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16. Juni 2010, 23:32
Für das Herz, die Bedürftigen und die Kinder!
Pater Tobias rennt am Biler 100km Lauf
Pater Tobias aus Duisburg sammelt Kilometer und Geld für die Armen und Bedürftigen. Diesmal hatte er sich was ganz besonderes ausgedacht. Die Sponsoren sollten zittern, ja, er will sie das Fürchten lernen. Mit dem Start am "Hunderter" in Biel, sprengt er sozusagen alle Ketten. Die Armut in der Gemeinde des Paters wächst und wächst. Viele Menschen können sich dem drohenden Aus, aus der Gesellschaft nicht mehr wehren. Darum musste es diesmal was ganz spezielles sein. Etwas, dass die Menschen aufhorchen lässt. Die grosse Frage stellt sich trotzdem, für was tut sich der ehrenwerte Pater Tobias das an? Es gibt doch gemütlichere Stadtläufe, Sammelzirkel und dergleichenn. Warum geht er gerade nach Biel? Sozusagen in die Hölle der Ultramarathons? Wieso? Doch Pater Tobias will mit seiner Leistung den Menschen sagen: „Seht, mit etwas Ungewöhnlichem, Besonderem können wir gemeinsam den armen Menschen helfen. Wir können den armen Kindern jeden Tag eine feine Mahlzeit servieren. Wir, dass sind Du und Ich, den gemeinsam sind wir stark!“ Nur durch etwas Ausser-gewöhnliches können wir auf Leiden aufmerksam machen. Sei dies nun in Duisburg, hier oder anderswo.
Biel, 12.6.2010 (mk) Mit der Teilnahme an den beschwerlichen 100 Kilometern von Biel sollten sich die Kassen wieder füllen, denn die Armut wächst und es ist höchste Zeit sie zu stoppen. Jeder Kilometer zählt im Spendenbuch des Paters.
Das Experiment „Wahnsinn“+ ist in Biel nun auch voll gelungen. Pater Tobias hat die harten 100 Kilometer rund um Biel mitten in der Nacht mit Bravour gemeistert. Unter 1023 klassierten Läufern hat er den 503. Rang belegt. Seine Zeit von 12:26.42,6 ist hervorragend. Doch so einfach wie es aussieht, war es dennoch nicht. Leiden und immer wieder nach vorne schauen, sich über das Geleistete freuen, aber bereits die nächsten beschwerlichen Kilometer im Kopf zu haben, so hat sich Pater Tobias Kilometer um Kilometer durch das Bieler Seeland gekämpft. Am Schluss blieben ein freudestrahlender Pater, 1 grosse Blater am rechten Fuss und vor allem schreckliche Krämpfe in den Beinen, den Armen und überhaupt am gesamten Körper. Die Strapazen am „Bieler“, wie er überall genannt wird sind fürchterlich, ja brutal. Dass zeigt sich besonders nach fünf Uhr, wenn die Ersten das Zielband überquert haben. Nach und nach, füllt sich das Bieler „Rekonvaleszenz Gelände“ beim Bieler Eisstadion mit strapazierten Läufern.
Ist hier ein Spital, fragt verwundert ein Tourist
Hier hat man eher den Eindruck im Lazarett zu sein. Hier heisst es ganz einfach: „Alles hinkt und alles lacht!“ Die grösste Beschwerden hat man nach dem
Lauf wo man sich endlich für ein Bier niedersetzt: „Wie kann ich als gefolterter Läufer wieder aufstehen??“ Die über 2500 Laufverrückten die dieses Jahr in den verschiedenen Kategorien mitgemacht haben, zeigen mit Stolz ihre Medaille. Sie dürfen auch stolz sein, ihre Leistung ist gross und aussergewöhnlich. Wer als Begleiter oder Zuschauer dabei war, weiss, wovon und worüber die Läufer erzählen.
Der Mythos des Hunderter von Biel
Das eindrückliche Ereignis beginnt in Biel bereits vor dem Start. Wenn nach neun langsam der Himmel am Jura Nordfuss dunkler wird, der einzigartige Glanz des vorher strahlenden Blaus am Himmel, in ein dunkles blaugrünes und oranges Farbenlicht übergeht, versammeln sich die „Verrückten“ wie sie liebevoll in der Uhrenstadt Biel genannt werden im Startgelände. Es kommt da und dort zu einem Schwatz, zu einer herzlichen Begrüssung und zum Austausch der Neuigkeiten aus dem Läufer-Umfeld. In dunkler Nacht stehen sie dann um halb zehn auf einmal dichtgedrängt auf dem Startplatz. Es wird gelacht, diskutiert und vor allem freut man sich auf den Lauf durch die Nacht. Für einen Aussennstehenden schlicht unverständlich. Wer ist schon einmal in stockfinsterer Nacht alleine neben einem Fluss auf schmalen kaum einem Meter breiten Feldweg gerannt?
Biel ist ein Erlebnis
Biel ist und bleibt ein Erlebnis für jeden Läufer und jede Läuferin. Wer es einmal gewagt hat in Biel an den Start zu gehen, der kommt immer wieder. Der Bieler 100km Lauf, lässt einem nie mehr los. Unvergessen werden die Stunden bleiben, egal wie viele es am Schluss werden. Darauf kommt es beim Bieler überhaupt nicht an. Durchhalten, kämpfen, im Miteinander und im Füreinander stehen als Werte im Vordergrund. Auch wenn es einem noch so schwer läuft, hat man immer ein Auge auf den mitlaufenden Laufnachbar. Biel ist sogenannte läuferische Nächstenliebe. Ich für Dich – Du für mich, oder ähnlich. Auch wer unterwegs aussteigt, aufgibt oder einfach nicht mehr kann, ist glücklich. Er hat seinen Körper zur Höchstleistung gebracht, weiss jetzt, was überhaupt für ihn drinn liegt. Die Nacht der Nächte wird mit Sicherheit bei jedem Teilnehmer etwas besonderes bleiben, als Erinnerung, als sei der Hunderter erst gestern gewesen.
Marcel Krebs
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Leserkommentare (3) »

