Mittwoch, 19. Juni 2013, 18:44:57 Uhr

01. Juli 2010, 09:50

Im Flower Power der Lenzerheide

Dass die diesjährige Austragung des Graubündenmarathons eine solche Aufwertung bekommen würde, überraschte nicht nur die meisten Läufer sondern auch das Publikum. Auf eine äusserst angenehme Art konnten die Sportler während der 3-4 Stunden Laufvergnügen durch wunderschöne Alpwiesen und schöne Bergwege, zum Schluss den neuen Marathonaufstieg zum 2323 m/ü.M hohen Piz Scalottas bewältigen. Glück im Unglück! Die Rothorn Bahn wird derzeit einer Revision unterzogen und so kam sein Bergbruder vis à vis zum Zuge.

Lenzerheide, 26.6.10 mk/ak (mk) Der Graubünden Marathon erfuhr bei der diesjährigen Austragung eine gewaltige Erneuerung. Dieser Austausch könnte bei den Sportlern "gravierende" Folgen hervorrufen. Die Strecke, die ab Punkt Lenzerheide statt aufs Rothorn, gleich rechts auf den Piz Scalottas verlegt wurde scheint zu Gefallen. Dieser neue Streckenteil wertet den Graubünden Marathon noch mehr auf und er ist in seiner Vielfalt an Alpwiesen, Alpenblumen und den herrlichen Alpwegen das Highlight der diesjährigen Austragung geworden. Läuferinnen und Läufer dürften auf dem beigelegten Merkblatt wohl diese Strecke als neue Wunschstrecke ankreuzen. Die Chancen stehen gut und der Marathon ist drauf und dran zum neuen Läufer El Dorado in den Bündneralpen zu werden.

Er gehört bereits zu den schönsten Läufen Europas, was per Zufall jetzt eine Streckenveränderung ausgelöst hat, ist unglaublich. Die Perfektion eines wunderbaren Berglaufes scheint gelungen.

Der Marathon

Bereits beim Start erwartete die Sportler diesmal nicht nasse Kälte sondern strahlender Sonnenschein. Die Stimmung war denn auch ausgelassen und fröhlich. Schnell sind die zwei Kilometer durch die älteste Alpenstadt Europas Chur, die schon vor über 3000 Jahren besiedelt war, zurückgelegt und es folgt der erste Teil weit ab vom grossen Verkehr in einzigartiger Talidylle hinauf Richtung Passugg. Bis kurz vor Churwalden sind die Läufer fernab der Strassen und haben dann bei der zweiten Begegnung mit dem Asphalt bereits 600 Höhenmeter zurückgelegt. Wer's gemütlicher nehmen will, der nimm hier aber nichtt den Bus sondern bedient sich des herrlichen Angebotes vom Verpflegungsstand.

Der Aufstieg zum 1753 Meter hohen Capätsch stellt dann gleich wieder anspruchsvolle Anforderungen, bevor über blühende Alpwiesen der Abstieg wieder nach Parpan erfolgt, wo die weltberühmte FIS Skiabfahrt ihr Ziel hat. Bis Lenzerheide auf knapp 1500 Meter über Meer ist es jetzt nicht mehr weit. Und dann beginnt der knallharte Aufstieg zum Ziel auf über 2300 m/ü.M.

Mit dem Glückstreffer auf den Piz Scalottas

Die Schönheit des Igl Lai, so wie das Seelein auf der Lenzerheide heisst ist überwältigend. Die schönsten Blumenwiesen in freier Natur die sich selber gestaltet haben und die Bächlein die überall in den See hinein-fliessen, lassen Lenzerheide und Co. wie ein kleines Zauberland aussehen. Hier müsste mal die Beine für ein paar Tage ausruhen dürfen. Das Herz würde jubeln und mit Bestimmtheit anschliessend wieder auf Hochtouren laufen.

