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25. Oktober 2009, 00:13
Brücken der Leidenschaft
Der Transviamala in der Schlucht der tosenden Wasser
Die Viamalaschlucht und mit ihr das Wetter zeigten sich heute von einer ganz anderen Seite. Die Grossartigkeit dieser einmaligen unverwüstlichen Schluchtenlandschaft zeigte sich heute unter dickem Wolkenhimmel in düsterer, ja geheimnis- voller Form. Mancher, der in die Schlucht einlief glaubte diesem Geheimnis der Mystik und der Ungewissheit näher zu kommen. - Die Reportage von Andrea & Marcel Krebs (Text und Fotos)
Donat, 18.10.09 (mk) Für die Läufer wohl idealstes Laufwetter. Den Zuschauern und Begleitern pfiff der eisige Wind dennoch mit kühlem Unbehagen um die Ohren. Temperaturen von 2-5 Grad und ab und zu ein kitzkleines blaues Himmelfenster, begleiteten die insgesamt 1300 Laufbegeisterten bei den verschiedenen Veranstaltungen am Transviamala. Es gab aber doch einige Überraschungen aus
sportlicher Sicht. Zum einem hatte der Overall der Herren mit dem Andeerer Ulissis Joos einen völlig neuen Sieger - zum anderen stellte die Schweizer Spitzenläuferin Jasmin Nunige bei den Overall Frauen einen neuen Streckenrekord auf. Der Lauf war aber wieder ein grossartiges Highlight für Jung und Alt.
Frieden - Freiheit - Leidenschaft
Schon Friedrich Nitzsche schrieb in sein Tagebuch: " Ich empfinde die düstere Grossartigkeit der Viamala als Widerschein meines eigenen Wesens. Mir ist, als wäre ich im Lande der Verheissung, ..... Hier will ich lange bleiben."
Der Weg hinauf ans Licht ist steil, manchmal geht er genauso steil bergab, dann wieder bergauf. Irgendetwas trieb mich heute genauso in die Schlucht wie die Läufer - die mussten. Irgendetwas zog mich an - eine Stimme,ein rufen? Ein Bild, eine Erinnerung? Ich weiss es nicht. Der Einstieg hinab zur Hängebrücke ganz unten, war steil und mit vielen Treppenstufen bestückt. Kaum eingebogen zieht es dich hinunter - eine magnetische Kraft ein Suchen? Ein Suchen vielleicht nach etwas das grösser, schöner und leidenschaftlicher ist, als alles dass ich bisher gelebt habe? Fantastic Blue. Das unendliche Feld der Läufer, die im Gleichschritt über die Brücke rennen. Eine Antwort im wiegen der schweren Brückenseile, im stampfen, im getrampel der tausend Füsse die als wolle es nie aufhören in schwindelnder sich beeilen, das gegenüberliegend Ufer zu erreichen. Der Wald der folgt - mit seinen Wurzelköpfen, seinen drahtigen Seelen, die sich wie Arme durch den ganzen Wald verteilen.
Bin ich im Märchenwald?
Die Schönheit dieses Flecken Schluchtnatur ist einmalig. Mystisch stehen die Tannen, die Lerchen im Weg als wollten sie sagen - bitte umarme mich. Mystisch, träumerisch und voller unentdeckten Geheimnissen muss dieser Wald sein. Wo ist das Märchenschloss? Fast vergesse ich zu Atmen. Es geht jetzt steil bergauf - noch steiler als ich mir vorstellen kann. Es kommt mir vor als wäre hier die Prüfung, sozusagen die Bewährung für den Eintritt in diese Welt. Fast erschrocken ob diesen Gedanken, nehme ich mir vor noch einmal zu kommen - allein - vielleicht finde ich die Tür, die Tür zum Eingang dieses wunderschönen Geheimnisses.