Pater Tobias rennt...* Er war nervös vor dem Start und wie! Wo ist dies, wo ist das, wo ist Frank? Frank ist sein Begleiter auf dem Fahrrad. Hab ich dies, hab ich das? Die Spannung steigt! Noch fünfzehn Minuten bis die nächtliche Laufreise, ja die Tortour des "Hunderter" beginnt. Der Startraum füllt sich. „Nee, ich will nicht zu weit vorne starten. Die Laufen wie die Feuerwehr los.“ Meint Pater Tobias. Tobias schaut gegen den Nachthimmel, Richtung Jura, Richtung Bielersee über dem noch ein schwaches Blau zu sehen ist. Die Wetteraussichten sind gut, scheinen ideal zu sein. Vielleicht gegen den Morgen gibt es leichter Regen. Doch spätestens um acht soll wieder die Sonne scheinen. Noch fünf Minuten bis zum Start. Die Spannung steigt. Tobias Körper ist angespannt. Sein Gesichtsausdruck nach aussen ist aber ruhig, innerlich scheints zu kochen als sei er schon 5o km gelaufen. Noch zwei Minuten – ich mach mich auf die Socken um vor dem Startenden Feld noch ein Foto zu machen...und sehe erstmals von vorne auf tausende glückliche, mit grosser Erwartung stehende Läuferinnen und Läufer. Ein ganz dunkles, letztes Blau liegt über Biel. Die Strassenlaternen leuchten ein dämpfendes beruhigendes Licht über das grosse Starterfeld. Vorne stehen die American Footballer der Bienna Jets, die als erste losrennen um gleich vor der Verkehrsinsel als Stosspuffer zu stehen. Und dann.... Neun,Acht, Sieben,Sechs, Fünf, Vier, Drei, Zwei, Eins und ein fürchterlich lauter Kanonenschuss. Jetzt bist du wach für die Nacht, schiesst es mir durch den Kopf. Schnell abdrücken, sie rennen. Doch nur die ersten zwanzig,dreissig können sich völlig frei bewegen. Auf der schmalen Startstrasse wird es noch eine Weile dauern, bis jeder rennt. Tobias nimmt es gemütlich.

