zukunft. Wenn alle Jahre im Anfangs Juli die Kenianer hier oben einziehen, dann kommen viele Hundert Volksläufer dazu, die auch Gelegenheit haben, am Training mit diesen Stars teilzunehmen.
Südtirols Laufbotschafter Hermann Achmüller unterwegs
Selbstverständlich durfte am Jungfrau Marathon auch Südtirols Laufbotschafter Hermann Achmüller Ich bin ein richtiger Südtiroler fehlen. Hermann Achmüller ist ein Original. Der immer gut gelaunte echte Südtiroler ist in internationalen Wettbewerben kein Unbekannter. Laufen tut er allerdings aus Freude und dazu gehört nach dem Rennen auch ein Bier. "Wir sind ja schliesslich Menschen!" meint Achmüller. Mit seinem grossen Beziehungsnetz in der grossen Laufwelt ist er für den Südtiroler Touristenverein ein Geschenk. Achmüller ist aber auch ehrlich: "Jedesmal, wenn ich oben auf der Moräne ankomme, überkommt mich ein wahnsinniges Gefühl, die Aussicht hier oben auf über 2300 m/ü.M auf Eiger, Mönch und Jungfrau ist wohl einmalig auf der Welt. Das Gefühl, dass Du hier hast ist nicht zu beschreiben - ganz einfach tief und schön."
Das grosse Heer der Volksläufer
Wer es wagt am Jungfrau Marathon teilzunehmen, braucht Mut, Training und Zuversicht. Der Jungfrau Marathon ist die eindrücklichste Marathonveranstaltung die es momentan gibt. Nicht nur, dass links und rechts der Strecke Tausende stehen und jeden Läufer, gleich welcher Position anfeuern, ist in der Marathonwelt einmalig. Das Gefühl oben auf der kleinen Scheidegg durchs Ziel zu laufen, noch viel, viel grösser. Wer es schafft in der geforderten Zeit innert sechst Stunden die gewaltige Strecke hinter sich zu lassen ist ein grossartiger Winner. Stolz dürfen die vielen Tausend Läufer und Läuferinnen die es auch dieses Jahr geschafft haben sein. Es ist das Edelste, das Grösste und das Wunderschönste, am Jungfraumarathon dabei gewesen zu sein.
Für Sport-heute.ch
Marcel Krebs
Overall Männer
1. De Gasperi Marco,1977,IT-Bormio (SO) 2:56.42,6 (7)
2. Lauenstein Marc,1980,Peseux 3:03.01,1 (1)
3. Lobb Huw,1976,GB-London 3:04.51,6 (18)
Overall Frauen
1. Staicu Simona,1971,HU-Mogyorod 3:33.45,9 (104)
2. Niggli-Luder Simone,1978,M�nsingen 3:34.29,3 (105)
3. Nunige Jasmin,1973,Davos Platz 3:35.11,5 (102)
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Leserkommentare (1) »

Der Sieger Marco de Gasperi lief am Schluss ein einsames Rennen.

Vorne der Fünfte Hermann Achmüller - hinten der Vierte Gerd Frick. Sie verloren das Rennen im Aufstieg nach Wengen.

Die Kulisse einer unvergleichlich wunderschönen Berglandschaft.



Das grosse Heer der Volksläufer, die grosse Tragkraft des Jungfrau Marathons prägte auch dieses Jahr den Jungfrau Marathon. Vater, Mutter, Tochter und Sohn. Wer die grosse Freiheit des Laufsportes liebt kommt nach Interlaken. Auf dem Bild der Ehemann Heinz Luder-Gautschi der bekannten Kurzstreckenläuferin Maya Luder-Gautschi, der einer der grossartigen Freizeitsportler des Jungfrau Marathons ist. Dabei ist Freizeitsportler fasst eine Frechheit. Die Leistung, mit der die über 4000 Volksläufer hier rauf speeden ist gross - unglaublich gross.

Ohne ihn, gäbe es keine so spannenden Wettkämpfe. Richard Umberg verstand es auch dieses Jahr ein hervorragendes Elitefeld nach Interlaken zu holen. Wohl die beste Auswahl aller Zeiten. Genau dieses Prickeln braucht es, um ein Rennen spannend zu machen. Der grosse Maestro des Renngeschehens hat wieder voll ins Schwarze getroffen. Auf dem Bild mit der Dritten im Frauenfeld - Jasmine Nunige.

Patrick Wieser war auf dem ersten Teil der Strecke der grosse Animator. Er hielt auch die Spitzenathleten immer in Tuchfühlung zu den beiden Führenden bis Lauterbrunnen.

Die Gesichtsausdrücke zeigen welches Tempo im Verfolgerfeld gelaufen wurde. Neben Patrick Wieser sehen wir hier den Südtiroler Botschafter des Laufens Hermann Achmüller.

"Ich lief nur mein Rennen - an Sieg dachte ich lange nicht!" Marco de Gasperi ist allerdings kein unbekannter. Langdistanzweltmeister, mehrmaliger Sieger des Zinallaufes, des Skyrace in Poschiavo und ganz einfach Weltklassemann in den Bergen gegwinnt die 18. Austragung des Jungfrau Marathons, mit grossem Vorsprung.
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