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20. April 2010, 22:57

Tobias rennt!

100 Kilometer - ein Mann Gottes läuft für einen guten Zweck

Waldlauf, Volkslauf, Halbmarathon, Marathon – viele dieser Begriffe geistern durch unsere Köpfe und jeder weiß, was sie bedeuten. Gerade der Marathonlauf erlebte in den letzten Jahren absolute Höhepunkte, was die steigende Zahl der Laufbegeisterten ebenso wie das ansteigende Lebensalter der Teilnehmer deutlich belegt. Auch mit 70 Jahren kann man noch mitmachen - wenn der Körper mitmacht. Inzwischen tummeln sich auf überregionalen Laufevents tausende „Marathonis”, um die etwas mehr als 42 Kilometer zu bewältigen. Nicht jeder schafft es auf Anhieb, und immer wieder überschätzen sich einige der Teilnehmer. Der Wille allein kann Berge versetzen, aber um einen Marathon zu bewältigen bedarf es einer guten Vorbereitung - sowohl aus medizinischer als auch ernährungstechnischer Sicht. Ganz zu schweigen von der Wahl der richtigen Ausrüstung und einer Menge Selbstdisziplin. Der Ultra-Marathon ist 100 Kilometer lang und die absolute Königsdisziplin der Branche. Wie bereitet sich ein Läufer darauf vor? (Text und Fotos einszweidrei)

20.4.2010 Brüttisellen (mk) Den Bieler 100 Kilometer schaffen!

Der Chorherr Pater Tobias begann 2006 mit dem Marathonlauf. Auf die Frage nach seinen Beweggründen schmunzelt er: „Als Managementtrainer muss ich Vorbildfunktion haben. Nur so bleibe ich als Trainer und Dozent glaubhaft, wenn ich meinen Seminaren dazu rate, Sport zu treiben und gesund zu leben.” Der Prämonstratenser Chorherr ist Kämmerer der Abtei Hamborn in Duisburg und gleichzeitig Pastor der Gemeinde Herz-Jesu in Duisburg-Neumühl. Der studierte Theologe ließ sich 2006 zum Journalisten ausbilden, ist u.a. Chefredakteur und Herausgeber des Magazins VorSicht, Mitglied im Rotary Club, Berater für den BKU sowie seit drei Jahren Geschäftsführer der von der Deichmann-Stiftung geförderten Projekt-Lebenswert gGmbH. Hier entstand erstmals die Idee, für einen guten Zweck zu laufen und für jeden Marathon einen oder mehrere Sponsoren zu finden. Jetzt ist jeder Lauf auch gleichzeitig ein Spendenlauf. In diesem Jahr hat sich Tobias ein noch größeres Ziel ge- steckt: Er will den 100 Kilometer Ultra-Marathon am 11. Juni im schweizerischen Biel schaffen.

Das Problem
Die Stadt Duisburg hat viele unschöne Gesichter. Man kann sich den Strukturwandel im Ruhrgebiet noch so schön reden und die Wiederbelebung alter Industriebrachen als Kulturstädten noch so hoch loben – hinter den Fassaden in den Wohnvierteln der Arbeiter sehen die Dinge lange nicht so rosig aus. Es herrscht Arbeits- und Perspektivlosigkeit, ganze Familien sind seit Generationen Hartz 4 Empfänger und haben keine Chance wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu kommen. Vor allem die Kinder in diesen Familien leiden unter Chancenlosigkeit und unter dem Gefühl, einfach allein gelassen zu werden. „Das Projekt-Lebenswert mit seinem Büro in Duisburg Hamborn will hier an Ort und Stelle praktische Hilfe leisten.

Das geht nur mit Spenden. Deshalb hatte ich die Idee, durch meine Läufe auf dieses Projekt aufmerksam zu machen”, sagt Pater Tobias. „Die große und spontane Spendenbereitschaft nach den ersten Marathonläufen hat mich erstaunt und total gefreut.” Inzwischen hat sich dieses Engagement herumge sprochen und die Presse nennt ihn den Pater, der „laufend Geld sammelt”. Pater Tobias

Sport-heute.ch wird Pater Tobias anlässlich des 100km Ultra Marathons in Biel mit zwei Reportern begleiten. Die spannende Geschichte erscheint auf Sport-heute.ch - Die Redaktion

Leserkommentare (3) »

Der Arzt **Er ist Marathonläufer, Bergsteiger, Paraglider – Dr. med. Markus Becker ist Extremsportler und immer auf der Suche nach seinen eigenen physischen Grenzen. „Nicht immer zur Freude meiner eigenen Familie”, erzählt der eher zier- lich wirkende Mann, dessen Alter schwer zu schätzen ist. Kein Wunder also, dass über 50 Marathonläufer und weitere Leistungssportler aus anderen Disziplinen seinen fach- kundigen Rat als Sportarzt suchen. Pater Tobias ist hier seit drei Jahren ein regelmäßiger Gast. Heute wird Blut abgenommen. „Man sollte sich mindestens drei Monate vor dem Lauf ärztlich durchchecken lassen. Vor allem die Eisen- und Magnesium-Werte müssen kontrolliert und eingestellt werden”, erläutert Becker. „Eisenmangel und Defizite an Kohlehydraten sind die häufigsten Probleme bei Marathon-läufern. Wir testen natürlich auch noch die Belastbarkeit des Herz-Kreislauf-Systems, das Lungenvolumen und klären auch orthopädische Probleme. Denn irgendwann einmal kommt bei jedem der Punkt, an dem es nicht mehr geht.” Gemeint sind Gelenkschmerzen, die eine natürliche natürliche Folge unseres Alterungsprozesses und der Abnutzung der Gelenke sind. „Aus diesem Grund laufen die meisten älteren Läufer und Läuferinnen nur noch die 10 Kilometer Strecken. Es macht gar keinen Sinn, sich mit Schmerzmitteln voll zupumpen, um die langen Distanzen zu laufen”, so Becker.

