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30. August 2010, 10:53
Wetterpech am Mont Blanc
Überleben unter unmenschlichen Bedingungen am Mont Blanc
Wie grausam die sonst heile Bergwelt sein kann, erlebten dieses Wochenende die gut 2300 Extremsportler am North Face Ultra Trail am Mont Blanc. Innert Minuten schlug das Wetter um und auf dem Kulminationspunkt vielen innert dreissig Minuten 25cm Neuschnee. Der Temperatursturz von +11° auf - 4°, dazu ein eisig kalter starker Nordwind und Schneeregen, wie er sonst nur in den kalten Wintermonaten fällt, zwangen die Organisatoren den Lauf Freitagnacht punkt 2100 Uhr abzubrechen. "Wir hatten keine andere Wahl", sagte OK Chefin Catérine Poletti mit Tränen in den Augen. "Doch die Sicherheit der Athleten ging vor. Ich weiss, sie haben 3-4 Tausend Kilometer für diese zwei Tage trainiert, um ihrem grossen Traum näher zu kommen - doch es kann Situationen geben, da muss die Vernunft siegen. Es ist mir schwer gefallen, dies mitzuteilen.- Die Spitze wurde auf 1400m Meereshöhe bei km 34 aufgehalten. Bis dahin gingen schwere Regenfälle runter. Die Wetterkarte liess noch um 1800 Uhr hoffen, doch um 2000 Uhr hat sich alles dramatisch verschlechtert." so Poletti. Ich war hautnah dabei, als die Eliteathleten darüber informiert wurden, sofort anzuhalten. Was organisatorisch sieben Jahre als Notfallplan in der Schublade lag, wurde angewendet und umgesetzt. Und, es hat funktioniert. Ein Kompliment den Organisatoren. Klar, frustriert waren viele, aber die Meisten waren schlussendlich froh, wieder weiche warme und trockene Socken an den Füssen zu tragen. Die etwas andere Geschichte vom Ultra Marathon Mont Blanc zeigt Ihnen liebe Leser, was die Extremsportler an einer der härtesten Prüfungen im Extremsportbereich alles geleistet haben. Alle Achtung vor diesen aussergewöhnlichen Menschen, gleich welchen Rang sie in der Rangliste belegen.
Chamonix MontBlanc, 28.8.2010 mk/ak (mk) Es ist Donnerstag Morgen - gerade Mal sechs Uhr, als ich mich in les Bosson, vier Kilometer unterhalb Chamonix Mont Blanc auf die Socken mache - gleich unter dem Gletscher. Die Nacht war kalt - die Luft feucht. Das Wetter hat sich mittlerweile verschlechtert, dicke Wolken hängen am Mont - Blanc. Doch im Tal herrscht immer noch Sommerstimmung. An den Strassen die nach Chamonix Mont Blanc hineinführen, stehen hunderte von Wohnmobilen. Die Polizei drückt einmal im Jahr die Augen zu. Dann darf nämlich wild parkiert werden, sonst wäre der riesige Ansturm der rund sechstausend Läufern mit ihren Angehörigen verkehrstechnisch überhaupt nicht zu bewältigen.
Ich laufe mit meiner Kleinpackung Rucksack der Strasse entlang Richtung "Grossdorf" oder Städchen Chamonix. Verkehr herrscht um diese Zeit noch nicht viel - und auch in den Wohnmobilen die auf jedem freien Plätzchen stehen, ist noch Ruhe. So ist der Fussmarsch eine wunderbare Meditation. Wären da nicht bei jedem zweiten Ferienhaus Schilder angebracht - en Vendre, zu verkaufen. Auch hier oben haben sie also zu kämpfen. Niemand kann sich mehr eine zweite Bleibe leisten, gerade weil auch die Steuern so wahnsinnig hoch sind. - Ich habe das Städchen erreicht. Mein Ziel ist der kleine Busbahnhof für Touristen, der gleich hinter dem Startgelände steht. Hier werde ich im Pressebus um halb Acht durch den Mont Blanc Tunnel hinüber nach Courmayeur chauffiert, wo um 10.00 Uhr die kleinere Ausgabe des UMTB, der CCC startet.