Ich spür mein Herz wie es ganz fest schlägt. Ein Gefühl des Wohlseins - ein Gefühl der Erleichterung. Wie schön muss es für die Athleten sein hier zu laufen - hier im Wald der versteckten Märchen. Die Liebe zu den Bergen, zu den Tälern und Schluchten kannst du nur hier erfahren. Hier zu gehen, zu laufen, zu rennen macht einfach nur glücklich.
Aus der Schlucht - aus den Träumen - hinein ins Paradies
Als folge nun der Tanz der Freundschaft steh ich auf einmal im Licht. Es ist hell, weit und oben sind die Gipfel der hohen Berge mit frischem Schnee bedeckt. Bis hinunter auf 1400m hats geschneit, so dass es mindestens 10-20 cm dieser weissen Pracht hat. Vergessen ist der Weg im dunklen Grün - vor mir tut sich ein neues Landschaftsbild auf - der unendliche Weg ins Paradies. Mit jedem Schritt, mit jedem knirschen auf dem Weg fliege ich weg - in Gedanken - in Gefühlen Richtung Ewigkeit. Am liebten würde ich jetzt rennen, springen,fliegen und jauchzen - ja jauchzen so wie der Läufer in der Schlucht als er die Brücke durchlief.
Was jetzt folgt muss im Märchen sein
Liebevoll stehen sie da, als hätte eine liebevolle Hand sie auf den Hang gestellt. Häuschen, Haus und Kirche. Ein Stall, mähhhhh...Ein Stall mit fröhlichen Geisslein, interessiert schauen sie dem Laufvolk zu - was machen die nur? Die Häuser sind herausgeputzt, sauber und frisch. Wandmalereien, Blumen und im Garten noch die letzten Rosen. Als ich dann im nächsten Dorf vom Auto abgeholt werde, kommt es mir vor, als werde brutal aus den Träumen gerissen.
Die letzte Steigung in Serpentinen dreihundert Höhenmeter nach oben
Eine steile, ja sehr steile Treppe führt mich hinauf - hinauf zum Kirchlein vorbei an einem Weiler und weiter an Kuhherden vorbei zu den letzten beiden Kilometern zum Ziel. Ich weiss es jetzt selbst - ein solches Naturerlebnis bekomme ich nicht so schnell wieder. Was aber noch eindrücklicher ist, sind die vielen Brücken, die mir den Weg hinauf nach Donat gezeigt haben. Mal hoch - mal weniger, mal aus Stahl oder Beton, dann aus Holz. Brücken sind glaube ich eines der vielen Geheimnisse des Transviamala. Brücken verbinden - Brücken bringen einem Menschen näher. Brücken am Transviamala zeigen aber auch, dass es immer einen Weg über momentane Abgründe oder Tiefschläge gibt. Der rauhe Fels, die weichen Wälder, das malerische Grün der Bergwiesen, die auch um diese Jahreszeit noch saftig und voll Kraft sind, das Licht, dass hier anders ist, anders als man es kennt.
Einmal im Jahr - Ein Herz dass ganz allein für Dich schlägt
Immer im Oktober finden sich die Menschen im Hinterrheintal zusammen. Hier oben bw. in Donat wo das Ziel ist, macht jeder und jede mit. Wenn der Lauf in Thusis gestartet ist, herrscht in Donat heftiges Kuchentreiben. Da bringen Mütter, Grossmütter und selbst Väter und Grossväter Kuchen um Kuchen zum Schulhaus. Es ist für jeden eine Ehre zu backen. Sie backen nicht für irgend jemanden - nein sie backen für über Tausend Läuferinnen und Läufer, Walkerinnen und Walker. Ihr Herz schlägt für dieses Wochenend für die Gäste aus der Ferne. Und wie! Das Kuchenbuffet ist ganz einfach unschlagbar. Und im Zelt steht persönlich der grossartigste Koch der Welt und rührt und kocht stolz die Pitzockel, von der jeder seinen Teil kriegt.
Pitzockel: mit Käse überbackene Spinatpätzli - Giabusada: Weisskohleintopf mit Zwiebeln, Kartoffeln und Speck - Polenta mit heisser Wurst oder Speck.
