Donnerstag, 24. Mai 2012, 06:18:39 Uhr

23. Juli 2010, 15:14

So etwas habe ich noch nie erlebt!

Schaut man in die Gruppe der 17 hochkarätigen Marathonläufer die alle vergnügt zwischen Training, Massage und Test sich auf dem Vorplatz des Hotels ausleben, würde man nie vermuten, dass hier über eine Million Euro für Startgelder ausgegeben werden müssten. Die höflichen, netten Jungs sind im Juli das Aushängeschild auf der Seiser Alm. Einer unter ihnen ist allerdings was besonderes. Olympiasieger Samuel Wanjiru, der in Peking als jüngster Olympiasieger über den Zielstrich lief, steht bescheiden unter ihnen. Nett grüsst er jeden Morgen, nett sagt er gute Nacht, dass jeden Abend. Für ihn ist das Treffen hier oben etwas spezielles. "So ein Gruppenerlebnis habe ich noch nie erlebt. Die Gemeinschaft, die Kameradschaft und die Freude am Laufen ist hier riesengross und wahnsinnig schön." Drei Wünsche hat er in seinem Leben, die für ihn wichtig sind.

Brüttisellen, 23.7.10 mk (mk) Samuel Wanjiru die Geschichte

Samuel Wanjiru kam 2003 nach Japan. Er wurde in Kenia von den Spähern ausgesucht und als grosses Talent befunden. Samuel meint aber:"Damals wusste ich noch nichts von meinem Talent, ich wunderte mich nur, dass ich bei den Auserwählten war". An der berühmten Sendai Ikuei Gakuen High School in Sendai machte er 2005 seinen Schulabschluss, alles in englischer Sprache. Und auch 2005 siegte er überraschend im Sendai Halbmarathon und am 26. August 2005 stellte er in Brüssel mit 26:41,75 den immer noch aktuellen Junioren Weltrekord im 10.000 Meter-Lauf auf. Im gleichen Herbst brach er bei Rotterdam-Halbmarathon mit 59:16, den sieben Jahre alten Weltrekord von Paul Tergat.

Ein Jahr später lief es allerdings nicht so rund und erst 2007 gings wieder aufwärts. Er gewann beim RAK-Halbmarathon mit 58:53 den Weltrekord zurück, der ihm Haile Gebrselassie ein Jahr zuvor mit 58:55 abgenommen hatte. Und gleich schlug er nochmals zu. Am 17.März 2007 lief er den City-Pier-City Loop in Den Haag Halbmarathon in 58:33 und verbesserte so seinen eigenen Weltrekord um weitere 18 Sekunden.

Er erkrankte an Malaria, diese Krankheit warf in weit zurück und er verzichtete auf den Start bei der WM 2007 und bei der Strassenlauf WM 2007 kam er lediglich auf den 51. Platz.

Im Dezember 2007 debütierte er auf der Marathonstrecke von Fukuoka in Japan und er stellte mit 2:06:39 einen neuen Streckenrekord auf. Beim London Marathon wurde er hinter Martin Lel einem weiteren Kenianer Zweiter in 2:05:24. Hier erhielt seine Karriere eine entscheidende Wende. Er wurde vom Kenianischen Leichtathletik Verband für Olympia 2008 aufgeboten.

Peking der bisherige Höhepunkt

Das Wetter war heiss, doch Samuel lief genau gleich das hohe Tempo seiner bisherigen Marathons. Bei Kilometer 37,3 schüttelte er seinen letzten Begleiter, den zweimaligen Weltmeister Jaouad Gharib ab. Er wurde in 2:06:32, erster Kenianischer Marathon Olympiasieger und unterbot den Olympischen Rekord um fast drei Minuten.

2009 folgten Streckenrekorde beim London-Marathon (2.05.10) und beim Chicago-Marathon (2:05:41). Er gewann auch die Weltbesten Wertung 2008/09.

Athletenangaben

Name Samuel Kamau Wanjiru
Land Kenia
Grösse 1,63m
Gewicht 52Kg
Trainer bis vor zwei Monaten: Koici Morishita (Silbermed.an den Olympischen Spielen 1992)

Trainer neu: Claudio Berdarelli Italien Schüler von Dr.Rosa und einer der weltbesten Lauftrainer der Gegenwart.