Und Tobias rennt....****** Als Marathonreporter unterwegs hat man so seine Gewohnheiten. Man will ja Bilder, die andere nicht haben, will was schreiben, was andere nicht gesehen und nicht gehört haben. Unsere Route verläuft dann auch ein bisschen anders als die der Meisten. Schleichwege, Berechnungszeiten etc. wurden Wochen vorher auskundschaftet. Die Innenfront, das Cockpit unseres Autos ist mit Zetteln und Tabellen ausgestattet. Landkarten mit eingezeichneten Wegen liegen bereit. So war unsere erste Station bei km 10. Das aussergewöhnliche Vorhaben war auch für uns was Besonderes. Immer wieder stellten wir uns die Frage, wie kann dieser Mann Gottes so rennen. Wir trauten der Sache noch nicht so recht. 100Km und ausgerechnet Biel? Doch das Gesicht meiner Fahrerin, meiner ständigen treuen Begleiterin und Ehefrau Andrea und auch mein Gemüt, hellten sich bald auf. Dazu schwänzelte mein Bless Larry vergnüglich. Dass es so viele Spaziergänge werden würden, dass hätte er allerdings auch nicht gedacht. Stockfinster war es hier draussen im Seeland zwischen Biel und Aarberg. Jens hiess der Ort. Ein kleines Nest mit zwei Strassenlaternen, wobei die eine noch wild flackerte und die Nervosität noch mehr vorantrieb. Wäre nicht das Gasthaus mit dem grossen Biergarten gewesen, wo viele Menschen sassen und auf die Läufer warteten, hätte man geglaubt man sei mitten in der unheimlichen Nacht der Geister mit ihren Verbündeten. Ganz einfach wie im Film – in einem Thriller oder gar in einem Geisterfilm. Nie könnte ich so alleine durch die Nacht rennen. Ich müsste mich immer wieder umschauen. Die ersten Läufer, die Spitze kam jetzt angerannt. Dass Ziel ist doch nicht da vorne! Hopp, Hopp! Klatschen, Bewunderung und Erstaunen. So schnell können die meisten nicht mal zwanzig Meter rennen, so wie die Stars des Hunderters vorbei rennen. Bereits nach 10 Kilometern war das Feld weit auseinander gerissen. Tobias, wo ist Tobias? Und dann, er kommt! Hier noch ohne Begleiter, denn die dürfen erst ab Lyss mitradeln. Frohgelaunt, als sei er auf dem Weg zur Predigt winkt und grüsst er. In diesem Augenblick wusste ich, er schafft es. Wer so mit Ueberzeugung rennt.....

Und Tobias rennt....***** Aarberg Verpflegungsposten Kilometer 21,5 Halbmarathondistanz. Stockfinstere Nacht, immer wieder ein paar Regentropfen – aber nicht mehr. Ich warte und er kommt! „Bei mir läufts rund. Ich bin ja viel zu schnell. 1:42. und ein paar zerquetschte Sekunden - sagt Pater Tobias. Unglaublich. Pater Tobias rennt wie ein Verrückter. Er lacht, er strahlt und er ist zum Laufen aufgelegt. Schnell ein Becher Wasser ein Getränk und weiter.... hinaus in die dunkle Nacht. Fort war er.

Und Tobias rennt......****** Der nächste Streckenteil ist für uns nicht passierbar. Was jetzt folgt ist pure Verzweiflung. Finsterer kann es nicht mehr werden. Auf dem Ho-Chi Minh Pfad durch's Kernenried von Jegenstorf nach Kirchberg von Km 50 zu Km 55, ist ein besonderes Erlebnis. Finsterer ist es dieses Jahr, weil auch der Vollmond fehlt. Unheimlich, wo lauern die Gefahren? Überall! Sogar in den eigenen Reihen! Davon erfahren wir aber erst am Ende des Pfades in Kirchberg. Wo bleibt Tobias? Wir warten. Dann kommt er angerannt. Hast Du Frank gesehen? Ich habe ihn seit km 42 nicht mehr gesehen. Er hat mein ganzes Hab und Gut dabei, meine Verpflegungsstengel, einfach alles. Verzweifelt schaut Pater Tobias in die Nacht hinaus. Der Ho-Chi Minh Pfad scheint ihn ein bisschen aus der Fassung gebracht zu haben. Ich lasse ihn verschnaufen, gehe bis dort wo nur noch Dunkelheit herrscht. Nach einigen Minuten kommt ein ganz aufgeregter Frank, haben Sie Pater Tobias gesehen, ich suche ihn seit Stunden. Pater Tobias ist aufgebracht....."Wo kommen Sie her Frank? Sie sollten doch auf mich aufpassen! Und nicht ich auf Sie!!" Frank nimmt die Schelte mit einigen Ausreden auf sich, murmelt dann aber zu mir „In der Nacht sind doch alle Katzen grau!“ Dies müsste er doch auch wissen. Ein Lachen kann ich mir nicht verkneifen. Mittlerweile, nach dem kleinen Disput unter Männern, haben sich die beiden wieder gefunden. "Aber trotzdem soll er nicht Millimeter genau hinter mir herfahren." Sagt Pater Tobias. "Ich brauche meineFreiheit, muss meinen Gedanken freien Lauf lassen können ohne dass mich ständig einer berät." Frank kramt die so gesuchten Stengel hervor, Pater Tobias geniesst es diese Stengel zu verzehren. Das schwierige nachfolgend Stück Strecke verläuft auf dem Flussdamm der Emme. Die Emme ist in den Geschichtsbüchern als wilder unberechenbarer Fluss verzeichnet und auch heute noch gehört die Emme zu den natürlichen Ungetümen im Gebiet. Um diese Jahreszeit ist die Emme aber sehr harmlos. Für die Fahrräder herrscht aber wegen des schmalen Pfades auf dem Damm vollumfängliches Fahrverbot.

