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24. März 2009, 10:24

Das Zittern um Startgelder – Getrübte Vorfreude für Lauf- und Marathonkassiere

Es wäre zu einfach alle Misere der Finanzkrise zuzuschreiben. Tatsache ist, der Lauf- und Marathonsport hat ein Problem und dieses Problem hat sich in den letzten drei Jahre, Jahr um Jahr vergrössert. Wer als Veranstalter nicht schon Jahre lang an Neuen Ideen gebastelt hat, dieses oder jenes probiert hat, steht jetzt plötzlich ohne Laufschuhe da. Der Glanz vergangener Glanzzeiten ist verblichen, was heute an einer Laufveranstaltung zählt ist zusätzlicher Fun , ein gutes Beiprogramm und vor allem die Kunst den Menschen Freude am Laufsport zu vermitteln. Wer sich nämlich bis zum Umfallen quält, der will auch was davon haben. Wenn er 41,2 km rennt, so will er am Ziel ein Wahnsinns Erlebnis erwarten können oder wenigstens eines an der Strecke. Da haben es die Bergmarathon – Veranstalter schon leichter, sie bieten ihren Läufern Berge, Aussicht und ein unvergessliches Zusammensein an. In den Städten bw. Ist ausser überhöhten Konsumationspreisen und zu kleinen Festzelten nichts zu erwarten, was diesem Bergerlebnis nur annähernd die Hand reichen könnte. Aber auch hier sind an gewissen Orten hochgerechnete Einbrüch zu erwarten. Hier sind diejenigen, die jedes Jahr mit neuen Erlebnissen einladen auf der Winnerseite.

Brüttisellen, 24.3.09 (mk) Städtemarathons und Städteläufe geraten in Läufernot

Arg betroffen sind in erster Linie Städteläufe und Städte Marathons. Im Durchschnitt haben sie um die 20% weniger Startermeldungen. Dieses Phänomen betrifft aber nicht nur die Schweiz, sondern auch Läufe im angrenzenden Ausland. Auch Marathons in Freiburg De, mit früher gegen 16.000 Läuferinnen und Läufer hinken in den Startmeldungen bis zu 30% hinterher. Aber auch hier gibt es Ausnahmen und wieder haben diese Ausnahmen das Gleiche gemacht – neue Ideen, neue Trends gesucht und bieten zudem ein grosses Familienerelbnis. In der Schweiz gibt es einen Marathon, der sogar nach der Hochrechnung über den Stand des letzten Jahres kommt. Genf hat nicht nur eine wunderschöne Städtestrecke mit einmaligem Embiente, sondern bietet durch das Erlebnis Laufen etwas ganz besonderes. Bis es allerdings dazu kam, haben sich die jungen Athleten im O.K etwas ganz spezielles einfallen lassen. Sie verfassten eine Laufkampagne mit eigenem Fotoshootings gewöhnlicher Athleten. Diese professionelle Kampagne gemacht von einfachen Burschen, kann es mit jeder hochprofessionellen Werbung aufnehmen. Und sie haben auch hart dafür gearbeitet. Bereits im November haben sie begonnen in einschlägigen Fachzeitschriften und Internetportalen ihre Ideen vorzustellen. Das Resultat lässt sich sehen. Wenn man noch dazu weiss, dass das Budget der Genfer im Vergleich zu anderen Städtemarathons in ungefähr gleicher Grösse 6-7mal kleiner ist, sieht man auch an diesem, dass es nicht darauf ankommt welche Möglichkeiten man hat, sondern wie man diese Möglichkeiten einsetzt.

Zürich Marathon hinkt im Starterfeld hinten nach

Der Zürich Marathon hat in der gleichen Zeit, wo bw. Genf seine Kampagne vorstellte mit internen Querelleien und Streitigkeiten die Chancen vertan, nochmals den Anschluss zu den Läufern zu finden. Mit heutigem Stand haben sich in Zürich gerade mal gut 4000 Läuferinnen und Läufer angemeldet was einen Monat vor Beginn hochgerechnet höchstens noch um die 5000 Total ergibt. Dass wären dann wieder viele Prozente weniger als letztes Jahr. Der Zürich Marathon ist auch in den Anfangs-Schuhen stecken geblieben. Es gibt hier auch viele organisatorische Schwierigkeiten, mit viel zu weit entfernten Umkleidemöglichkeiten etc. Die Infrastruktur lässt hier ganz einfach zu wünschen übrig, die Wege sind weit und unbequem. Zudem ist das Parkplatzproblem eine weitere kuriose Sache. Wenn dann noch Parkplätze für 20. - - Sfr. (Bahnhof Tiefenbrunnen) verkauft werden, trägt dies auch nicht zum Wohle der Läuferschaft bei.

Neue Läufe haben keine Chance

Wer heute einen neuen Lauf auf die Beine stellen will, der muss Geduld haben und warten, bis die Zeit reif dazu ist. Der Basel Marathon, ursprünglich auf diesen Herbst ausgeschrieben und geplant, hat die Konsequenzen aus dem momentanen Umfeld gezogen und sein Projekt um ein Jahr verschoben. Die Aussichten auf einen Erfolg haben die Basler durch eine bekannte Organisation abklären und mussten nach dieser Abklärung ernüchternd feststellen, dass keine Chancen für eine Durchführung bestehen.

