Mittwoch, 8. Februar 2012, 13:28:42 Uhr

19. November 2009, 05:48

Der Frauenfelder - Das 75 Jahre Jubiläum

Zwischen Nostalgie und Perfektion

Zum 75. Jubiläum des Frauenfelder Militärwettmarsches mussten die Organisatoren nichts neu erfinden. Die diesjährige Austragung des legendären "Frauenfelders" feierte sich wie von selbst. Ein gewaltiges Feuerwerk an organisatorischer Perfektion - gemixt mit militärischer Eleganz und einem Hauch Nostalgie, brachte der Anlass auch dieses Jahr wieder Tausende an die Strecke. Einst wurde von der letzten Austragung gesprochen - heute sprechen viele von einer Renaissance des Militärsportes - verpackt in einen Blumenstrauss mit Leistung, Power und Faszination. Die Jubiläumsaustragung endete gleich mit einem prominenten Sieg. David Schneider noch vor einem Monat noch OL Weltspitzenläufer, gewann gleich bei seiner ersten Teilnahme mit einer tollen Zeit von 2.51.45 die begehrte Militärlauf Marathon - Goldmedaille. Er führt damit den Frauenfelder in eine neue Zeit - in eine Zeit des Aufbruchs vergangener Nostalgien.

Brüttisellen, 15.11.09 (mk) Der "Frauenfelder" Militärwettmarsch feierte dieses Jahr sein 75 Jahre Jubiläum. Die goldenen 60er Jahre, als noch über 9000 Läufer auf den Startschuss der Kanone warteten ist längst vorbei. Geblieben sind Nostalgie, Tradition und ein grosse Vergangenheit. Doch aufgepasst! - Die neuesten Starterzahlen in Frauenfeld zeigen wieder nach oben. 1850 Laufbegeisterte liefen dieses Jahr in den trüben Novembermorgen hinein. Wenn auch nicht mehr jeder und jede mit der Kampfmontour, doch immerhin nimmt man gerne in Kauf, dass man sich als "Ziviler" in die Katakomben der alten Kaserene mitten in Frauenfeld begibt.

Der König der Könige
Der "Frauenfelder war und ist die Königsdisziplin unter den Waffenläufen. Einst gab es gegen 15 solcher Veranstaltungen. Geblieben sind noch fünf, doch das Aus der anderen übrig gebliebenen ist nur noch eine Frage der Zeit. Ein weiterer königlicher, der Waffenlauf von Thun, hat letztes Jahr zum Letztenmal die Waffenläufer aufgenommen. - Nicht so Frauenfeld. Der König der Könige, mit seiner Marathondistanz, ist nach wie vor beliebt. Wenn auch heute nur noch knapp 200 Soldaten die Strecken von Frauenfeld nach Wil und zurück unter die Füsse nehmen, verzaubert diese militärische Sportart Land und Leute, immer wieder aufs Neue.

In den 60ern nur mit Nagelschuhen und schwerer Packung

Militärschuhe, Kampfausrüstung mit schwerer Packung und Drill sind Vergangenheit. Bereits damals ende Sechziger, hatten die Laufschuhe, die schweren Militärschuhe abgelöst. Die Packung ist auf 6,2kg geschrumpft und der Umgangston an der Veranstaltung ist ziviler geworden. Geblieben ist dennoch etwas grossartiges: Die Organisation! Was in Frauenfeld mit militärischer Perfektheit für diesen Lauf gezaubert wird verdient Anerkennung erster Güte. Nicht umsonst ist das OK Team bereits an der nächstjährigen Veranstaltung.