Interview Sport-heute.ch

Sport-heute.ch
Beschreiben Sie die Gefühle die sie hatten beim Zieleinlauf in Peking?

Samuel
Dass muss ich in zwei Teilen beantworten. Ich wusste schon am Start, heute bist du gut drauf, ja sehr gut. Ich denke aber dabei nie an den Sieg. Als ich ins Stadion lief löste sich der Gedankenkrampf nach der ersten Zielpassage, als ich auf die letzte Runde ging. Ich nahm aufeinmal die Menschen wahr und es waren nicht Wenige, den tosenden Applaus, die Zurufe, die Fahnen - ganz einfach - ich fühlte mich auf den letzten zweihundert Metern im absoluten Glück.

Sport-heute.ch
Hat sich Ihr Leben mit diesem Sieg verändert?

Samuel
Und wie! Alle wollten was von mir. Ich gab hunderte von Interwievs, war in dutzenden von Fernsehstationen und konnte ein paar Wochen kaum mehr schlafen.

Sport-heute.ch
Viele sprechen ja von ihrem Talent. Als sie vom Toyota Team nach Japan geholt wurden, sagten sie dass sie noch nichts vom Talent wusssten. Mittlerweile sind Jahre vergangen, können Sie uns erklären was der Unterschied von Ihnen zu den anderen Läufern ausmacht!

Samuel lacht

Talent! Ganz ehrlich, es muss Talent sein. Ich trainiere nicht anders, nicht mehr, nicht weniger und bin auch mal trainingsfaul. Vielleicht trainiere ich aber intensiver als andere.

Sport-heute.ch
Wie gefällt Ihnen das Leben in Europa?

Hier ist es sehr schön und angenehm. Ich lebe aber die grösste Zeit in Japan und dann in Kenia.

Sport-heute.ch
Was bedeutet ihnen laufen?

Samuel
Laufen muss ganz einfach Fun sein. Man muss die Lust in einem spüren.

Sport-heute.ch
Wie gefällt es Ihnen hier auf der Seiser Alm? Und wie fühlen sie sich in dieser Gruppe?

Samuel
Eine bezaubernde Gegend. Ich freue mich jedesmal am Morgen wenn ich erwache auf den Balkon zu gehen und in die Berge und die Weite der Hochalp zu schauen. Für mich ist dieses Gruppenerlebnis einzigartig. Ich habe noch nie in einer Gruppe im Trainingslager trainiert und zusammengelebt, gekocht, gespielt, die Freizeit verbracht. Dass ist eines meiner allerschönsten Erlebnisse.

Sport-heute.ch
Vor was haben sie am meisten Angst?

Samuel
Vor einer Verletzung. Ich leide mit jedem Athleten mit, wie jetzt gerade Robert (Mr. Chicago Robert Kipkoech)Er soll es bald wieder gut haben, so wie ich - mir geht es gut und mein Körper ist ok.

Sport-heute.ch
Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Samuel
Wenn ich in Kenia bin, dann fahre ich mit meinem grossen Subaru überall hin. Dass ist auch sozusagen mein Hobby.

Sport-heute.ch

Samuel, was für Ziele haben Sie noch?

Samuel
1. Den Weltrekord brechen.
2. Nochmals Olympiasieger werden.
3. Nach meiner aktiven Karriere möchte ich den Nachwuchs in Kenia trainieren.

Interwiev am 20.7.10 auf der Seiser Alm
Fotos Marcel und Andrea Krebs

Leserkommentare (0) »

Der Olympiasieger beim Berglauftest. 9,5km und 600m Höhendifferenz. Die Kehren hinauf zur Seiseralm Start 07.00 Uhr am Morgen.

Auslaufen am Abend. Auslaufen ist auslaufen. Jeder in seinem Tempo ca. 1 Stunde.

Marcel Krebs mit Samuel Wanjiru.

Der Olympiasieger mitten unter den Läufern. Solchen "Nahkontakt" gibts nur einmal im Jahr auf der Seiser Alm.

Unglaublich schön - laufen unter Freunden. Das mag ich!!