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04. Februar 2010, 15:53
Ich bin ein richtiger Südtiroler
Zu Besuch bei Marathonläufer Hermann Achmüller in Pfalzen
Hermann Achmüller ist Südtirols Laufbotschafter und derzeit wohl bekanntester Marthonläufer der italienischen Sonnenstube im Lande der Dolomiten. Achmüller hat aber noch viel mehr auf Lager. Der sympathische in zwei Wochen 39-Jahre alt werdende Spitzenläufer sprüht nur so von Energie, Kraft und Sympathie, dass man überzeugt ist, von Hermann Achmüller in dieser und in den nächsten Saisons noch viel zu hören.
2.2.2010 Brüttisellen (mk) Pfalzen liegt im Pustertal etwa 20km von der Brenner Autobahn entfernt oben auf einem fast 1000m hohen Plateau. Umrandet von vielen Wäldern und Bergen, ist das rund 2500 zählende Südtiroler Dorf ein Flecken unverbrauchter Natur. Der liebevoll eingebettete Tourismus integriert sich wunderbar ins Dorf und gibt dem Dorfleben einen unvergleichlichen internationalen Touch. Im Winter ist Pfalzen eine günstige Ausgangslage in die vielen umliegenden Skigebiete der Dolomiten. Die nur 5km entfernte Kleinstadt Bruneck ist so in Kürze zu erreichen.
Die Berge - der Schnee - im Sommer die blumenbedeckte Alm was will man mehr?
Der Tripp ins Südtirol führte uns durch die atemberaubende Berglandschaft des Engandins, dem Schweizer Nationalpark rund um den Ofenpass und das Münstertal. Hinab nach der Sonnenstuben des Südtirols Meran und Bozen und wieder hinauf Richtung Brenner und rechts ins Pustertal nach Pfalzen. Rund 450 Autokilometer. Ein fünfgang Menue liess am Abend unserem Gaumen das Halleluja erklingen und die ruhige Nacht, in der draussen -15°C Kälte herrschten, verbrachten wir in einem angenehmen warmen Bett. Gespannt waren wir auf den Morgen, Punkt 0930 haben wir uns mit Herman Achmüller verabredet.
Ein Hermann (Tag) wie im Bilderbuch
Nachdem ich so um neun einen mürrischen Herrn durch einen fatal falschen Telefonanruf aus dem Schlaf gerissen habe, schnell aufgehängt habe und beim Zweitenmal endlich Hermann am Telefon hatte, warteten wir gespannt vor dem Hotel auf den Südtiroler Sunnyboy. Keine fünf Minuten später kam er. Verpackt im Lauftrainer auf dem seine Sponsoren in Logoform, den frischen Morgen mitfeierten, stand er als hätte er gerade den Pustertaler 500km Lauf gewonnen, mitten auf dem Dorfplatz. Im nicht weit von hier entfernten Reihenhaus empfing uns eine so gemütliche, herzliche und sportliche Atmosphäre - als gehörten wir seit Jahren hierher ins traute Heim des Südtiroler Alpenblitzes.
Ich bin ein richtiger Südtiroler
Hermann Achmüllers Läuferleben war von Anfang an ein sehr spezielles. Mit 12 Jahren begann er zu laufen, war sofort bei den Besten seines Jahrganges. Mit 15 wechselte in den Fussball, war auch hier erfolgreich holte Titel und Ehren. Dann mit 20 kam der totale Bruch zum Sport. Er hörte komplett damit auf. In den sechs Jahren abseits des Sportes legte er sich wohlgeformte Rundungen an und sein Gewicht erreichte fast 90 kg. Er war nicht mehr der Schlanke Ranke sondern "der Dicke" wie er selbst sagte und das machte ihm damals sehr zu schaffen. Am 3.März 1997 machte ihn ein Zeitungsartikel aufmerksam auf den Wien Marathon. 2 1/2 Monate hatter er Zeit zum trainieren und diese nahm er zum Anlass, sein Leben nochmals zu verändern - hin zum Sport. In Rekordzeit verlor er 18kg und startete am 25.Mai 1997 zu seinem ersten Marathon. Mit der Zeit von 2.56:01 belegte er den 315. Rang. Sein Training damals war zum heutigen Training aber eher bescheiden. Doch für den plötzlich wieder dünn gewordenen Hermann ein Neuanfang nach Mass. Heute sind es eher mehr als 200 Trainingskilometer in der Woche als weniger. Seiner Heimat dem Südtirol, ist er aber in all den Jahren treu geblieben. "Ich bin ein richtiger Südtiroler" sagt er nicht ohne Stolz!
Der Pacemaker - der Sieger - der Held
Hermann Achmüllers Marathon-Bestzeit liegt bei 2'18:56. 42 Marathons hat er bisher gelaufen, davon 28 unter 2'25:00. 2004 stand Achmüller vor der Wahl, seine eigene Bestzeit um drei bis vier Minuten runterzuschrauben oder sich als Pacemaker zur Verfügung zu stellen. Er hatte dies schon ein paar Mal erfolgreich gemacht und unter anderem die Japanische Spitzenläuferin 2001 Naoko Takahashi zum damalligen Frauenweltrekord geführt.(2:19:42) 2004 begleitete er schon seinen Südtiroler Landsmann beim Südtiroler Marathon zum Sieg. (2:19:39) Für ihn sei es eine sehr, sehr schwierige Entscheidung gewesen, sagt heute Hermann Achmüller. Er wählte dennoch wieder seine Pacemaker Rolle und führte Yoko Shibu zum japanischen Rekord in 2:19:39. 2005 gewann er dann den München-Marathon nachdem er ein Jahr vorher für Harasser das Tempo gemacht hatte. In Wien siegte er 2006 im Halbmarathon. Auch letztes Jahr führte er eine Spitzenläuferin zum Sieg über namhafte Konkurrenz. Am Wienmarathon lief er für die oesterreichische Spitzenläuferin Andrea Meier als Pacemaker. Er führte sie zum Sieg und zum neuen oesterreichischen Streckenrekord der Frauen.