Durch den Tunnel in die Hölle
1800 Läufer des CCC (Courmayeur-Champex-Chamonix Trails) müssen früh Morgens durch den Mont Blanctunnel ans Startort auf der italienischen Seite gebracht werden. 1800 Läufer durch 45 Carsitzplätze sind 40 Reisecars, die die Verwegenen für die kleinere Ausgabe des Höllenlaufes auf sich nehmen wollen. Dabei kommen sie gleich nach dem Start und dem Dorfdurchlauf auf ihre Rechung. Es gilt nämlich gleich den 2584 m hohen Tete de la Tronche zu erklimmen, steil hinunter nach Arnuva zur rennen um sogleich den anspruchsvollen Cole Grand Ferret, wo die Grenze zur Schweiz liegt auf 2537 m/ü.M zu erreichen. "Dann bist Du erstmals geschafft, hast aber immer noch rund 3000 positive Höhenmeter und 66km vor dir." meint Philipp ein austrainierter hagerer Athlet aus Frankreich.
Ein Start nicht wie im Bilderbuch
Für einmal blieb das Märchen Schönwetter aus. Stattdessen begann es zu regnen. Zuerst leicht und ziemlich genau zehn Minuten vor dem Start, schüttete es während dem Abspielen der drei Nationalhymmnen wie aus Kübeln. Da konnte auch nicht die eigens dafür komponierte Hymmne des CCC viel ausrichten.
Zehn,neun,acht,sieben,sechs,fünf,vier,drei,zwei,eins und los.....Gemeinsam zählten die 1800 Extremsportler hinunter. Schon bei vier begann es jetzt zu giessen wie aus Kübeln, keine Dusche kann soviel Wasser aufeinmal hergeben. Pudelnass starteten die Läufer zu ihrem Himmelstripp Richtung Schweizer Grenze.
Erstmal putzen und glänzen und essen
Nicht nur die Verrückten des CCC waren innert wenigen Minuten aufgeweicht, sondern auch ich. Nicht zum Frühstück bei Tiffany, sondern in die Pizzeria gleich beim Start, zum Empfang bei der Bürgermeisterin von Courmayeur war ich geladen. Nebst einer herzlichen Begrüssung gabs Köstlichkeiten aus der Region, mit mindestens vier Sorten feinster Salami, weiteren fünf Sorten des besten Käses, Pizza und allerlei Anderem erlebten wir ein Donnerwetter vom Wettergott. Schon hier liess sich erahnen, was die Extremsportler gleich erwarten würde. Doch zwischendurch musste ich noch meine Kameraausrüstung trockenreiben. Trotz Schutz und allem war sie durchnässt.
Zurück an die Sonne
Die Rückfahrt ins Himmelreich der Sonne begann sogleich interessanter zu werden. Wie würde das Wetter drüben sein? Doch alles o.k. Keine Aufregung, kaum aus dem Tunnel schien die Sonne. Wir wussten ja nicht, was sich zu diesem Zeitpunkt auf der italienischen Seite abspielte, dass bald trotz schlechter Sicht und Flugverbot, ein Helikopter hinauf ins Tal Richtung Ferret flog. Gegen Abend sogar nach eventuellen Vermissten gesucht wurde. Die Temperaturen sanken nämlich gegen 0° C, oben herrschte Schneefall und Schneeregen, der Boden war glitschig und zum Abstieg auf der anderen Seite auf die Alpe Peule, wären Ski die bessere Lösung gewesen. Die starken Winde die oben auf der Passhöhe herrschten wären noch zu stark für verwegene Gleitschirm-gleiter gewesen. Kalt, ja unerbittlich kalt war es bereits um diese Zeit. Was würde die Nacht den Langsamsten, den wirklich Verrückten bringen? Die brauchten nämlich noch etliche Stunden, bis sie oben waren. Bis halb Sechs am Abend hatten sie nämlich das Zeitfenster bis zur Alp Peule offen.
Ohne Sorgen zum Mittagsschlaf
All diese Sorgen hatten wir nicht. Wir dachten wohl es sei eine Menge harter Arbeit da oben, doch da sind sich die Sportler schon an anderes gewöhnt. So machte ich mich auf das Verdauungsmärschen zu meinem Plätzchen unterhalb des Gletschers. Die Sonne vertrieb die Sorgen über eventuelle Regendramen und kalten Füssen bei den Läufern. Eingebettet in meinen Schlafsack liess ich mir die wärmende Sonne drei Stunden aufs Gesicht scheinen und freute mich auf den Abend, den Start des grossen UMTB, des North Face Ultra Trails du Mont Blanc.