Pater Tobias und Frank.

Und Tobias rennt.... Mittlerweile ist es gegen vier Uhr Morgens Pater Tobias hat eine relativ ruhige Strecke vor sich – sein Fahrer muss einen Umweg über die Landesstrasse machen und dann wieder weiter unten nach zehn Kilometern mitten im Wald, auf seinen Läufer warten. Wird er sein Ziel finden? Nach diesem El Dorado zwischen Jegensdorf und Burgdorf? Er hat es schlussendlich vor uns gefunden, denn wir haben uns mit dem Auto verfahren. „In der Nacht sind eben alle Katzen grau!“ Als wir mitten im finsteren Wald bei der Wartestelle eintreffen, ist Frank bereits da. Er meint nur:“Kann ja jedem mal passieren! Hat er getobt - der Pater, fragt er?“ Und bald schon kommt Pater Tobias angerannt. Kilometer 65 – gute körperliche Verfassung, mental scheint er bei diesem Streckenabschnitt gelitten zu haben. Auch ist hier sein leichtes ungregelmässiges laufen zu sehen – schafft er es trotzdem? Kommt jetzt der Hammer? So wie es im Läuferjargon heisst? Tobias klagt aber nicht. Das nächste Stück des Laufes verlangt ihm dann doch alles ab. Es folgt ein zwei Kilometer langer Aufstieg, der es ganz einfach in sich hat. Er verlangt den Athleten alles ab. Pater Tobias wirkt jetzt nicht mehr so frisch. Ist ja auch verständlich, wir stehen bei Kilometer 75. Noch 25Kilometer bis ins Ziel. Von Kilometer zu Kilometer zeichnet sich ein anderes Bild von Pater Tobias ab. Frische Läufer sehen eben anders aus! Tobias kämpft, beisst auf die Zähne, muss immer wieder seinen Lauf unterbrechen, marschiert, läuft, marschiert........

Ein Schluck aus der Flasche! Frank ist immer da!!

Ein unzertrennliches Gespann Pater Tobias und Begleiter Frank.

Pater Tobias rennt..... Langsam beginnen die Beine zu schmerzen. Hier bei der Brücke beim Nidau-Büren-Kanal vor Büren an der Aare. Km 82. "Es tut weh!" Pater Tobias leidet.

Und Pater Tobias rennt.....******* Noch sechs Kilometer bis ins Ziel, davon einer bergauf, Tobias kommt, abgekämpft, beisst auf die Zähne, man sieht es – er muss sich quälen, was denkt er? Andere Läufer kämpfen in dieser Situation mit dem sogenannten „inneren Schweinehund“ Kennt Pater Tobias diesen auch? Nur noch fünf Kilometer, er schaut mich an, was? Kann nicht sein, eben waren es noch dreizehn. (Habe ihm versehentlich in Büren eine falsche Kilometerzahl genannt.) Die letzten fünf Kilometer waren auch für Pater Tobias schlimm, er hat nochmals viel Zeit verloren, aber nicht nur er – alle die in der ersten Hälfte des Feldes laufen, bewegen sich im Zeitlupentempo den Hill hinauf. Sie bleiben immer wieder stehen. Gesprochen wird kaum noch. Und doch gibt es muntere Athleten, die über ihre Leistung selber erstaunt sind, sie lachen und freuen sich. Ob es pure Verwzeiflung oder Wirklichkeit ist, dass lässt sich nur schwer von ihnen erfahren.
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