Eine Wette unter Freunden
Eine Wette unter Laufkollegen und Freunden, den Jungfrau-Marathon unter drei Stunden zu laufen, brachte Hermann Achmüller erstmals in die Domäne des Bergmarathons. Er werde mindestens 7 Minuten auf seinen Kollegen Gerd Frick ein ebenfalls bekannter Läufer verlieren, sagten die Wetter. Dies machte ihm das Unterfangen erst so schmackhaft. Ausgerechnet an der Berglaufweltmeisterschaft 2007, wollten die beiden Hermann Achmüller und Gerd Frick ihren Versuch starten.
Am ersten Bergmarathon zum Vize-Weltmeister gekürt
Hermann Achmüller erreichte sein Ziel und gewann natürlich auch die Wette. Mit 2:58:35 unterbot er nicht nur die 3 Stundengrenze holte über 7 Minuten Vorsprung auf Gerd Frick heraus, sondern wurde auch noch Vize-Weltmeister im Bergmarathon hinter Jonathan Wyatt und vor seinem Freund Gerd Frick. Dieser Erfolg kam aber auch für Hermann Achmüller völlig überraschend. Der Bergläufer war geboren. Sein Sieg dann 2008 am Jungfrau Marathon war die Folge und weitere grossartige Bergsiege in ganz Europa rundeten das Palmares des vielseitigen Sportler ab.
Schlechte Saison mit dem Versuch als Profi
"Die letzte Saison war auch meine Schlechteste!" Meint Hermann Achmüller. Ich habe den Versuch als Profiläufer gestartet, Spass hat es mir allerdings nicht besonders gemacht. Ebenso blieben die guten Resultate aus. So bin als Profi wöchentlich um die 30-40 Stunden im Training gerannt, habe mich total verheizt und konnte schlussendlich an den Läufen nicht zusetzen. Hermann Achmüller sagt auch ehrlich: Am Jungfrau Marathon 2009, wollte ich dann unbedingt gewinnen, machte im Gegensatz zu meinem Sieg 2008, aber viele taktische Fehler und wurde nicht nur geschlagen wie man allgemein berichtete, weil mein damaliger Begleiter und spätere Zweite Tarcis Ançay aus der Schweiz zulegte, sondern weil ich einfach langsamer wurde. Der vierte Rang hat mich aber trotzdem sehr gefreut. Das Gefühl oben auf der Moräne anzukommen und die Eigernordwand direkt vor dir zu haben - ist unbeschreiblich. - So bin ich wieder ein Hobby- und Freizeitläufer geworden, wenn auch mit ambitionierten Vorstellungen. Darum ist mir der Spass am Laufen sehr wichtig."
Hermann Achmüller und der neue Lauf hinauf auf den Kornplatz
Dieses Jahr, genau am 18. September, findet der Kornplatzrun statt. Hier ist Achmüller massgeblich in der Organisation beteiligt. Er möchte auch für später eine Verbindung vom Sport zur Organisation und damit zu vielen Freunden aufbauen.
Auf die Frage:"Hermann, wie lange willst Du noch Marathon laufen?" erhält man von Hermann Achmüller eine überraschende Antwort.
"Auch wenn ich heute in der Spitze laufe, mache ich mir keine Gedanken, auch wenn ich älter werde damit aufzuhören Marathon zu laufen. Ich kann mir ganz gut vorstellen, als ganz normaler Hobbyläufer mit 50,60 Jahren den Berg in meinem Tempo rauf zu kraxeln. Damit habe ich keine Probleme. Ich hoffe, ich kann noch mindesten 15 Jahre mitmachen - auch am Jungfrau Marathon. Und die Jungen werden dann eines Tages kommen, dass ist sicher. Ich bin ja schliesslich im Pustertal aufgewachsen und bin ein richtiger Südtiroler. Ich weiss was so ein spritziger junger Südtiroler alles drauf hat.
Lauftreff der 20 Besten Marathonläufer der Welt
Achmüller ist einer der Organisatoren, die jedes Jahr die weltbesten Marathonläufer auf die Seiser Alm einladen. Hier können auch Hobbyläufer mitmachen und eine Woche lang mit den Topläufern trainieren. Dazu findet am zweiten Wochenende eine Laufveranstaltung statt, wo die Weltbesten mitten unter den Hobbyläufern mitrennen und Tipps geben. Für Hermann Achmüller ist dies ein Engagement für die Zukunft. (Mehr folgt über diese Veranstaltung im Juni)
Hermann Achmüller - Laufbotschafter des Südtirols
Wenn man dem Laufbotschafter des Südtirols zuhört, so spürt man ein ganz leichtes jucken in den Füssen, ein jucken dass sagt, "Komm - lauf, mach mit!" Man ist überzeugt, dass Hermann Achmüller noch viele tausend Laufbegeisterte auf trab hält. Dies beweist auch seine tägliche Fanpost, die seit seinem Jungfraudebut merklich zugenommen hat und in der Laufsaison den Pöstler jeweils mit mächtig Mehrarbeit eindeckt. Hermann Achmüller vermittelt mehr als Laufsport, immer wieder muss ich an seine Worte denken:
"Laufen ist für mich unendliche Freiheit, ein erfülltes Leben und eine riesengrosse Portion Freude!"
Koordination: Andrea Krebs
Text&Story Marcel Krebs
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Hermann Achmüller hat die wundervolle Welt der Berge gleich vor seiner Haustüre. Pfalzen im Südtirol, gehört zu den sonnenreichsten Dörfern des Landes.