Die grosse Startshow der achten Austragung des North Face Ultra Trails du Mont Blanc
Eines können sie. Die inszenierte Startshow des UMTB ist so gut, besseres ist wohl auf der ganzen Welt bei keiner Laufveranstaltung zu sehen und zu hören. Wem nicht der kälteste Schauer über den Rücken läuft, Tränen übers Gesicht rollen, der ist ein Unmensch und wahrlich keine UMTB Fan. Nur schon das Erlebnis, das Startprozedere sind die paar Hundert Euro Startgeld wert. Wie Könige reihen sich zum Schluss die Stars in die Reihen der Verwegenen ganz vorne ein. Kilian Jornet, der erst 21-Jährige Double Sieger will das Tripplet anstreben. Aber auch "Altmeisterin" Lizzy Hawker strahlt übers ganze Gesicht, ist aber sehr konzentriert und lässt wieder an ihre Siege vergangener Jahre hoffen. Herzliche Umarmung mit ihrer letztjährigen Bezwingerin, der Amerikanerin Kristin Moehl. Hawker hat eine durchzogene Saison hinter sich. Hoch und Tiefs wechselten sich ab, wobei Tiefs an erster Stelle standen.
Punkt 18.30 Uhr der Start
2300 Läuferinnen und Läufer machten sich auf dem Weg in die Einsamkeit. Zuerst galt's aber noch die dichtgedrängten Zuschauerreihen lins und rechts der Strasse zu passieren. Wie jedes Jahr standen wieder tausende am Strassenrand der Touristenmetropole Chamonix Mont-Blanc. Der Ultra Trail gilt mittlerweile als Aushängeschild in der ganzen Welt für die ehemalige Olympiastadt am Fusse des Mont Blanc. Und auch hier in Chamonix begann ist mit dem Start zu regnen. Nicht so fest wie auf der italienischen Seite, doch ahnte der avancierte Wetterfrosch bereits das Unheil. In Saint-Gervais nämlich, bei Kilometer 21,3 schüttete es bereits aus Kübeln. Dunkle Wolken hingen über der Stadt auf knapp 800 Metern Höhe.
Das Wunder von Lizzy Hawker
Und nachdem bereits der Führende Kilian Jornet aus Spanien Saint-Gervais passiert hat, folgt die in der Schweiz lebende Britin mitten unter den besten Männern an siebenter Stelle! - Mit einem gehörigen Vorsprung von über zehn Minuten auf die zweite Frau. Man hat sich also nicht geirrt. Sie sah am Start wie eine Siegerin aus, war sie auf der Rückkehr zum grossen Sieg am UTMB? Nach den Durchläufen der ersten Sportler habe ich mich wieder in die Champagnerbar für schlappe Journalisten gleich neben der Strecke verkrochen. Der Regen machte nun auch hier keinen Halt mehr und prasselte mit ungheurer Wucht und Nässe hernieder. Wer würde erahnen, dass in knapp einer Stunde das Aus für den Königslauf der Extremsportler kommen würde?
Rauf nach Contamines und Schluss!
Den Luxus leiste ich mir. Mit einer Schar von über fünfzig Reportern, fuhr ich im Bus zur letzten Zivilisations-Station des UTMB bis am Morgen Hoch. Auf gut 1200 Metern über Meer will ich zum Letztenmal bis am frühen Morgen den grossen Könnern der Extremläufer begegnen, sie bewundern - ein Bild schiessen und vielleicht ein paar Worte wechseln. Dies ist hier oben bereits in dunkler, undurchsichtiger Dunkelheit keine Leichtigkeit. Doch bevor ich zur Strecke kam, gabs noch ein herrliches Nachtessen mit einer Einheimischen Spezialität. Ein Festzelt, weit draussen in der Natur - natürlich absolut wasserdicht. Eine kleine Verschnaufspause. Journalistenkollegen aus Belgien, Dänemark, Deutschland, den USA, ja sogar aus China,Korea und Japan waren da. Die Japaner bw. haben ja zwei Favoriten im Rennen und der Laufsport geniesst in Japan hohes Ansehen. So waren vier Zeitschriften und zwei Fernsehstationen anwesend. Ein wirrers Sprachdurcheinander wie beim Sturm auf Babel.
2125 - Mit einem Schlag kehrt Ruhe ein
Anne die Pressechefin richtet mit versteinertem Gesicht ihre Stimmen ans Journalistenvolk!