Der Aufstieg beginnt - die Freiheit ruft

Jetzt gilts ernst! Von hier an sind rund 850 Höhenmeter zu bewältigen. Diese letzten 11 Kilometer des Marathons fordern nun alle ab und geben gleichzeitig viel zurück! Nach dem See gehts wieder bergauf um auf die Zwischen-station der Alp Nova auf über 1980 m zu gelangen. Der Streckenteil berührt hier ganz aussergewöhnliche Natur in einer Bergwelt die seinesgleichen sucht.

Was jezt folgt ist wie am Marterpfahl

Auf den letzten beiden Kilometer haben die zähen Burschen und Mädels noch gut 300 Höhenmeter zurückzulegen und wer bis hierher noch nicht wie ein Bergwanderer gegangen ist, der wird es unweigerlich gleich tun. Hier darf geschwitzt und geflucht und gelitten werden. Man kann beruhigt sein, es hört es Niemand. Mit dem Ziel des naheliegenden Pis Scaletta vor Augen wird noch in einer Schleife um den Berg gekurvt und gleich kann jeder unter den Jubelschreien eines ansehlichen Zielpublikums übers Zielband einlaufen.

Geschafft und viel Gewonnen

Auch wer nicht unter den Ersten anzutreffen ist, hat am Samstag viel gewonnen. Die Aussicht hier oben auf den Piz Scalottas ist toll. Thusis auf der anderen Talseite liegt weit unten. Wie aus einem Flugzeug sieht alles von hier oben aus. Da stört es einem auch nicht, dass ein Engländer als Erster oben ankam. Jetzt ein Bier und dann nochmals geniessen.

Der Engländer mit dem Namen Short, Timothy Short!

Er ist kein unbekannter. Short hat schon zweimal den LGT Marathon in Liechtenstein gewonnen, den Winterthur Marathon, war Vierter am Jungfraumarathon und erzielte Spitzenresultate in vielen anderen Läufen. Short gelang sozusagen ein Start-Zielsieg. Der in London lebende Kaderbanker, fliegt extra für die Marathons im schönen Switzerland wie er sagt am Wochenende in die Schweiz und dies in der Laufsaison ziemlich jedes Wochenende.

Der mir nicht Unbekannte Sieger erzählte mir am Start, wieso wir ihn seit ein paar Monaten nicht mehr gesehen haben. Er sei letzten Herbst beim Mountainbikefahren in den Bergen schwer gestürzt und habe die Beine und Arme gebrochen! Schrauben seien nötig gewesen um alles wieder zusammenzuhalten und sein Training habe er vor ein paar Wochen erst, regelmässig aufnehmen können.

Für seinen körperlichen Zustand lief er trotzdem wie ein Wiesel den Berg hoch. "Im oberen Teil, den letzten beiden Kilometern musste ich gehen! - Nicht lange, aber es war extrem steil." meinte Short. Für die Aussicht hatte der Engländer nur ein Whooooooooooooooo! parat und wünschte sich, in seinem Londoner Büro einen solchen Ausblick zu haben! Der 29-Jährige Engländer siegte mit knapp fünf Minuten Vorsprung vor dem ehemaligen Ski-Eliteläufer Gian-Andrea Bundi und dem bekannten Bergläufer Michael Barz aus Deutschland.

Marcel Krebs

Fotos Andrea und Marcel Krebs

Overall Marathon Männer 278 Klassierte

1. Short Timothy, 1981, GB-London 3:24.58,1 (5)
2. Bundi Gion-Andrea, 1976, Davos Frauenkirch 3:29.02,1 (2)
3. Barz Michael, 1973, D-Durach 3:31.35,9 (1)

Overall Marathon Frauen 65 Klassierte

1. Meneghin-Pliska Maja, 1978, Vermes 3:59.14,1 (586)
2. Zimmermann Denise, 1975, Mels 4:11.21,3 (573)
3. Dalcolmo Jeanette, 1967, Dürnten 4:19.53,2 (520)

Gesamte Rangliste

Leserkommentare (2) »

Timothy Short mit dem Zweiten Gion Andrea Bundi.

 

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