Im Dorf stehen neben Hotels, Pensionen und Touristischen Attraktionen noch originale Bauernhöfe mit Tieren. Pfalzen ist verbunden mit Natur und Tourismus.

Hermann Achmüller übt den Beruf eines Masseurs aus. Achmüller hat zwar letztes Jahr den Versuch eines Profiläufers gemacht, dieses Unterfangen endete aber nicht vielversprechend und war eine der schlechtesten Saison für die Pfalzener. In seinem angestammten Beruf war Achmüller auch als Profimasseur für den Schweizer Mountainbikeprofi und Weltmeister Christoph Sauser tätig. Er begleitete Sauser um die ganze Welt. - Reisen, ja, dass ist ein weiteres Hobby von mir. Reisen mit Zelt, Rucksack und Bergstock, Zelt und Kocher.

Dies ist meine (Lauf) Welt! Hermann Achmüller sieht sich als Freizeitläufer. Allerdings bedeutet ihm Laufen sehr, sehr viel. Laufen gehört zu meinem Leben - Laufen ist mein Lebenselexier. Die Berge, die Blumen, das Tal und natürlich die Freunde und Laufkollegen gehören dazu. Das Laufen verbindet viele tiefe Lauffreundschaften, auf die ich nie mehr verzichten möchte.

Hermann Achmüller in seinem wunderschönen Haus. Hier packt einem sofort Geborgenheit aber auch Fernweh. Bilder aus allen Teilen der Welt und Menschen aller Schichten finden sich hier verewigt.

Zum Wohl der Füsse! Hermann Achmüller trainiert mit 20-30 Paar Laufschuhen. Dass ist wichtig, meint er. Der Schuh muss nach einem anstrengenden Training wieder atmen können.

Training auf dem Laufband. Diese Trainingsart findet aber nur bei ganz, ganz widerlichen Wetterverhältnissen statt.

Die Ecke der wertvollsten Siege! Hier befindet sich wirklich alles Gold das glänzt. Hermann Achmüller besitzt in seinem Dach- und Trainingszimmer dutzende von goldenen Auszeichnungen.

Hermann Achmüller mit seinem Freund und wohl besten Marathonläufer aller Zeiten, Weltrekordmann Haile Gebrselassie.

Achmüller ist Koordinator für den jährlichen Lauftreff der 20 Weltbesten Marathonläufer. Sie treffen sich alle immer im Juni auf der Seiseralm. Hobbyläufer haben Gelegenheit mit den besten zu trainieren. (Anzeige folgt)
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