Liebe Kollegen, Liebe Kolleginnen. Es ist passiert - eben habe ich die Mitteilung bekommen, dass der UMTB abgebrochen wurde. Punkt Neun Uhr haben wir die Läufer angehalten. Das Wetter hat sich so verschlechtert, dass es die grösste Fahlässigkeit wäre, die Sportler in die einsame Bergwelt zu entlassen. Bereits in 2000 Metern herrschen chaotische Zustände. Schneefall, starker Regen und kältester Wind wären der Untergang für die Sportler und auch das Aus für die Zukunft des UTMB. Die Sorge um die Sportler, ihre Gesundheit und die Angst um ihr Leben zählt mehr, als die Ungewissheit, sie ins Verderben rennen zu lassen. Die, die schon Saint-Gervais passiert haben, werden auf dem Streckenteil bis hierher aus dem Rennen genommen. Von hier aus wird keiner der Sportler mehr den verderbnisvollen Weg antreten.
Beim CCC am Nachmittag bereits Suchtrupps losgeschickt
Heute Nachmittag wurden gegen Abend beim CCC bereits ein Helikopter und zwei Suchtrupps losgeschickt um eventuelle Sportler die, die volle Wetterpracht traf zu bergen. Glücklicherweise haben alle den Sprung über den Ferret bis am Abend geschafft und wurden auf der Alpe le Peul aus dem Rennen genommen.
Nun kamen sämtliche Mobiles zum Einsatz und innert zwei Minuten wusste bereits die ganze Welt über den Abbruch der prestigträchtigsten Austragung im Extremsport.
Noch schlimmer beim TDS
Der Petite Trotte de Leon wurde als erster Lauf abgebrochen. Da wo die Sportler in Dreierteams hoch oben im Mont-Blanc Massiv umherschwirrten. Ihre Strecke verläuft ständig in einer Höhe von 1700 Meter und mehr, bis hinauf gegen 3000 Höhenmeter. Die Gefährlichkeit, mit der sie sich durch die matschigen Hänge quälen mussten, war unübersehbar. "Nur schnell runter." Dies war die Devise dieser Teams, egal auf welchem Rang, egal ob abgebrochen wurde.
Teilweise Unverständnis bei den Sportlern
Viele der Sportler, wollten es nicht begreifen. "Hier ist Schluss Paul!" Sagte eine Helferin zum einsamen Läufer, der zum ersten Mal, weit vorne im Feld lag. Paul konnte es nicht fassen - er tobte! "Dreitausend Kilometer habe ich auf den heutigen Tag trainiert, was soll das?" Ja, er schrie die verdutzte Helferin an. Liess sich dann aber doch überzeugen und stampfte wild davon - Richtung retour - bevor er noch gehässigt zurückschrie:"Aber wo ist der Bus, wo ist die Rückfahrt?"
Die anderen Sportler die in Saint-Gervais aus dem Rennen genommen wurden, glaubten zuerst an einen Scherz - auch hier wurde teilweise gehässig reagiert, der grösste Teil zeigte aber viel Verständnis für diese Massnahme und war froh nicht ins Verderben geschickt worden zu sein.
Verkehrschaos auf den Strassen
Was der Abbruch für ein Chaos auf den Strassen rund um Saint-Gervais anrichtete war unvorstellbar. Die Läufer wurden aber schon bald in warme Busse verpackt und zurück nach Chamonix gebracht. Glück für die, die Begleiter hatten, sie kamen innert Kürze zu frischen Kleidern. Schlecht für die, die warten mussten.
Auch wir im Pressebus standen eine Stunde im Stau und wurden schlussendlich gegen 2400 Uhr zur ausserordentlichen Pressekonferenz nach Chamonix chauffiert, wo uns Madame Poletti mit Tränen in der Stimme die Gründe bekannt gab. Ich kann es verstehen, dass mit der Vorsicht und glaube auch, dass sie aus Erfahrung spricht. Wir waren letzte Jahr drei Wochen vor dem Ultra Trail auf dem Gran Col Ferret und haben bei schönstem Wetter die Windstärken die dor oben herrschten erlebt. Blauer Himmel und drei Grad°. Man muss dies erlebt haben. Und der Abstieg hinunter in Valle Ferret ist steil und gefährlich.