Immer noch grosser Zuschaueraufmarsch an der Strecke

Längs der Traditionsstrecke Richtung Wil stehen immer noch Tausende am Sonntagmorgen an der Strecke. Verkaufsstände mit Tee, Schnaps und Cola haben ebenso Tradition wie es die Menschen in den Dörfern halten, wo der Frauenfelder durch kommt. Da sitzt Grossvater und Grossmutter mit den Enkeln, Schwägern und Verwandten schon früh auf der Terrasse oder auf dem Vorplatz der wunderschönen Häuser des Thurgauer Hinterlandes. Und wenn der erste Lautsprecherwagen mit den Programmen und Startlisten kommt, stürzen sich die Leute als sei es noch die 60er auf die Hand, die den Frauenfelder erst interessant macht und haben das Kleingeld schon bereit. Das Programmheft ist ebenso Tradition geblieben, wie die Läufer, die schon zum dreissigsten Mal diesen Lauf mitmachen.

Wil - die Hochburg im Kanton St.Gallen

Wil hat noch immer Tausende Zuschauer in der Altstadt. Wer durchs Stadttor gerannt kommt - wird mit frenetischem Applaus begrüsst. Hier ist was los! Das Städtchen liebt den Frauenfelder - der Frauenfelder könnte sich ohne den Abstecher nach Wil seinen Lauf nicht vorstellen. Ständeräte, Nationalräte, Regierungsräte, Stadtvertreter - höchste Militärstellen und die gesamte Zivilregierungen der umliegenden Städte und Gemeinden gönnen sich diesen Abstecher ins hübsche Städtchen Wil. Und sogar zwei davon nehmen persönlich an den Läufen teil. Wenn der Thurgauer Regierungsrat Dr. Jakob Stark auf der Halbmarathondistanz rennt, macht es dem Präsidenten der Frauenfelder Organisation Hptm. Hermann Lei besonderen Spass, mit seinen Soldaten mitzurennen.

Das Rennen der Militaris

Sein erster Waffenlauf - sein erster Sieg. Während der ehemalige OL-Spitzenläufer David Schneider nach 2Stunden und 51 Minuten durchs Ziel rennt, wird der letzte das Zielband fast vier Stunden später überqueren. Die Leistungen sind aber beide überragend. Der wegen einer langwierigen Verletzung passend Patrick Wieser gab Forfait. So war man gespannt, ob sich sein Freund und ewige Zweite Marc Berger aus Fribourg durchsetzen könnte. Mit David Schneider stand er aber einem absoluten Spitzenathleten gegenüber, der zudem selbst das Tempo machte und Eingangs Altstadt Wil, musste Berger abreissen lassen, fing dann einen fürchterlichen Hungerast ein, erholte sich aber und konnte seinen zweiten Platz knapp ins Ziel retten. Die Zähheit, der Wille und dem Blick nach vorne gerichtet, zeigte Berger was man zu Leisten fähig ist.

Resultate

1. Schneider David 1981 Wil SG 2:51.45,0

2. Berger Marc 1981 Fribourg 3:04.00,2
3. Brennwald Adrian 1975 Aeugst am Albis 3:04.43,9
4. Baumgartner Rolf 1964 Neftenbach 3:06.38,1
5. Haas Erwin 1967 Langenthal 3:07.45,7
6. Langenegger Roland 1968 Appenzell 3:11.24,9
7. Maurer Roland 1968 Zetzwil 3:12.18,7
8. Bosshard Patrick 1979 Münchwilen TG 3:13.36,2
9. Widmer Rainer 1965 Menziken 3:14.23,3
10.Gyr Rolf 1955 Igis 3:14.30,9

Alle Resultate

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David Schneider Sieger Overall beim Zieleinlauf.

Das Podest: Marce Berger 2. - Sieger David Schneider und Adrian Brennwald 3. v.l.n.r.

Marc Berger beisst sich durch.

Jedesmal ein absolutes Highligt - der Marsch zum Start hinauf auf dem Stadtplatz - begleitet von der Militärmusik.

Durchlauf in Wil. Zuschauermengen wie in den besten Zeiten.

Polit- und Militärprominenz aus In- und Ausland.

Tradition - Freude - Begeisterung.

Die Verfolger.

Sieger laufen einsam. David Schneider vier Kilometer vor dem Ziel.

Die Entscheidung! David Schneider distanziert Marc Berger beim Stadttor in Wil.

 

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