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23. Mai 2010, 11:27
BÄRN I HA DI GÄRN
Wenn über 25000 Laufbegeisterte die gleiche Idee haben
Was ist die Motivation, der Kick, die über 25000 Laufbegeisterte an der grössten Laufveranstaltung der Schweiz an den Start bringt? Das Phänomen GP Bern ist ungeheuer gross und spukt durch die meisten Köpfe der Schweizer Laufszene. Die Faszination durch Tausende, ja Zehntausende von Zuschauermassen hindurchzurennen und den tosenden Anfeuerungsapplaus entgegenzunehmen ist gross. Doch das Phänomen GP Bern ist desswegen noch nicht ergründet. Wer aber in die Gesichter der Läuferinnen und Läufer schaut der weiss, es gibt nichts schöneres als die "angeblich" schönsten 10 Meilen der Welt. Bern ist umwerfend und wohl die Sportstadt wo dies überhaupt möglich ist.
Bern, 22.5.2010 (mk) Das Rätsel Röthlin - Viktor Röthlin wurde heute nur 12. Er hätte Beine wie Blei gehabt und....sein Tag sei es auch nicht gewesen.
Viktor Röthlin im Interview
Eigentlich wollte ich mich heute entscheiden, ob ich nach Barcelona fahre oder nicht. So muss ich betreffend meiner heutigen Leistung die Journalisten weiterhin im Ungewissen lassen, ob ich gehe oder nicht. Ganz ehrlich - es war heute nicht mein Tag. Bei Kilometer 5, bekam ich Blei in den Beinen und dieses Blei, trug ich bis zum Schluss mit. Anscheinend ist meine Form noch nicht so gut, wie ich mir das gerne vorgestellt habe. Hätte ich mich heute entscheiden müssen, so hätte ich ganz unweigerlich nein gesagt. So stehen die Chancen 50:50. Am Start war ein Gerangel und ich liess dann die Läufer laufen. Ich spreche ja sonst immer von meinem sechsten Gang. Heute habe ich nicht mal den fünften gefunden. Ich bewege mich auch auf einem sehr schmalen Grat. Der Aargauer Stalden war heute eine reine Tortour - im allgemeinen fliege ich diese Steigung hinauf. Ich habe ganz einfach noch nicht die Stabilität, die nötig ist - um vorne zu bestehen. Ich wollte heute eine Entscheidung fällen. Nun muss und will ich mir noch Zeit lassen. Das Gute an der Sache ist, dass mein Fuss hält. Ich hatte keinerlei Beschwerden damit. Nächste Woche fahre ich mit meinem Trainingspartner nach St.Moritz und wir werden nochmals hart, ja sehr hart trainieren.
Eins Sieger der nicht siegen wollte
Daniel Chebii aus Kenia wollte heute eigentlich überhaupt nicht siegen. Nich im Geringsten hätte er daran gedacht. Der aus dem Laufmekka Kenias El Doral kommende Läufer ist gelernter Pacemaker und steht in Diensten der besten deutschen Marathonläufer, die er im Moment auf die kommende EM in Barcelona vorbereitet. Die schnellen 2.40 auf dem ersten Kilometer überzeugten ihn aber nicht, er sah sich bereits wieder in seiner Statistenrolle. Doch irgendwann habe es ihn gepackt, doch mal zu schauen, wie das mit Tempomachen sei. Es sei ihm immer besser gelaufen und so forcierte er auf der zweiten Hälfte eigentlich gegen seinen Willen. Die fünfköpfige Spitzengruppe lief gut und auf den letzten Kilometern sei ihm seine grosse Erfahrung als Tempomacher zur Hilfe gekommen. Ich legte einfach nochmal zu und wusste auf einmal: "Hey heute kannst du sogar gewinnen!" Er distanzierte zum Schluss noch seinen letzten Begleiter den ehemaligen Junioren-Europameister im Cross, Vasyl Matviychuk aus der Ukraine um über 20 Sekunden. Der Drittplatzierte Simon Tesfaye aus Eritraea zeigte auch heute, dass er zu den Besten gehört.
Frauenpower durch die Ungarin Aniko Kalovics