Schwere Regenfälle in der
Nacht
Wie recht die Organisatoren mit dem Abbruch taten, spürte ich in der Nacht unter der Zeltblache. Stundenlang prasselte das Nass in ungewöhnlicher Stärke aufs Zeltdach. Hundchen durfte dafür im Zelt schlafen. Es war tatsächlich mehr als Hundewetter. Das Anschwellen des nahen Bergbaches war bedrohlich.
Neuer Start des UMTB
Den Läufern wurde am Morgen Gelegenheit geboten, den zweiten Teil des UMTB von Courmayeur aus zu starten. 1500 erwarteten die Veranstalter - gekommen waren dann doch fast so viele. Ein grosse Bravo!!! Die Spitzenathleten blieben dem Lauf fern, ausser der zähen Britin Lizzy Hawker, die ihrem Sponsor North Face eine Freude mit ihrem Start machte.
Jedenfalls verdrückten wir uns gegen Mittag ins Val Ferret, um die Ersten gegen zwei Uhr Nachmittags im hintersten Teil des Tales auf rund 1700 m über Meer zu empfangen.
Kein Champangner und keine Häppchen
Mit einigen anderen Verwegenen wartete ich zusammen mit meiner Partnerin am Schluss des Abstieges von der Alpe la Peule. Dieser Streckenteil war so steil, dass man ihn auch bei trockenem Wetter kaum begehen kann. Das Wetter war kalt, mit bissigem Wind, dichtem Nebel und Regen. Zum Glück konnte ich Hundchen ein paar Steine in den Fluss werfen und so vertrieben wir uns die Zeit mit aktivem warten. In der Zwischenzeit wechselte ich die Bekleidung von Sommer auf Winter. Goretex statt Champagner und Bergschuhe statt feine Häppchen.
Endlich nach langem warten brausten die Ersten den Berg herunter. Unglaublich! "Die müssen wohl verrückt sein!!" Meinte ein harmloser Wanderer, der sich mühsam auf dem TMB Pfad hinunter gequält hatte. "Der Teufel muss in ihnen stecken!" meinte ein Zweiter - "Oder er muss gleich hinterher kommen!" meint die Frau. Kopfschüttelnd marschierten sie weiter, vorsichtig tasteten sich die Bergänger von Wurzel zu Wurzel langsam zu Tal.
Die Luft war draussen - die Geschichte aus
Natürlich war die Kopie des zweiten Tages kein wirklicher Ultra Trail mehr. Die Strecke der zweiten Hälfte hatte es wohl als Lauf in sich, doch das gewisse Etwas, dass sogenannte Prickeln am Berg des Wahnsinns war weg. Das Quälen hatte bereits sein Ende genommen, man lief aus Freude seinen Lauf. Hochachtung verdienen die Extremsportler trotzdem die nochmals gestartet sind.
Der diesjährige North Face Ultra Trail du Mont Blanc wird auch diesmal Geschichte schreiben. Er wird noch mehr Läufer in seinen Bann ziehen - hier findet jeder wirklich das absolut Extreme! Und für die Organisatoren war es wirklich auch kein Schleck, sich nochmals in Startposition zu begeben. Und wie soll der Film fürs französische Fernsehen fertig werden? Verzweifelt kreiste um die Vesperzeit der Helikopter über dem Forclazpass um wenigstens die verwegene Lizzy Hawker von oben noch bildlich einzufangen. Zu mehr reichte es nicht. Bald brach die Nacht herein. Tröpfelnd kamen sie vom Bovine herunter - die Läufer, die noch weiter machten. Spektakulär konnten diese Bilder aus der Luft nicht werden. Der Mythos des wohl absolutesten und verrücktesten Extremlaufes der Welt ist aber noch mehr gestärkt worden. Das mehr oder das wieder wird in jedem Athleten bis zum nächsten Jahr zum unwiderstehlichen Mitmachegefühl heranwachsen. Ganz gleich ob der Lauf zu früh, zu Ende gegangen ist.
Beim Wallisser Plättchen für 14.50 mit wenig Fleich und viel Brot und überhaupt keinem Käse, lass ich mir das Ganze auf der Passhöhe bei eisiger Kälte und kurzem aufleuchtenden Sonnenstrahlen nochmals durch den Kopf gehen. Ich warte noch auf Eine, die Lizzy wird meinen Ultra Trail beenden. Und sie kommt wie immer mit einem Lächeln auf dem Gesicht vorbeigerannt. Klick, klick und vorbei ist sie. Die letzten Bilder sind das! Die zwei Tage am Mont Blanc werden auch für mich unvergessen bleiben. Regen, Regen, Kälte, starker Wind und ein paar Gläser Champagner! Auf ein Wiedersehen im nächsten Jahr!