Die richtigen Laufschuhe spielen bei der Gesunderhaltung des Bewegungsapparates, gerade bei Langstreckenläufern, die größte Rolle. „Schuhe sind wie Messer und Gabel des Läufers”,erläutert Dr. Becker. „Ich habe drei Regeln, die man sich merken sollte: keinen Schuh länger als 600 Kilo- meter laufen, mindestens drei Paare benutzen und diese täglich wechseln, und sich auf wenige Schuhmarken redu- zieren.” Inzwischen bieten alle rennomierten Laufschuh-hersteller ihre eigenen patentierten Dämpfungssysteme an, die man selber testen sollte. „Die wenigsten Läufer haben eine guten Laufstil.

Die meisten laufen eher unschön und unrund, schmeißen ihre Füße, Knie und Schenkel kreuz und quer über die Straße. Daher sollte jeder seinen eigenen Weg bei den Schuhen finden.” Und wie ist das mit dem Suchtpotenzial? Pater Tobias nickt zustimmend. „Wenn Du einmal eine bestimmte Zeit, wie z. B. 3,50 geschafft hast, willst Du es beim nächsten Mal noch besser machen oder die Zeit zumindest halten”, sagt er. Marathon ist ein Extremsport und vorrangig beim Langstreckenlauf werden große Mengen an Endorphinen, sogenannten Glückshormonen, im Gehirn freigesetzt. Das möchte der Körper natürlich immer wieder spüren – so entsteht die „Laufsucht”.

Trainingspläne und Ernährung**** Sven Heupel von Medico in Essen-Kupferdreh ist Trainings-wissenschaftler und Leistungsdiagnostiker. Nach seinem Stu- dium der Sportwissenschaften mit den Schwerpunkten Trainingslehre und Leistungsphysiologie sammelte er eigene Erfahrungen als Leistungsportler beim Rudern, im Triathlon und im Marathon. Heute stellt er sein Wissen und seine Erfahrung anderen Leistungssportlern zur Erreichung ihrer Ziele zur Verfügung. Pater Tobias muss heute auf das Laufband, obwohl ihm der Marathon vom Vortag im Teutoburger Wald irgendwie noch in den Knochen steckt. Sven Heupel ist gnädig. „Heute machen wir es mal nicht bis zur Kotzgrenze”, er lacht und entnimmt Pater Tobias etwas Blut am Ohr. Dann wird der Pater „verdrahtet” und das Laufband beginnt auf der ersten Stufe zu laufen. „Ich ermittle die Laktat-Werte bei jeder Leistungsstufe bis zur maximalen Belastungsgrenze des Sportlers. Daraus kann ich Rückschlüsse ziehen auf die Stoffwechselprozesse bei jedem Athleten. Aus den Werten dieser Leistungsdiagnose wird ein exakt passender Trainingsplan für Pater Tobias erstellt, der genau seinen individuellen physischen Anforderungen und Fähigkeiten entspricht”, so Sven Heupel. „Das Ziel dabei ist der 100 km Ultra-Marathon.

Das ist eine echte Herausforderung für uns alle.” Auch die Ernährung stellt einen wichtigen Baustein auf dem Weg zum Erfolg dar. Heike Stumpf ist die Ernährungsberaterin im Team bei Medico. Auch sie hat schon einige Marathonläufe hinter sich und Pater Tobias von Anfang an beraten. „Wir müssen zuerst herausfinden, wo der Sportler steht und wie seine Ernährungsgewohnheiten aussehen”, erläutert Heike Stumpf. „Dafür musste Pater Tobias zu Beginn der Beratung ein Ernährungs-Tagebuch führen und genau festhalten, was er wann am Tag zu sich genommen hat. Das haben wir dann aus- gewertet. Danach haben wir seine Ernährung der sportlichen Zielsetzung angepasst. Das ist von Mensch zu Mensch natürlich individuell zu betrachten. Gerade bei Marathonläufern ist meistens eine Anpassung bzw. eine Umstellung der bisherigen Ernährung notwendig.”

Ziel: 100 Kilometer**** Labortechnische Analysen, ärztliche Überwachung, Ernährungsberatung, Trainingspläne – hier werden berechen- bare Fakten geliefert. Aber wer einen Marathon über 42 Kilometer, oder sogar einen Ultra-Marathon über 100 Kilometer laufen will, der braucht vor allem eines – Selbstdisziplin. Bei Pater Tobias kommt noch etwas anderes hinzu – er läuft nicht nur für sich, sondern auch und vor allem für Kinder, die Hilfe brauchen. „Für mich ist das die eigentliche Motivation und der Motor, der mich antreibt”, sagt er. Gibt es einen besseren Grund, diesen Sport auszuüben? Sicher nicht. Wir alle sollten ihm die Daumen drücken, dass er am 11. Juni in Biel das Ziel nach 100 Kilometern erreicht. Übrigens: Physiologisch kommen wir „Normalos” auf das gleiche Ergebnis wie ein Marathonläufer, wenn wir drei Mal in der Woche ganz gemütlich etwa 10 Kilometer durch unseren Lieblingswald laufen.

www.pater-tobias.de**** www.taucharzt-becker.de**** www.medico-sport.de