Zum Zweitenmal hat Aniko Kalovics den GP von Bern gewonnen. Die Zeit nach einem Kilometer war mit 3.12 recht schnell. Beim Zytglogge Turm hätte sie die Spitze gesprengt. Der scharfe Wind habe sie aber nicht behindert. Ihre Form stimme. Wie alle anderen Spitzenläuferinnen werde sie die letzten Wochen vor Barcelona im Engadin verbringen. Sie werde in Barcelona über 5000m starten. Vorher sei aber noch der Start am Berner Frauenlauf sicher.
Maya Neuenschwander rechtzeitig in Form
"Durch den Verzicht meiner beiden schärfsten Konkurrentinnen, die verletzt sind, musste ich nochmal meinen Zeitplan für den GP umstellen. Ich fand aber nach der Tempoverschärfung von Kalovic im Lauf hinunter an die Aare sofort meinen Schritt und konnte meinen dritten Platz halten. Am Schluss überholte mich noch mitten im Stalden die Ukrainerin Tetiana Mezentseva, mein Wille unbedingt aufs Podest zu laufen, mobilisierte in mir aber ungeahnte Sprinterkräfte." Wichtiger als ihr 3. Platz ist aber, dass sie die starke Läuferinn aus England, Michelle Ross-Cope geschlagen hat. Ross ist ihre unmittelbare Gegnerin in Barcelona am Marathon.
Ab ins Engadin
Neuenschwander wird nächste Woche ebenfalls ihr hartes Höhentrainingslager in St.Moritz beginnen. Zwischendurch wird sie in Chiavenna ein Spezialtraining machen.
Wie durchs Zauberland auf wunderbaren Händen getragen
Wer durch die Gassen der Berner Altstadt "secklet" so der bernerische Ausdruck für rennen, merkt kaum, dass ihn seine Füsse schmerzen, sein Rücken sticht und evtl. erste Blattern an den Füssen ihr Unwesen treiben. Der Publikumsaufmarsch ist riesig, Bern rennt - Bern lacht und mit ihm gegen 70000 Menschen links und rechts der Strasse. Das unbeschreibliche Gefühl, durch diese Menschengassen zu rennen ist wundervoll und entschädigt für all die Strapazen, die es gebraucht hat beim Training. Der Mythos des GP Bern und des Altstadt Laufes liegt wie ein Zauberschleier über der Stadt. Wenn so viele Menschen einem zujubeln ist dies einfach der Kick, der einem glücklich macht.
Wenn über 25.000 Läuferinnen und Läufer ja sagen zum Laufweekend des GP Bern, dann muss was drann sein. Und begibt man sich in den Zielraum, sieht man nur glückliche Gesichter. Wo ist die Anstrengung geblieben? Hier zu "seckle" ischt sgröscht wos git!" hört man immer wieder. Der Mythos des GP Bern lebt und sitzt tief in den Herzen des Laufvolkes.
FORTSETZUNG UND MEHR FOTOS FOLGEN......
Resultate
Resultate Grand-Prix von Bern Männer
1. Daniel Chebii (KEN) 48:52,4
2. Vasyl Matviychuk (UKR) 49:12,5
3. Simon Tesfaye (ERI) 49:12,5
Resultate Grand-Prix von Bern Frauen
1. Aniko Kalovics (HUN) 56:02,4
2. Tabita Gichia (KEN) 57:48,3
3. Maja Neuenschwander, STBern 58:10,3
Resultate Altstadt Grand-Prix Männer
1. Jerôme Schaffner, FSG Bassecourt 13:44,5
2. Christian Belz, STBern 13:52,1
3. Rolf Rüfenacht, TSV Düdingen 13:55,2
Resultate Altstadt Grand-Prix Frauen
1. Mirja Jenni, TVLänggasse 15:39,2
2. Céline Hauert, TVLänggasse 16:18,4
3. Christina Carruzzo, ASICSteam 16:21,2
Alle Resultate
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Läufer so weit das Auge schaut - 25500 an der Zahl.

Daniel Chebli aus Kenia gewinnt den GP von Bern überlegen.

Aniko Kalovics aus Ungarn gewinnt nach 2004 zum zweitenmal den GP von Bern in einer Zeit von 56:02.4.

Maya Neuenschwander die grosse Überraschung aus der Schweiz auf dem dritten Podestrang.

Hatte beim Kilometer 5 Beine aus Blei und die blieben so bis zum Schluss.

Der GP Bern - Phänomen und schlicht der Lauf für 25500 Läufer.


Der GP Bern verbindet Völker.

Einmalige Kulisse in der Altstadt von Bern.

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