Wir tappen im dunkeln und sehen kein Licht

Nimmt man die Starterliste des Zürcher Tunnellaufes so kann man genau das gleiche Bild sehen. Bis jetzt haben sich 500!! Läuferinnen und Läufer angemeldet. Diese Zahl deckt nicht einmal die Unkosten eines solchen Projektes. Wer will schon im dunkeln durch einen Tunnel rennen? Die Stadt Zürich lässt beim Tunnelfest eine Viertel Millionen aus dem Lotteriefonds für Sportler! Springen. Dieses abgezweigte Geld wird für Topstars wie DJ Bobo und Gotthard verwendet. Kommerz sei Dank! Ob da nicht gescheiter für den Nachwuchs geworben worden wäre? Gleich ergeht es dem neuen Trail in Verbier. Kopien sind immer schlecht. Man wollte einen 105km Trail veranstalten mit vielen Läufen und dies an einem ganzen Wochenende und hat bisher nicht einmal 300 Anmeldungen für alle acht Läufe. Kopiert wurde das Ganze vom Ultra Trail in Frankreich. Dass der Lauf dann am gleichen Tag wie der Zermatt Marathon, bringt zusätzliche Probleme mit sich.

Geld allein macht nicht mehr glücklich

Bisher konnten die grossen Veranstalter dank dem Geldsegen vieles machen, was den Kleinen vorenthalten war. Dass hat sich nun gewaltig geändert. Denn 1000 Läufer weniger bringen ein riesiges Loch ins sonst schon gebeutelte Budget. Solches hat aber für die Läuferinnen und Läufer auch grosse Vorteile. Man kann in Zukunft wieder mehr von den Veranstaltern erwarten – das Buhlen um neue „Kunden“ wird nächstes Jahr seinen Höhepunkt erreichen.

Top Veranstaltungen haben nichts zu befürchten

Veranstaltungen wie der Jungfrau Marathon, der Swiss Alpin Marathon, der Lucern Marathon, der Lausanne Marathon etc. haben in dieser Hinsicht nichts zu befürchten. Sie bieten mehr als Gegenleistung und sind nur schon von ihrem Charme vergangener Jahre eine Legende. Der North Face Ultra Trail in Chamonix Frankreich, der König aller Läufe hat sogar sein Läuferkontingent um 20% aufstocken müssen. Zusammen mit den Umweltverbänden wurden nochmals
lange diskutiert und nach neuen Lösungen gesucht. Aber auch hier war man wieder sehr innovativ und hat viele Neuerungen gebracht. So gibt es neben dem Königslauf über 166km und durch drei Länder einen 98 km Lauf, einen (neu 105km Trail) und der letztjährigen Erneuerung dem Petit Train de Leon, der in Dreierteams über 20000!! positive Höhenmeter geht und eine Länge von ca. 260km aufweist. Alle Läufe waren auch dieses Jahr binnen vierzige Minuten ausgebucht. Aber auch Volksläufe wie der Kerzers Lauf oder der Transviamala beweisen, dass es auch anders geht. Mit Ideen und Bescheidenheit ist viel zu erreichen.

Der Trend hin zum Fun und zum Vergnügen

Wieso soll laufen nicht auch Vergnügen und Fröhlichkeit sein? Wie man es macht zeigt der Strongmanrun im deutschen Weeze. Auf dem ehemaligen Amerikanischen Armeeflugplatz, wo heute die Ryan Air in alle Welt fliegt, hat man die Zeichen der Zeit erkannt. Dieser Lauf wird dieses Jahr zum dritten Mal durchgeführt und hat sich jedes Jahr in der Teilnehmerzahl verdoppelt! Mit knapp 1700 angefangen, dann auf 4000 und dieses Jahr auf 8000 Startplätze ausgebaut, ist er der Lauf der Zukunft. Gegen 5000 Starter mussten abgewiesen werden. Er ist kein gewöhnlicher Lauf, er ist ein Lauf im Dreck, mit Fun, Mut und Konzentration. Wer dazu noch 18km rennen kann 32 Hindernisse überwinden mag, zu 150 m im kalten Wasser schwimmen bereit ist, ist genau am richtigen Ort. Der Strongmanrun bedeutet pures Freizeitvergnügen, eigentlich genau das, was sich die Menschen wünschen. Aus der ganzen Welt reisen sie an, und dies schon am Vortag. Mit Musik und Tanz wird am Spätnachmittag bis zum Läuferschaft ab 2200 Uhr gefeiert und zusammen geplaudert und gelacht. Dass das Startgeld dabei nicht teuer ist, kommt noch dazu.

Der herkömmliche Marathon hat ausgepowert

Der Lauf im alten Stil hat ausgepowert. Gefragt ist Familienglück und Lauferlebnis. Nur 3 Stunden lang auf dem Asphalt rennen will keiner mehr. Gemerkt haben dies erstaunlicherweise erst wenige Veranstalter. Sie veranstalten ihre Läufe bis zum geht nicht mehr. Wie gesagt, die Finanzkrise mag den einen oder anderen Banker davon abhalten, aus beruflicher oder finanzieller Sicht zur rennen – doch die Misere allein hier zu suchen wäre zu einfach. Die alten Griechen rennen schon lange nicht mehr von Marathon nach Athen und ob sie überhaupt je diese Strecke je gerannt sind, ist auch nicht sicher. Wie die Originalstrecke eine Saga ist, so müssen die Veranstalter aufpassen, dass auch nicht ihr Lauf zu einer Sage wird.

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Strongmanrun

Die Reportage

Lausanne Marathon

Genf Marathon

Lucern Marathon

Jungfrau Marathon

Transviamala

Teil einer sehr erfolgreichen Marathon Kampagne vom Genf Marathon.

Der North Face Ultra Trail in Chamonix Frankreich