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10.7.08mk. Als wir am Sonntagmorgen punkt 10.30 im Caffee Fuchs in Zermatt uns zusammen zum Interview trafen, war für die smarte Engländerin am Vortag ein Marathon voller Emotionen zu ende gegangen, den sie nach langer Verletzungspause gleich auf Anhieb für sich entscheiden konnte. Zuvor war sie eine Woche vorher einen Berglauf von gut 20km gelaufen, um die Fitness, ihre Verletzung und auch ihren Marathon Instikt zu testen. Auch dort hatte sie gewonnen. Sie ist aber Realistin genug, ihre Siege nüchtern zu betrachten, obwohl ich überzeugt bin, dass sie so schlecht nicht gelaufen ist, wie sie sagt. Gefreut hat sich aber Lizzy Hawker über den Zermattersieg, als sei es ihr erster Sieg überhaupt gewesen. Es muss schrecklich sein für einen Athleten, du möchtest und du kannst nicht. Zusammen mit meiner Kollegin Andrea Derungs die das Gespräch Simultan übersetzte, haben wir eine aufgestellte, frische Lizzy kennengelernt, die schon in Laufausrüstung uns gegenüber sass, ihren Tee schlürfte und anschliessend zum Training aufbrach.

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Marcel: Lizzy, wie ist das Gefühl in Dir heute Morgen nach Deinem Sieg gestern?
Lizzy: Ich bin Happy! Ich weiss jetzt, dass meine Beine und mein Körper auf gutem Wege zur Heilung sind.
Marcel: Du hast ja bereits am letzten Sonntag auf der Bettmeralp im Halbmarathon gesiegt. War der Sieg eine Überraschung oder bist Du gestartet weil Du schon die Form gespürt hast?
Lizzy: Dass war für mich eine grosse Überraschung. Ich ging nicht um zu gewinnen nach der Bettmeralp, sondern wollte einfach schauen, ob es überhaupt wieder geht mit dem Laufen. Ich war aber sehr vorsichtig, schaute überall um ja nicht falsch zu treten, dass es trotzdem reichte, hat mich sehr glücklich gemacht. Laufen ist mein Leben!
Ich konnte bis hierher nur täglich eine Stunde trainieren - mehr Training hat mir der Arzt verboten.
Marcel: Wie war das genau mit Deiner Verletzung?
Lizzy: Ich bin am Morgen zur Arbeit auf einer Eisplatte an der Bushaltestelle ausgerutscht. Ich habe lange nichts gemerkt und erst als ich ins Training ging, da hat sich die Verletzung schmerzhaft bemerkbar gemacht. Es folgten dann Test's, Arzt hier, Arzt da - ich lag im Computertomografen etc. bis man dann die Verletzung genau feststellen konnt. Ich bekam drei Monate Jogging Verbot.
Marcel: War diese Verletzung nicht so ein Schlusspunkt auf letzte Saison wo Du so viele Rennen gewonnen hast und gegen Schluss der Saison gesundheitliche Probleme bekamst - so wie ausgelaugt - oder der Körper hat sich einfach seine Auszeit geholt?
Lizzy: Ich denke schon, du hast recht. Ich habe meinem Körper viel fast zuviel zugetraut. Immer so konnte es nicht weiter gehen. Irgendwie verstehe ich das und bin meinem Körper auch nicht böse darüber. In einer solchen Situation wo dir alles gelingt, treibt man gerne Raubbau.Um so sorgfältiger werde ich diese Saison angehen.
Marcel: Wie war das gestern Morgen - bist Du da voller Speed losgerannt?
Lizzy: Auch gestern bin ich noch sehr, sehr vorsichtig gestartet und einfach am Anfang im vorderen Feld mitgelaufen.Bald habe ich aber gemerkt, es geht dir gut - du kommst auf Touren und war dabei ungemein glücklich.
Marcel: Im oberen Teil des Laufes ist Dir Claudia Landolt sehr nahe gekommen, wie hast Du darauf reagiert?
Lizzy: Ich hörte Geräusche hinter mir im Tunnel und wusste, oha da kommt sie, da habe ich gesagt jetzt los und die Beine haben sich an die gute alte Zeit erinnert und sind losgegangen. So konnte ich wieder einen sicheren Abstand zu Claudia herstellen.
Marcel: Was hast Du auf den letzten Metern und dann im Ziel gedacht?
Lizzy: Ich bin so Happy! Ich bin so froh! Doch ich hatte auch sehr gemischte Gefühle. Hat mein Körper mitgemacht? Ist meine Verletzung nicht wieder da? Ich habe mich überall abgetastet, bis ich sicher war. Mein Körper hat mich voll unterstützt - so gut er es in dieser Situation konnte. Ich muss aber dazu sagen, ich fühlte mich im Laufen langsam und hoffe sehr der Kick von Früher kommt wieder.
Marcel: Wie verläuft jetzt Deine Saison weiter?
Lizzy: Ich werde jetzt noch eine Woche in Zermatt trainieren. Morgen gehe ich mit Freunden aus England Bergsteigen. Dass ist wie aktive Erholung! Dass liebe ich. (Lizzy Hawker ist auch eine begnadete Bergsteigerin, war schon oft im Himalaya und kennt alle bekannte Berge) Dann werde ich mein Trainingspensum anfangen zu steigern. Es stehen auch noch die Ausscheidungen in der Englischen Nationalmannschaft für die Langdistanz im Strassenmarathon für die Weltmeisterschaften an. Da muss ich 50km laufen um in Rom (30.9.) an der WM starten zu können. Der nächste Berglauf ist der Alpin Marathon und ende August der Ultra Trail (163km) in Chamonix, wo mein Sponsor "The North Face" sich fest engagiert. So sieht in etwa mein Programm aus.

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Marcel: Wie geht es mit Deiner Arbeit - hier kannst Du ja nicht als Meeresbiologin arbeiten?
Lizzy: O doch! Ich kann meine Arbeit von überall aus weiterführen. Mit dem Computer bin ich jederzeit in meinem Programmen. So kann ich auch die Zeit in der Schweiz verbringen. Hier bin ich am liebsten! Ich möchte auch hier bleiben.
Marcel: Wir danken Dir, dass Du zum Interviewtermin gekommen bist. Mal ehrlich, jetzt gehst Du sicher ins Hotel die Beine strecken oder in den Swimmingpool?
Lizzy: Oh Nein! Jetzt gehe ich rennen! (Strahlt übers ganze Gesicht) Ich werde heute morgen locker 1-2 Stunden laufen um den Marathon von gestern zu verdauen. Und dann, ja dann kommen die Freunde aus England. Ich freue mich!
Wer Lizzy näher kennt, der weiss - Laufen ist ihr Leben - für sie ist es das Schönste Eins in Eins mit der Natur zu sein, die Berge - die Einsamkeit nur ganz allein in dieser prächtigen Welt draussen zu laufen.
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