Zum Sieg beim zweiten Anlauf - Go Lizzy Go!
Die unermüdliche Britin Lizzy Elisabeth Hawker, krönte ihren zweiten Start mit einer herausragenden Leistung. Über eine Stunde schneller als die Siegerin vom Vortag am CCC. Hawker brillierte in allen Belangen. Sie spielte ihre Stärke am Berg und auch wieder nach ihrer Genesung an den Knien - auch im Ablauf hinunter ins Tal aus. Der Glanz ihrer Karriere geht weiter, ihr Lachen und ihr Charisma machen Lizzy Hawker zur unglaublichen Extremsportlerin. Elisabeth lebt mit ihren Gedanken, ihren Bewegungen und ihrer Bescheidenheit für den Sport. Dankbarkeit und Träume für mehr und auf mehr, machen sie zum Star unter den Sportlerinnen. Bescheiden drückt sie sich mit einem bezaubernden Lächeln aus. So wie eben eine Elisabeth Hawker lächelt wenn sie glücklich ist. Go Lizzy - Go!
Marcel Krebs für Sport-heute.ch
Resultate der Fortsetzung des UTMB
Femes Alle Resultate
1. Lizzy Hawker GB
2.MARTINEZ URRUZOLA Néré
3.HERVE Agnès
Hommes Alle Resultate
1. BRAGG Jez
2. Wolf Mike
3. ITURRIETA RUIZ Zigor
CCC 27,8.10 (Offiziell)
Männer
Frauen
Leserkommentare (0) »

Mit einer grossen Show beginnt die achte Austragung des North Face Ultra Trail du Mont Blanc 2010. Mitten in Chamonix, ein spektakel, dass es sonst nirgends gibt. Am Schluss stehen alle Athleten mit Tränen in den Augen da. Ein so grossartiger, tiefgreifenser und emotioneller Start ist in der ganzen Welt einmalig. 2300 qualifizierte Extremathleten gehen anschliessend unter dem Jubel von tausenden von Zuschauern auf die Strecke - mit einer Runde durch Chamonix.

Jean Yves Rey - die grosse Schweizer Hoffnung. Sieger in der letztjährigen 98km Austragung des CCC - des kleineren Bruders des grossen Ultra Trails. "Sicher habe ich Ambitionen, doch warten wir mal ab." so Rey am Start.

Die Start Show ist riesig.So zog auch OK Chef Andrea Truffli vom Swiss Alpine Marathon, der als VIP als eingeladener Gast in Chamonix weilte, den Hut."Was ich am Start gesehen habe, ist beeindruckend! Welche Emotionen, welche Show!"

Auch dieses Jahr ist sie dabei. Lizzy Hawker aus England. Die zweimalige Siegerin des UMTB. Wiedersehen mit lieben Bekannten. Lizzy hatte heute erneut einen Wundertag. In St.Gervais lag sie bereits mehrere Minuten voraus.

Ganz Chamonix ist auf den Beinen. Jeder Balkon ist besetzt. Die Begeisterung unter der Bevölkerung kennt am UMTB keine Grenzen. Im ersten Balkon sehen Sie den französischen Sportminister. Dies zeigt den Stellenwert der Laufveranstaltung.

Emotionen pur beim abspielen der Schweizerischen-,Italienischen- und Französischen Nationalhymmnen.

Stimmung in St.Gervais. Da war die Welt noch in Ordnung. Die aufgeschnallte Stirnlampe ist Obligatorium. Sie hilft den Läufern sich auf dunklen Pfaden zurechtzufinden.

Stadthaus von St.Gervais. Die Gemeinde ist einer der ganz grossen Sponsoren des UMTB. Das herausgeputzte Städtchen darf sich auch sehen lassen.

Die Mutter des North Face Ultra Trails du Mont Blanc - Madame Catérine Poletti. Ehemalige Spitzensportlerin und Gründerin des UMTB - wie sie ist und wie sie für den UMTB lebt!

Verirrt? Die diesjährige Austragung stellte grosse Anforderungen an die Extremsportler. Hier unterhalb des Grand col Ferrets im Valle de Ferret auf ca. 1700m/ü.M. Sicht gleich Null. Wetter: Regen, kalt 7°, Terrain glitschig wie auf Eis.
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