Kinder laufen für's Leben gern - Wenn auch nicht alle!
Auch am diesjärigen Transviamala gehörte der Nachmittag den Kindern und der Jugend. Das Thema Brücken begeisterte. Auch wenn es bei diesen Brücken auch Wege unten durch gab - sind es gerade die Kinder und Jugendlichen, die die Zukunftsbrücken bauen. Und auch Brücken zum Verständnis von Menschen jeden Alters, jeder Hautfarbe und jeder Staatenangehörigkeit. Die Kinder in Donat haben es verstanden, die Erwachsenen wiederum für eine Stunde mit bester Unterhaltung zu beglücken.
Organisiert mit Herz, Mut und Kraft
Wer den Transviamala als Läufer rennen will, der muss sich bereits wieder einschreiben. Denn die 400 Startplätze für den 19km Lauf, sind Monate im voraus ausgebucht. Das kommt nicht von ungefähr. Wer Transviamala sagt, der meint Organisation perfekt. Und die bekommt er auch. Steaffan Michael und sein Team sind ganz einfach perfekt! Sie leben für die Jugend, ihr Tal und dessen Bevölkerung. Mit ihrem Beitrag an der Welt von Morgen leisten sie unglaubliches. Und wenn Streckenchef Abraham Dolf bereits in aller Frühe den Lauf abgelaufen ist und alles erdenkliche an Sicherheit überprüft hat, zeigt dies, wie wichtig den Menschen im Tal die Läufer und Läuferinnen sind. Der Transvialmal hat sich auch dieses Jahr in allem im schönsten Kleid gezeigt.
Tief in mir lebt der Traum weiter - der Traum der eines Tages das wahrmachen wird, dass ich mir Wünsche - dass aus dem Märchen Wirklichkeit wird - wenn sie nicht schon heute ist?
Marcel Krebs
Bilderstrecken folgen......
Resultate
«transviamala» run Damen overall
1 1402 Nunige Jasmin 1973 Davos Platz 1:31:15
2 1023 Zimmermann Denise 1975 Mels 1:39:26
3 1064 Negele Martina 1978 Triesen 1:43:13
4 1136 Caluori Alice 1969 Chur 1:44:15
5 1116 Manser Frieda 1966 Appenzell 1:44:22
6 1047 Gomringer Nicole 1972 Welsikon 1:44:24
7 1053 Kropf Doris 1970 Rabius 1:44:27
8 1127 Hartmann Daniela 1966 Zizers 1:45:54
9 1013 Gschwind Regina 1972 Zürich 1:47:02
10 1133 Hofstetter Corinne 1963 St. Gallen 1:48:29
«transviamala» run Herren overall
1 2096 Joos Ulisses 1985 Andeer 1:20:56
2 2001 Vogt Josef 1974 Balzers 1:22:54
3 2461 Neuhauser Seppi 1967 Riezlern 1:23:13
4 2071 Suter Florian 1993 Falera 1:24:09
5 2122 Frei Max 1977 Freiburg 1:25:19
6 2061 Hugentobler Philipp 1973 Zillis 1:26:25
7 2459 Brändle Beat 1966 Romanshorn 1:28:09
8 2467 Bieler Norbert 1963 Bonaduz 1:28:58
9 2039 Peng Claudio 1989 Zizers 1:29:43
10 2466 Schmid Richard 1966 Paspels 1:29:51
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Auf den ersten Kilometern bestimmte der Freiburger Max Frei das Tempo. Dicht auf gefolgt von Vorjahressieger Josef Vogt und dem neuen Transviamalasieger Ulisses Joos ganz links.




Beim Transviamala darf auch gewalkt werden.

Jasmin Nunige mit gelben Trikot stellte am diesjährigen Transviamala einen neuen Streckenrekord auf. Mit 1:31:15 unterbot sie die alte Bestmarke um fast drei Minuten.


Sieger Ulisses Joos.

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